Chatulle sehr ansenliche Summen allergnädigst zu verehren, geruhet. Des Großfürsten und Thron- folgers Kaiserl. Hoheit sind Jhrer Kaiserl. Majt., als Dero allergeliebtesten Frau Mutter, in Bezeu- gung großmütiger Freigebigkeit, so wol bei der Stiftung als auch in Absicht auf die künftige Un- terhaltung gedachten Kinderhauses, würdigst ge- folgt. Und diesen höchsten Beispielen rühmlichst nachzuahmen, haben viele der vornehmsten Personen beiderlei Geschlechts, zu Bezeugung ihres Eifers für das gemeine Beste, nicht nur zu gegenwärtiger Erbauung dieses Hauses bereits ansehnliche Bei- träge gethan; sondern auch zu künftiger Unterhal- tung desselben järlich namhafte Summen zu geben sich verbindlich gemacht.
Diese so nützliche als heilige und Gottwolge- fällige Stiftung, welche das allgemeine Beste zum Zweck und Gegenstande hat, kan auch einem jeden insbesondere, der für sein Vaterland und für seine zeitliche und ewige Glückseligkeit Sorge trägt, zu Beförderung seines Heils dienen: denn seelig ist der Mann, sagt der Psalmist, welcher auf das Schreien der Armen und Dürftigen höret; den wird Gott erretten am Tage des Zorns. Wer ist aber wol ärmer und dürftiger, als ein ver- lassenes und weggeworfnes junges unschuldiges Kind, das seine Noth noch niemandem klagen kan, und folglich Gefar läuft, jämmerlich umzukommen?
Wenn
I. Kinderhaus u. Accouchier-Hoſpital
Chatulle ſehr anſenliche Summen allergnaͤdigſt zu verehren, geruhet. Des Großfuͤrſten und Thron- folgers Kaiſerl. Hoheit ſind Jhrer Kaiſerl. Majt., als Dero allergeliebteſten Frau Mutter, in Bezeu- gung großmuͤtiger Freigebigkeit, ſo wol bei der Stiftung als auch in Abſicht auf die kuͤnftige Un- terhaltung gedachten Kinderhauſes, wuͤrdigſt ge- folgt. Und dieſen hoͤchſten Beiſpielen ruͤhmlichſt nachzuahmen, haben viele der vornehmſten Perſonen beiderlei Geſchlechts, zu Bezeugung ihres Eifers fuͤr das gemeine Beſte, nicht nur zu gegenwaͤrtiger Erbauung dieſes Hauſes bereits anſehnliche Bei- traͤge gethan; ſondern auch zu kuͤnftiger Unterhal- tung deſſelben jaͤrlich namhafte Summen zu geben ſich verbindlich gemacht.
Dieſe ſo nuͤtzliche als heilige und Gottwolge- faͤllige Stiftung, welche das allgemeine Beſte zum Zweck und Gegenſtande hat, kan auch einem jeden insbeſondere, der fuͤr ſein Vaterland und fuͤr ſeine zeitliche und ewige Gluͤckſeligkeit Sorge traͤgt, zu Befoͤrderung ſeines Heils dienen: denn ſeelig iſt der Mann, ſagt der Pſalmiſt, welcher auf das Schreien der Armen und Duͤrftigen hoͤret; den wird Gott erretten am Tage des Zorns. Wer iſt aber wol aͤrmer und duͤrftiger, als ein ver- laſſenes und weggeworfnes junges unſchuldiges Kind, das ſeine Noth noch niemandem klagen kan, und folglich Gefar laͤuft, jaͤmmerlich umzukommen?
