macht worden. Z. E. man hat erlaubt, die Instrumente zu neuen allhier anzulegenden Fa- briken zollfrey einzuführen: diese Erlaubniß dehnt man nun viel zu weit, und zum größten Nachtheil der Handlung, so gar auf Materia- lien aus. Dieß gilt hauptsächlich von den Zu- cker- und Zitz-Fabriken.
Die erstern betreffend, so stimmt die zoll- freye Einfuhr des rohen Zuckers (denn die gar zu geringe Abgabe, die er wirklich giebt, ver- dient gar kein Zoll genannt zu werden) weder mit den Ukasen noch mit der gesunden Vernunft überein. Es ließe sich entschuldigen, wenn der rohe Zucker auf hiesigen Schiffen einge- bracht und aus der ersten Hand geholet würde: denn alsdenn könnte vielleicht aller roher Zucker hier zusammen kommen, und Rußland folglich alle übrige Länder mit Zucker versorgen. Auch wäre es ganz ein anders, wenn der rohe Zu- cker aus Persien, aus der Krim, oder China gebracht würde: denn in diesem Falle müßte man die Einfuhr desselben möglichst erleichtern, damit ihn andre Länder von hieraus holten. Allein jetzo ist es unmöglich, daß so mächtige und die Handlungsvortheile so gut kennende Nationen, als die Engländer, Holländer u. a. sind, es zugeben sollten, daß aller roher Zu-
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Kayſerinn von Rußland.
macht worden. Z. E. man hat erlaubt, die Inſtrumente zu neuen allhier anzulegenden Fa- briken zollfrey einzufuͤhren: dieſe Erlaubniß dehnt man nun viel zu weit, und zum groͤßten Nachtheil der Handlung, ſo gar auf Materia- lien aus. Dieß gilt hauptſaͤchlich von den Zu- cker- und Zitz-Fabriken.
Die erſtern betreffend, ſo ſtimmt die zoll- freye Einfuhr des rohen Zuckers (denn die gar zu geringe Abgabe, die er wirklich giebt, ver- dient gar kein Zoll genannt zu werden) weder mit den Ukaſen noch mit der geſunden Vernunft uͤberein. Es ließe ſich entſchuldigen, wenn der rohe Zucker auf hieſigen Schiffen einge- bracht und aus der erſten Hand geholet wuͤrde: denn alsdenn koͤnnte vielleicht aller roher Zucker hier zuſammen kommen, und Rußland folglich alle uͤbrige Laͤnder mit Zucker verſorgen. Auch waͤre es ganz ein anders, wenn der rohe Zu- cker aus Perſien, aus der Krim, oder China gebracht wuͤrde: denn in dieſem Falle muͤßte man die Einfuhr deſſelben moͤglichſt erleichtern, damit ihn andre Laͤnder von hieraus holten. Allein jetzo iſt es unmoͤglich, daß ſo maͤchtige und die Handlungsvortheile ſo gut kennende Nationen, als die Englaͤnder, Hollaͤnder u. a. ſind, es zugeben ſollten, daß aller roher Zu-
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Kayſerinn von Rußland.
macht worden. Z. E. man hat erlaubt, die
Inſtrumente zu neuen allhier anzulegenden Fa-
briken zollfrey einzufuͤhren: dieſe Erlaubniß
dehnt man nun viel zu weit, und zum groͤßten
Nachtheil der Handlung, ſo gar auf Materia-
lien aus. Dieß gilt hauptſaͤchlich von den Zu-
cker- und Zitz-Fabriken.
Die erſtern betreffend, ſo ſtimmt die zoll-
freye Einfuhr des rohen Zuckers (denn die gar
zu geringe Abgabe, die er wirklich giebt, ver-
dient gar kein Zoll genannt zu werden) weder
mit den Ukaſen noch mit der geſunden Vernunft
uͤberein. Es ließe ſich entſchuldigen, wenn
der rohe Zucker auf hieſigen Schiffen einge-
bracht und aus der erſten Hand geholet wuͤrde:
denn alsdenn koͤnnte vielleicht aller roher Zucker
hier zuſammen kommen, und Rußland folglich
alle uͤbrige Laͤnder mit Zucker verſorgen. Auch
waͤre es ganz ein anders, wenn der rohe Zu-
cker aus Perſien, aus der Krim, oder China
gebracht wuͤrde: denn in dieſem Falle muͤßte
man die Einfuhr deſſelben moͤglichſt erleichtern,
damit ihn andre Laͤnder von hieraus holten.
Allein jetzo iſt es unmoͤglich, daß ſo maͤchtige
und die Handlungsvortheile ſo gut kennende
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[Schlözer, August Ludwig von]: Neuverändertes Rußland oder Leben Catharinä der Zweyten Kayserinn von Rußland. Bd. 1. Riga u. a., 1767, S. 121. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/haigold_russland01_1767/145>, abgerufen am 11.09.2024.
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