Gutzkow, Karl: Die neuen Serapionsbrüder. Bd. 3. Breslau, 1877.seine Anklage, die auf ein Gerücht gehen sollte, daß sie mit der Ugarti öffentliche Orte besuchte, um ihre Reize herauszustellen. Was geht Sie? wiederholte Raimund erschreckend. Das Wort, das Wolny nicht ganz hatte aussprechen wollen, lautete noch ziemlich unbefangen. Ich wollte von dem Beunruhigen der alten Gräfin sprechen! lenkte Wolny ein. Was geht sie bis an diese selbst? Die alte Matrone hat doch wahrlich mit der Ehe ihres Neffen schon Kummer genug! Raimund war nun über das "Warum geht sie -?" beruhigt und machte den bekannten Gestus des Geldzählens mit den Fingerspitzen in so verschmitzter Weise, daß sich Wolny nicht enthalten konnte, in die Worte auszubrechen: Kommt diese unedle Aufhetzung aus Ihnen oder aus der Seele jenes zweideutigen Geschöpfes, dem Sie sich verbunden haben? Herzogthümer, deren Eigner vorher ermordet wurden, konnte ihr doch der Graf, ihr Vater, wie Papst Alexander, nicht schenken! Entweihen auch Sie das edelste Verhältniß der Welt? erhob sich mit donnernder Stimme Raimund. Nie war eine Beziehung makelloser und reiner, als die zwischen dem Grafen Wilhelm und meiner Verlobten! Dichter hätten diesen Verkehr besingen können! seine Anklage, die auf ein Gerücht gehen sollte, daß sie mit der Ugarti öffentliche Orte besuchte, um ihre Reize herauszustellen. Was geht Sie? wiederholte Raimund erschreckend. Das Wort, das Wolny nicht ganz hatte aussprechen wollen, lautete noch ziemlich unbefangen. Ich wollte von dem Beunruhigen der alten Gräfin sprechen! lenkte Wolny ein. Was geht sie bis an diese selbst? Die alte Matrone hat doch wahrlich mit der Ehe ihres Neffen schon Kummer genug! Raimund war nun über das „Warum geht sie –?“ beruhigt und machte den bekannten Gestus des Geldzählens mit den Fingerspitzen in so verschmitzter Weise, daß sich Wolny nicht enthalten konnte, in die Worte auszubrechen: Kommt diese unedle Aufhetzung aus Ihnen oder aus der Seele jenes zweideutigen Geschöpfes, dem Sie sich verbunden haben? Herzogthümer, deren Eigner vorher ermordet wurden, konnte ihr doch der Graf, ihr Vater, wie Papst Alexander, nicht schenken! Entweihen auch Sie das edelste Verhältniß der Welt? erhob sich mit donnernder Stimme Raimund. Nie war eine Beziehung makelloser und reiner, als die zwischen dem Grafen Wilhelm und meiner Verlobten! Dichter hätten diesen Verkehr besingen können! <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0230" n="224"/> seine Anklage, die auf ein Gerücht gehen sollte, daß sie mit der Ugarti öffentliche Orte besuchte, um ihre Reize herauszustellen.</p> <p>Was geht Sie? wiederholte Raimund erschreckend. Das Wort, das Wolny nicht ganz hatte aussprechen wollen, lautete noch ziemlich unbefangen.</p> <p>Ich wollte von dem Beunruhigen der alten Gräfin sprechen! lenkte Wolny ein. Was geht sie bis an diese selbst? Die alte Matrone hat doch wahrlich mit der Ehe ihres Neffen schon Kummer genug!</p> <p>Raimund war nun über das „Warum geht sie –?“ beruhigt und machte den bekannten Gestus des Geldzählens mit den Fingerspitzen in so verschmitzter Weise, daß sich Wolny nicht enthalten konnte, in die Worte auszubrechen: Kommt diese unedle Aufhetzung aus Ihnen oder aus der Seele jenes zweideutigen Geschöpfes, dem Sie sich verbunden haben? Herzogthümer, deren Eigner vorher ermordet wurden, konnte ihr doch der Graf, ihr Vater, wie Papst Alexander, nicht schenken!</p> <p>Entweihen auch Sie das edelste Verhältniß der Welt? erhob sich mit donnernder Stimme Raimund. Nie war eine Beziehung makelloser und reiner, als die zwischen dem Grafen Wilhelm und meiner Verlobten! Dichter hätten diesen Verkehr besingen können!</p> </div> </body> </text> </TEI> [224/0230]
seine Anklage, die auf ein Gerücht gehen sollte, daß sie mit der Ugarti öffentliche Orte besuchte, um ihre Reize herauszustellen.
Was geht Sie? wiederholte Raimund erschreckend. Das Wort, das Wolny nicht ganz hatte aussprechen wollen, lautete noch ziemlich unbefangen.
Ich wollte von dem Beunruhigen der alten Gräfin sprechen! lenkte Wolny ein. Was geht sie bis an diese selbst? Die alte Matrone hat doch wahrlich mit der Ehe ihres Neffen schon Kummer genug!
Raimund war nun über das „Warum geht sie –?“ beruhigt und machte den bekannten Gestus des Geldzählens mit den Fingerspitzen in so verschmitzter Weise, daß sich Wolny nicht enthalten konnte, in die Worte auszubrechen: Kommt diese unedle Aufhetzung aus Ihnen oder aus der Seele jenes zweideutigen Geschöpfes, dem Sie sich verbunden haben? Herzogthümer, deren Eigner vorher ermordet wurden, konnte ihr doch der Graf, ihr Vater, wie Papst Alexander, nicht schenken!
Entweihen auch Sie das edelste Verhältniß der Welt? erhob sich mit donnernder Stimme Raimund. Nie war eine Beziehung makelloser und reiner, als die zwischen dem Grafen Wilhelm und meiner Verlobten! Dichter hätten diesen Verkehr besingen können!
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| Zitationshilfe: | Gutzkow, Karl: Die neuen Serapionsbrüder. Bd. 3. Breslau, 1877, S. 224. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_serapionsbrueder03_1877/230>, abgerufen am 25.09.2024. |


