mißbraucht haben, theils, wie das Mißverhältniß des Papiers zum Gelde außerordentlich war; theils endlich, mit welcher Geschicklichkeit sich die Londoner Börse benommen, und mit welchem Takt sie ihren Vortheil gewahrt hat. Auf einen Punkt kam Jeder hinaus, daß man nämlich über die Krisis nur deßhalb sprach, weil sie da war, wie man eine Krankheit erwartet, ohne sich um das Heilmittel zu bekümmern. Weil z. B. in Frankreich die Krisis keine bedeutende Wirkungen hinterließ, und Handel und Jndustrie im Allgemeinen ihren gewöhnlichen Gang fortgingen; daraus haben die öffentlichen Organe nur blos auf die Gegenwart geschlossen und haben die Gründe dafür in äußern Ursachen gesucht, in der allgemeinen Politik, ja sogar einzig und allein in dem Ministerium.
Ein Theil dieses Schlusses ist richtig. Eine Krisis scheint nicht nahe zu seyn, was die Jndustrie betrifft, allein dafür braucht es keine eigenen Gründe zu geben; die schon bekannten erklären die Sache hinlänglich, auch sind es weniger politische als industrielle. Es ist bekannt genug, daß die Schulden der europäischen Staaten furchtbar groß sind, daß Jndustrie und Handel sich in einer Lage befinden, die Krise unterstützen zu müssen. Es ist bekannt genug, daß nur 4 Milliarden baares Geld in Europa die Circulation eines Papierhandels aufrecht halten müssen, der in etwa 30 - 40 Milliarden Staatsschuld und mehr als 20 Bankbillets, Eisenbahn-
mißbraucht haben, theils, wie das Mißverhältniß des Papiers zum Gelde außerordentlich war; theils endlich, mit welcher Geschicklichkeit sich die Londoner Börse benommen, und mit welchem Takt sie ihren Vortheil gewahrt hat. Auf einen Punkt kam Jeder hinaus, daß man nämlich über die Krisis nur deßhalb sprach, weil sie da war, wie man eine Krankheit erwartet, ohne sich um das Heilmittel zu bekümmern. Weil z. B. in Frankreich die Krisis keine bedeutende Wirkungen hinterließ, und Handel und Jndustrie im Allgemeinen ihren gewöhnlichen Gang fortgingen; daraus haben die öffentlichen Organe nur blos auf die Gegenwart geschlossen und haben die Gründe dafür in äußern Ursachen gesucht, in der allgemeinen Politik, ja sogar einzig und allein in dem Ministerium.
Ein Theil dieses Schlusses ist richtig. Eine Krisis scheint nicht nahe zu seyn, was die Jndustrie betrifft, allein dafür braucht es keine eigenen Gründe zu geben; die schon bekannten erklären die Sache hinlänglich, auch sind es weniger politische als industrielle. Es ist bekannt genug, daß die Schulden der europäischen Staaten furchtbar groß sind, daß Jndustrie und Handel sich in einer Lage befinden, die Krise unterstützen zu müssen. Es ist bekannt genug, daß nur 4 Milliarden baares Geld in Europa die Circulation eines Papierhandels aufrecht halten müssen, der in etwa 30 – 40 Milliarden Staatsschuld und mehr als 20 Bankbillets, Eisenbahn-
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mißbraucht haben, theils, wie das Mißverhältniß des Papiers zum Gelde außerordentlich war; theils endlich, mit welcher Geschicklichkeit sich die Londoner Börse benommen, und mit welchem Takt sie ihren Vortheil gewahrt hat. Auf einen Punkt kam Jeder hinaus, daß man nämlich über die Krisis nur deßhalb sprach, <hirendition="#g">weil sie da war</hi>, wie man eine Krankheit erwartet, ohne sich um das Heilmittel zu bekümmern. Weil z. B. in Frankreich die Krisis keine bedeutende Wirkungen hinterließ, und Handel und Jndustrie im Allgemeinen ihren gewöhnlichen Gang fortgingen; daraus haben die öffentlichen Organe nur blos auf die Gegenwart geschlossen und haben die Gründe dafür in äußern Ursachen gesucht, in der allgemeinen Politik, ja sogar einzig und allein in dem Ministerium.</p><p>Ein Theil dieses Schlusses ist richtig. Eine Krisis scheint nicht nahe zu seyn, was die Jndustrie betrifft, allein dafür braucht es keine eigenen Gründe zu geben; die schon bekannten erklären die Sache hinlänglich, auch sind es weniger politische als industrielle. Es ist bekannt genug, daß die Schulden der europäischen Staaten furchtbar groß sind, daß Jndustrie und Handel sich in einer Lage befinden, die Krise unterstützen zu müssen. Es ist bekannt genug, daß nur 4 Milliarden baares Geld in Europa die Circulation eines Papierhandels aufrecht halten müssen, der in etwa 30 – 40 Milliarden Staatsschuld und mehr als 20 Bankbillets, Eisenbahn-
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mißbraucht haben, theils, wie das Mißverhältniß des Papiers zum Gelde außerordentlich war; theils endlich, mit welcher Geschicklichkeit sich die Londoner Börse benommen, und mit welchem Takt sie ihren Vortheil gewahrt hat. Auf einen Punkt kam Jeder hinaus, daß man nämlich über die Krisis nur deßhalb sprach, weil sie da war, wie man eine Krankheit erwartet, ohne sich um das Heilmittel zu bekümmern. Weil z. B. in Frankreich die Krisis keine bedeutende Wirkungen hinterließ, und Handel und Jndustrie im Allgemeinen ihren gewöhnlichen Gang fortgingen; daraus haben die öffentlichen Organe nur blos auf die Gegenwart geschlossen und haben die Gründe dafür in äußern Ursachen gesucht, in der allgemeinen Politik, ja sogar einzig und allein in dem Ministerium.
Ein Theil dieses Schlusses ist richtig. Eine Krisis scheint nicht nahe zu seyn, was die Jndustrie betrifft, allein dafür braucht es keine eigenen Gründe zu geben; die schon bekannten erklären die Sache hinlänglich, auch sind es weniger politische als industrielle. Es ist bekannt genug, daß die Schulden der europäischen Staaten furchtbar groß sind, daß Jndustrie und Handel sich in einer Lage befinden, die Krise unterstützen zu müssen. Es ist bekannt genug, daß nur 4 Milliarden baares Geld in Europa die Circulation eines Papierhandels aufrecht halten müssen, der in etwa 30 – 40 Milliarden Staatsschuld und mehr als 20 Bankbillets, Eisenbahn-
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Gutzkow, Karl: Die Zeitgenossen. 1. Bd. 2. Aufl. Pforzheim, 1842, S. 208. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_zeitgenossen01_1842/236>, abgerufen am 23.09.2024.
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