Gutzkow, Karl: Die Zeitgenossen. 1. Bd. 2. Aufl. Pforzheim, 1842.vollkommnen Schlachtplan, er vertheilte uns in verschiedene Corps, die sich wechselseitig den Störenfried in die Hände treiben sollten. Alle unsere Operationen waren darauf gerichtet, die störende Ursache des häuslichen Glücks dieser Familie auf die Küche, wo die Theebrette gestanden hatten, zurückzutreiben. Wir zitterten, indem dieser Heldenmuth über uns kam, und erschracken schon im Voraus, wenn wir Siegerinnen werden sollten. Jn der Küche liefen endlich alle vereinzelten Manoeuvres unsrer Treibjagd zusammen, und Bab warf sich wie eine Amazone auf das männliche und weibliche Personal, welches das Hintertheil des Hauses, wie das Vordertheil bewohnte. Niemand wollte natürlicher Weise gestehen, daß er im Hause meiner Schwester das Verlagsgeschäft der auf sie gemachten Pasquille übernommen hätte. Alle, und niemand mehr, als der Portier, betheuerten, daß keine verdächtige Seele in das Haus gekommen wäre. Hilary stellte die strengsten Untersuchungen an; er spannte seine Kameraden vor unsern Augen auf eine moralische Folterbank. Allein es wurde klar, daß das Gesinde unschuldig war und die Schuld jedenfalls auf einen Gast der Herrschaft geschoben werden mußte, der den freundlichen Empfang, welchen er gefunden, wahrscheinlich auf eine so unedle Weise vergolten. Wir waren alle verstimmt; ich wurde es müde und bat, mir mein Zimmer anweisen zu wollen. Es war übrigens schändlich, daß man mir mit der größten Bereitwilligkeit dieses Zimmer sogleich anwies vollkommnen Schlachtplan, er vertheilte uns in verschiedene Corps, die sich wechselseitig den Störenfried in die Hände treiben sollten. Alle unsere Operationen waren darauf gerichtet, die störende Ursache des häuslichen Glücks dieser Familie auf die Küche, wo die Theebrette gestanden hatten, zurückzutreiben. Wir zitterten, indem dieser Heldenmuth über uns kam, und erschracken schon im Voraus, wenn wir Siegerinnen werden sollten. Jn der Küche liefen endlich alle vereinzelten Manoeuvres unsrer Treibjagd zusammen, und Bab warf sich wie eine Amazone auf das männliche und weibliche Personal, welches das Hintertheil des Hauses, wie das Vordertheil bewohnte. Niemand wollte natürlicher Weise gestehen, daß er im Hause meiner Schwester das Verlagsgeschäft der auf sie gemachten Pasquille übernommen hätte. Alle, und niemand mehr, als der Portier, betheuerten, daß keine verdächtige Seele in das Haus gekommen wäre. Hilary stellte die strengsten Untersuchungen an; er spannte seine Kameraden vor unsern Augen auf eine moralische Folterbank. Allein es wurde klar, daß das Gesinde unschuldig war und die Schuld jedenfalls auf einen Gast der Herrschaft geschoben werden mußte, der den freundlichen Empfang, welchen er gefunden, wahrscheinlich auf eine so unedle Weise vergolten. Wir waren alle verstimmt; ich wurde es müde und bat, mir mein Zimmer anweisen zu wollen. Es war übrigens schändlich, daß man mir mit der größten Bereitwilligkeit dieses Zimmer sogleich anwies <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0468" n="440"/> vollkommnen Schlachtplan, er vertheilte uns in verschiedene Corps, die sich wechselseitig den Störenfried in die Hände treiben sollten. Alle unsere Operationen waren darauf gerichtet, die störende Ursache des häuslichen Glücks dieser Familie auf die Küche, wo die Theebrette gestanden hatten, zurückzutreiben. Wir zitterten, indem dieser Heldenmuth über uns kam, und erschracken schon im Voraus, wenn wir Siegerinnen werden sollten. Jn der Küche liefen endlich alle vereinzelten Manoeuvres unsrer Treibjagd zusammen, und Bab warf sich wie eine Amazone auf das männliche und weibliche Personal, welches das Hintertheil des Hauses, wie das Vordertheil bewohnte. Niemand wollte natürlicher Weise gestehen, daß er im Hause meiner Schwester das Verlagsgeschäft der auf sie gemachten Pasquille übernommen hätte. Alle, und niemand mehr, als der Portier, betheuerten, daß keine verdächtige Seele in das Haus gekommen wäre. Hilary stellte die strengsten Untersuchungen an; er spannte seine Kameraden vor unsern Augen auf eine moralische Folterbank. Allein es wurde klar, daß das Gesinde unschuldig war und die Schuld jedenfalls auf einen Gast der Herrschaft geschoben werden mußte, der den freundlichen Empfang, welchen er gefunden, wahrscheinlich auf eine so unedle Weise vergolten. Wir waren alle verstimmt; ich wurde es müde und bat, mir mein Zimmer anweisen zu wollen. Es war übrigens schändlich, daß man mir mit der größten Bereitwilligkeit dieses Zimmer sogleich anwies </p> </div> </body> </text> </TEI> [440/0468]
vollkommnen Schlachtplan, er vertheilte uns in verschiedene Corps, die sich wechselseitig den Störenfried in die Hände treiben sollten. Alle unsere Operationen waren darauf gerichtet, die störende Ursache des häuslichen Glücks dieser Familie auf die Küche, wo die Theebrette gestanden hatten, zurückzutreiben. Wir zitterten, indem dieser Heldenmuth über uns kam, und erschracken schon im Voraus, wenn wir Siegerinnen werden sollten. Jn der Küche liefen endlich alle vereinzelten Manoeuvres unsrer Treibjagd zusammen, und Bab warf sich wie eine Amazone auf das männliche und weibliche Personal, welches das Hintertheil des Hauses, wie das Vordertheil bewohnte. Niemand wollte natürlicher Weise gestehen, daß er im Hause meiner Schwester das Verlagsgeschäft der auf sie gemachten Pasquille übernommen hätte. Alle, und niemand mehr, als der Portier, betheuerten, daß keine verdächtige Seele in das Haus gekommen wäre. Hilary stellte die strengsten Untersuchungen an; er spannte seine Kameraden vor unsern Augen auf eine moralische Folterbank. Allein es wurde klar, daß das Gesinde unschuldig war und die Schuld jedenfalls auf einen Gast der Herrschaft geschoben werden mußte, der den freundlichen Empfang, welchen er gefunden, wahrscheinlich auf eine so unedle Weise vergolten. Wir waren alle verstimmt; ich wurde es müde und bat, mir mein Zimmer anweisen zu wollen. Es war übrigens schändlich, daß man mir mit der größten Bereitwilligkeit dieses Zimmer sogleich anwies
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| Zitationshilfe: | Gutzkow, Karl: Die Zeitgenossen. 1. Bd. 2. Aufl. Pforzheim, 1842, S. 440. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_zeitgenossen01_1842/468>, abgerufen am 26.09.2024. |


