Gutzkow, Karl: Die neuen Serapionsbrüder. Bd. 3. Breslau, 1877.Messer hantierenden Eifersucht, theils der Entziehung seiner gewohnten animalischen Kost werden zu wollen. Ich kann ja kaum noch den Schlägel im Atelier führen, und die Gruppe für Graf Wilhelm muß nun hinaus! sagte er wehklagend. Josefa traute freilich Mahlo für das Revidiren der Taschen nicht recht. Geschäftsleute sind vergeßlich, sagte sie; ein "Portefeuille mit einem Päckchen Hunderttausend-Markscheinen" gleitet leicht in die Ueberziehertasche statt in den Gehrock! Doch schon "als Abträger der Speisereste" hatte sich Mahlo "bei diesen schlechten Zeiten" gemeldet und durchzusetzen gewußt. Um wie viel mehr behauptete er sich für den einträglichen Garderobierposten. Er hatte sich einen halben Jahrgang des Socialnivellirers zu diesem Ende in seinem Ueberzieher mitgebracht, nicht etwa zur Lectüre, sondern als geeigneten Kellerraum für das, was "zu retten" war, obgleich die Frau Baronin Ugarti streng aufpaßte. An dieser Frau war Eines echt, die Nägel, mit denen sie empfindlich kratzen konnte trotz aller südlichen Gemüthlichkeit. Er hatte das bei gelegentlichen Besuchen der Josefa schon in Erfahrung gebracht. Der Pfarrer wußte nicht, mit wem er anbinden sollte. Mit seinem Anliegen, das Fräulein zu sprechen, wagte er nicht herauszurücken. Die Tänzer flogen an ihm vorüber wie der Wind. Wo mag die Glückliche Messer hantierenden Eifersucht, theils der Entziehung seiner gewohnten animalischen Kost werden zu wollen. Ich kann ja kaum noch den Schlägel im Atelier führen, und die Gruppe für Graf Wilhelm muß nun hinaus! sagte er wehklagend. Josefa traute freilich Mahlo für das Revidiren der Taschen nicht recht. Geschäftsleute sind vergeßlich, sagte sie; ein „Portefeuille mit einem Päckchen Hunderttausend-Markscheinen“ gleitet leicht in die Ueberziehertasche statt in den Gehrock! Doch schon „als Abträger der Speisereste“ hatte sich Mahlo „bei diesen schlechten Zeiten“ gemeldet und durchzusetzen gewußt. Um wie viel mehr behauptete er sich für den einträglichen Garderobierposten. Er hatte sich einen halben Jahrgang des Socialnivellirers zu diesem Ende in seinem Ueberzieher mitgebracht, nicht etwa zur Lectüre, sondern als geeigneten Kellerraum für das, was „zu retten“ war, obgleich die Frau Baronin Ugarti streng aufpaßte. An dieser Frau war Eines echt, die Nägel, mit denen sie empfindlich kratzen konnte trotz aller südlichen Gemüthlichkeit. Er hatte das bei gelegentlichen Besuchen der Josefa schon in Erfahrung gebracht. Der Pfarrer wußte nicht, mit wem er anbinden sollte. Mit seinem Anliegen, das Fräulein zu sprechen, wagte er nicht herauszurücken. Die Tänzer flogen an ihm vorüber wie der Wind. Wo mag die Glückliche <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0116" n="110"/> Messer hantierenden Eifersucht, theils der Entziehung seiner gewohnten animalischen Kost werden zu wollen. Ich kann ja kaum noch den Schlägel im Atelier führen, und die Gruppe für Graf Wilhelm muß nun hinaus! sagte er wehklagend. Josefa traute freilich Mahlo für das Revidiren der Taschen nicht recht. Geschäftsleute sind vergeßlich, sagte sie; ein „Portefeuille mit einem Päckchen Hunderttausend-Markscheinen“ gleitet leicht in die Ueberziehertasche statt in den Gehrock! Doch schon „als Abträger der Speisereste“ hatte sich Mahlo „bei diesen schlechten Zeiten“ gemeldet und durchzusetzen gewußt. Um wie viel mehr behauptete er sich für den einträglichen Garderobierposten. Er hatte sich einen halben Jahrgang des Socialnivellirers zu diesem Ende in seinem Ueberzieher mitgebracht, nicht etwa zur Lectüre, sondern als geeigneten Kellerraum für das, was „zu retten“ war, obgleich die Frau Baronin Ugarti streng aufpaßte. An dieser Frau war Eines echt, die Nägel, mit denen sie empfindlich kratzen konnte trotz aller südlichen Gemüthlichkeit. Er hatte das bei gelegentlichen Besuchen der Josefa schon in Erfahrung gebracht.</p> <p>Der Pfarrer wußte nicht, mit wem er anbinden sollte. Mit seinem Anliegen, das Fräulein zu sprechen, wagte er nicht herauszurücken. Die Tänzer flogen an ihm vorüber wie der Wind. Wo mag die Glückliche </p> </div> </body> </text> </TEI> [110/0116]
Messer hantierenden Eifersucht, theils der Entziehung seiner gewohnten animalischen Kost werden zu wollen. Ich kann ja kaum noch den Schlägel im Atelier führen, und die Gruppe für Graf Wilhelm muß nun hinaus! sagte er wehklagend. Josefa traute freilich Mahlo für das Revidiren der Taschen nicht recht. Geschäftsleute sind vergeßlich, sagte sie; ein „Portefeuille mit einem Päckchen Hunderttausend-Markscheinen“ gleitet leicht in die Ueberziehertasche statt in den Gehrock! Doch schon „als Abträger der Speisereste“ hatte sich Mahlo „bei diesen schlechten Zeiten“ gemeldet und durchzusetzen gewußt. Um wie viel mehr behauptete er sich für den einträglichen Garderobierposten. Er hatte sich einen halben Jahrgang des Socialnivellirers zu diesem Ende in seinem Ueberzieher mitgebracht, nicht etwa zur Lectüre, sondern als geeigneten Kellerraum für das, was „zu retten“ war, obgleich die Frau Baronin Ugarti streng aufpaßte. An dieser Frau war Eines echt, die Nägel, mit denen sie empfindlich kratzen konnte trotz aller südlichen Gemüthlichkeit. Er hatte das bei gelegentlichen Besuchen der Josefa schon in Erfahrung gebracht.
Der Pfarrer wußte nicht, mit wem er anbinden sollte. Mit seinem Anliegen, das Fräulein zu sprechen, wagte er nicht herauszurücken. Die Tänzer flogen an ihm vorüber wie der Wind. Wo mag die Glückliche
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| Zitationshilfe: | Gutzkow, Karl: Die neuen Serapionsbrüder. Bd. 3. Breslau, 1877, S. 110. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_serapionsbrueder03_1877/116>, abgerufen am 23.09.2024. |