Wenn
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><divn="3"><p><pbfacs="#f0108"n="88"/><fwplace="top"type="header"><hirendition="#b"><hirendition="#aq">I.</hi> Kinderhaus u. Accouchier-Hoſpital</hi></fw><lb/>
Chatulle ſehr anſenliche Summen allergnaͤdigſt zu<lb/>
verehren, geruhet. Des Großfuͤrſten und Thron-<lb/>
folgers Kaiſerl. Hoheit ſind Jhrer Kaiſerl. Majt.,<lb/>
als Dero allergeliebteſten Frau Mutter, in Bezeu-<lb/>
gung großmuͤtiger Freigebigkeit, ſo wol bei der<lb/>
Stiftung als auch in Abſicht auf die kuͤnftige Un-<lb/>
terhaltung gedachten Kinderhauſes, wuͤrdigſt ge-<lb/>
folgt. Und dieſen hoͤchſten Beiſpielen ruͤhmlichſt<lb/>
nachzuahmen, haben viele der vornehmſten Perſonen<lb/>
beiderlei Geſchlechts, zu Bezeugung ihres Eifers<lb/>
fuͤr das gemeine Beſte, nicht nur zu gegenwaͤrtiger<lb/>
Erbauung dieſes Hauſes bereits anſehnliche Bei-<lb/>
traͤge gethan; ſondern auch zu kuͤnftiger Unterhal-<lb/>
tung deſſelben jaͤrlich namhafte Summen zu geben<lb/>ſich verbindlich gemacht.</p><lb/><p>Dieſe ſo nuͤtzliche als heilige und Gottwolge-<lb/>
faͤllige Stiftung, welche das allgemeine Beſte zum<lb/>
Zweck und Gegenſtande hat, kan auch einem jeden<lb/>
insbeſondere, der fuͤr ſein Vaterland und fuͤr ſeine<lb/>
zeitliche und ewige Gluͤckſeligkeit Sorge traͤgt, zu<lb/>
Befoͤrderung ſeines Heils dienen: denn <hirendition="#fr">ſeelig iſt<lb/>
der Mann</hi>, ſagt der Pſalmiſt, <hirendition="#fr">welcher auf das<lb/>
Schreien der Armen und Duͤrftigen hoͤret;<lb/>
den wird Gott erretten am Tage des Zorns</hi>.<lb/>
Wer iſt aber wol aͤrmer und duͤrftiger, als ein ver-<lb/>
laſſenes und weggeworfnes junges unſchuldiges<lb/>
Kind, das ſeine Noth noch niemandem klagen kan,<lb/>
und folglich Gefar laͤuft, jaͤmmerlich umzukommen?<lb/><fwplace="bottom"type="catch">Wenn</fw><lb/></p></div></div></div></body></text></TEI>
[88/0108]
I. Kinderhaus u. Accouchier-Hoſpital
Chatulle ſehr anſenliche Summen allergnaͤdigſt zu
verehren, geruhet. Des Großfuͤrſten und Thron-
folgers Kaiſerl. Hoheit ſind Jhrer Kaiſerl. Majt.,
als Dero allergeliebteſten Frau Mutter, in Bezeu-
gung großmuͤtiger Freigebigkeit, ſo wol bei der
Stiftung als auch in Abſicht auf die kuͤnftige Un-
terhaltung gedachten Kinderhauſes, wuͤrdigſt ge-
folgt. Und dieſen hoͤchſten Beiſpielen ruͤhmlichſt
nachzuahmen, haben viele der vornehmſten Perſonen
beiderlei Geſchlechts, zu Bezeugung ihres Eifers
fuͤr das gemeine Beſte, nicht nur zu gegenwaͤrtiger
Erbauung dieſes Hauſes bereits anſehnliche Bei-
traͤge gethan; ſondern auch zu kuͤnftiger Unterhal-
tung deſſelben jaͤrlich namhafte Summen zu geben
ſich verbindlich gemacht.
Dieſe ſo nuͤtzliche als heilige und Gottwolge-
faͤllige Stiftung, welche das allgemeine Beſte zum
Zweck und Gegenſtande hat, kan auch einem jeden
insbeſondere, der fuͤr ſein Vaterland und fuͤr ſeine
zeitliche und ewige Gluͤckſeligkeit Sorge traͤgt, zu
Befoͤrderung ſeines Heils dienen: denn ſeelig iſt
der Mann, ſagt der Pſalmiſt, welcher auf das
Schreien der Armen und Duͤrftigen hoͤret;
den wird Gott erretten am Tage des Zorns.
Wer iſt aber wol aͤrmer und duͤrftiger, als ein ver-
laſſenes und weggeworfnes junges unſchuldiges
Kind, das ſeine Noth noch niemandem klagen kan,
und folglich Gefar laͤuft, jaͤmmerlich umzukommen?
Wenn
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
[Schlözer, August Ludwig von]: Neuverändertes Rußland oder Leben Catharinä der Zweyten Kayserinn von Rußland. Bd. 2. Riga u. a., 1772, S. 88. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/haigold_russland02_1772/108>, abgerufen am 23.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.