den Lehrern, Lehrerinnen, und Meistern, am allerwenigsten aber der Jugend, in deren Her- zen er die Tugend einpflanzen soll, nichts un- anständiges und ärgerliches sagen. Eben dieß soll auch von andern geschehen, und aufs ge- naueste darüber gehalten werden.
Wenn gleich Vernunft und Geschicklich- keit sein ganzes Betragen unabänderlich leiten soll: so soll er doch vor allen Dingen und bey jeder Gelegenheit Sanftmuth und eine unge- zwungne Freundlichkeit vorwalten lassen, und solche auch andern in der Academie, besonders aber den Kindern, und allen denen, die um sie seyn sollen, feste einprägen, damit solcher- gestalt auch aller Schein eines traurigen, ver- drüßlichen, und ängstlichen Wesens vermieden werde.
Dem zufolge soll er, so wie auch die Leh- rer, die Lehrerinnen, und die Meister, nicht nur in Worten, sondern auch in seinem gan- zen Betragen, ein Beyspiel einer wahren Tu- gend und aller derjenigen Eigenschaften geben, die seine Pflicht von ihm fodert. Er soll sich mit gutem Herzen zu seinen Untergebenen her- unter lassen, und wohl zu Zeiten Strenge ge- brauchen, jedoch immer mit Maße und der Ab- sicht gemäß, die ein Vater, der sein Kind wohl erziehen will, dabey hat, aber ja nicht mit Hi-
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Kayſerinn von Rußland.
den Lehrern, Lehrerinnen, und Meiſtern, am allerwenigſten aber der Jugend, in deren Her- zen er die Tugend einpflanzen ſoll, nichts un- anſtaͤndiges und aͤrgerliches ſagen. Eben dieß ſoll auch von andern geſchehen, und aufs ge- naueſte daruͤber gehalten werden.
Wenn gleich Vernunft und Geſchicklich- keit ſein ganzes Betragen unabaͤnderlich leiten ſoll: ſo ſoll er doch vor allen Dingen und bey jeder Gelegenheit Sanftmuth und eine unge- zwungne Freundlichkeit vorwalten laſſen, und ſolche auch andern in der Academie, beſonders aber den Kindern, und allen denen, die um ſie ſeyn ſollen, feſte einpraͤgen, damit ſolcher- geſtalt auch aller Schein eines traurigen, ver- druͤßlichen, und aͤngſtlichen Weſens vermieden werde.
Dem zufolge ſoll er, ſo wie auch die Leh- rer, die Lehrerinnen, und die Meiſter, nicht nur in Worten, ſondern auch in ſeinem gan- zen Betragen, ein Beyſpiel einer wahren Tu- gend und aller derjenigen Eigenſchaften geben, die ſeine Pflicht von ihm fodert. Er ſoll ſich mit gutem Herzen zu ſeinen Untergebenen her- unter laſſen, und wohl zu Zeiten Strenge ge- brauchen, jedoch immer mit Maße und der Ab- ſicht gemaͤß, die ein Vater, der ſein Kind wohl erziehen will, dabey hat, aber ja nicht mit Hi-
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Kayſerinn von Rußland.
den Lehrern, Lehrerinnen, und Meiſtern, am
allerwenigſten aber der Jugend, in deren Her-
zen er die Tugend einpflanzen ſoll, nichts un-
anſtaͤndiges und aͤrgerliches ſagen. Eben dieß
ſoll auch von andern geſchehen, und aufs ge-
naueſte daruͤber gehalten werden.
Wenn gleich Vernunft und Geſchicklich-
keit ſein ganzes Betragen unabaͤnderlich leiten
ſoll: ſo ſoll er doch vor allen Dingen und bey
jeder Gelegenheit Sanftmuth und eine unge-
zwungne Freundlichkeit vorwalten laſſen, und
ſolche auch andern in der Academie, beſonders
aber den Kindern, und allen denen, die um
ſie ſeyn ſollen, feſte einpraͤgen, damit ſolcher-
geſtalt auch aller Schein eines traurigen, ver-
druͤßlichen, und aͤngſtlichen Weſens vermieden
werde.
Dem zufolge ſoll er, ſo wie auch die Leh-
rer, die Lehrerinnen, und die Meiſter, nicht
nur in Worten, ſondern auch in ſeinem gan-
zen Betragen, ein Beyſpiel einer wahren Tu-
gend und aller derjenigen Eigenſchaften geben,
die ſeine Pflicht von ihm fodert. Er ſoll ſich
mit gutem Herzen zu ſeinen Untergebenen her-
unter laſſen, und wohl zu Zeiten Strenge ge-
brauchen, jedoch immer mit Maße und der Ab-
ſicht gemaͤß, die ein Vater, der ſein Kind wohl
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[Schlözer, August Ludwig von]: Neuverändertes Rußland oder Leben Catharinä der Zweyten Kayserinn von Rußland. Bd. 1. Riga u. a., 1767, S. 193. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/haigold_russland01_1767/217>, abgerufen am 11.09.2024.
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