"che Erfahrung bemerken, wie viele Unsrer "getreuen Unterthanen bey verschiedenen Rich- "terstühlen, und besonders an den entfernten "und von Unsrer Residenz weit abgelegenen "Orten, nicht nur keine baldige Rechtspflege "erhalten, sondern wohl gar durch gewaltsame "und listige Gewinnsucht, oder deutlicher zu "sagen, durch offenbare Plünderung ihres Ver- "mögens, in äußersten Verfall und bittere Ar- "muth gerathen.
"Es ist zwar andem, daß zu Hemmung "dieses Unwesens noch von Peters des Gro- "ßen Zeiten her nach Maasgabe der damaligen "Umstände verschiedene Verordnungen gemacht "und nachher auch alle Strenge der Gesetze an- "gewandt worden. Allein der Erfolg ent- "sprach dem Wunsche und der gehabten Ab- "sicht nicht hinlänglich, welches zum Theil da- "her entstanden zu seyn scheinet, daß bey Bese- "tzung der Richterstühle nicht allezeit gehörige "Sorgfalt und genaue Prüfung angewandt, "sondern bisweilen solche Leute dazu befördert "worden, die weder Kenntniß noch Geschick- "lichkeit gehabt, und in Führung ihres Am- "tes sich bloß durch ihre Untergebene haben "leiten lassen; zum Theil auch daher, daß "man nicht allein unbemittelte Leute, sondern
"wohl
Leben Catharinaͤ der zweyten
„che Erfahrung bemerken, wie viele Unſrer „getreuen Unterthanen bey verſchiedenen Rich- „terſtuͤhlen, und beſonders an den entfernten „und von Unſrer Reſidenz weit abgelegenen „Orten, nicht nur keine baldige Rechtspflege „erhalten, ſondern wohl gar durch gewaltſame „und liſtige Gewinnſucht, oder deutlicher zu „ſagen, durch offenbare Pluͤnderung ihres Ver- „moͤgens, in aͤußerſten Verfall und bittere Ar- „muth gerathen.
“Es iſt zwar andem, daß zu Hemmung „dieſes Unweſens noch von Peters des Gro- „ßen Zeiten her nach Maasgabe der damaligen „Umſtaͤnde verſchiedene Verordnungen gemacht „und nachher auch alle Strenge der Geſetze an- „gewandt worden. Allein der Erfolg ent- „ſprach dem Wunſche und der gehabten Ab- „ſicht nicht hinlaͤnglich, welches zum Theil da- „her entſtanden zu ſeyn ſcheinet, daß bey Beſe- „tzung der Richterſtuͤhle nicht allezeit gehoͤrige „Sorgfalt und genaue Pruͤfung angewandt, „ſondern bisweilen ſolche Leute dazu befoͤrdert „worden, die weder Kenntniß noch Geſchick- „lichkeit gehabt, und in Fuͤhrung ihres Am- „tes ſich bloß durch ihre Untergebene haben „leiten laſſen; zum Theil auch daher, daß „man nicht allein unbemittelte Leute, ſondern
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Leben Catharinaͤ der zweyten
„che Erfahrung bemerken, wie viele Unſrer
„getreuen Unterthanen bey verſchiedenen Rich-
„terſtuͤhlen, und beſonders an den entfernten
„und von Unſrer Reſidenz weit abgelegenen
„Orten, nicht nur keine baldige Rechtspflege
„erhalten, ſondern wohl gar durch gewaltſame
„und liſtige Gewinnſucht, oder deutlicher zu
„ſagen, durch offenbare Pluͤnderung ihres Ver-
„moͤgens, in aͤußerſten Verfall und bittere Ar-
„muth gerathen.
“Es iſt zwar andem, daß zu Hemmung
„dieſes Unweſens noch von Peters des Gro-
„ßen Zeiten her nach Maasgabe der damaligen
„Umſtaͤnde verſchiedene Verordnungen gemacht
„und nachher auch alle Strenge der Geſetze an-
„gewandt worden. Allein der Erfolg ent-
„ſprach dem Wunſche und der gehabten Ab-
„ſicht nicht hinlaͤnglich, welches zum Theil da-
„her entſtanden zu ſeyn ſcheinet, daß bey Beſe-
„tzung der Richterſtuͤhle nicht allezeit gehoͤrige
„Sorgfalt und genaue Pruͤfung angewandt,
„ſondern bisweilen ſolche Leute dazu befoͤrdert
„worden, die weder Kenntniß noch Geſchick-
„lichkeit gehabt, und in Fuͤhrung ihres Am-
„tes ſich bloß durch ihre Untergebene haben
„leiten laſſen; zum Theil auch daher, daß
„man nicht allein unbemittelte Leute, ſondern
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[Schlözer, August Ludwig von]: Neuverändertes Rußland oder Leben Catharinä der Zweyten Kayserinn von Rußland. Bd. 1. Riga u. a., 1767, S. 104. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/haigold_russland01_1767/128>, abgerufen am 11.09.2024.
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