Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hanssen, Petrus: Achtzig erläuterte Grund-Fragen. Lübeck u. a., 1731.

Bild:
<< vorherige Seite



könte es mit besserm Recht eine Gauckeley nen-
nen/ wenn er diese wunderliche Beschreibung
vom Glauben macht/ daß er eine Resignation un-
sers Willens/ unserer Lüste und närrischen Ver-
nunft an seine Führung oder eine Ubergebung und
Uberlassung unsers Geistes an seine Gnadenreiche
Bewirckung und ein zuversichtliches Ausharren
unter dieser Bewirckung in diesem Wege/ in
welchem wir das uns annoch unsichtbare und
noch nicht völlig gefundene höchste Gut uns gleich-
sam present machen/ getrost seyn in diesem dun-
ckeln und schmahlen Gang und so endlich das En-
de unsers Glaubens nemlich der Seelen Seligkeit
davon tragen. l. c. p. 106. Das heist recht gauckeln/
wenn man Wörter und Redens-Arten zusam-
men packt/ die kein Mensch zusammen reimen kan/
die Dinge so beschreibt/ daß sie gar unbegreiflich
werden und die Wörter also verdreht/ daß sie kein
Mensch verstehen kan. Wer sieht nicht/ daß in
dieser Beschreibung die Begriffe der Verleug-
nung/ der geistlichen Sanftmuht/ der Gedult/
der Beständigkeit/ der Hofnung und dergleichen
in einander geworffen? Man erkennet daraus/ daß
J. C. Dippels Begierde einen neuen Reformatorem
abzugeben mehr Grund in dem Willen als in dem
Verstande haben müsse.

LV.
Ob nicht die Kraft des Mittler-
Amts JEsu Christi desto nach-

drück-



koͤnte es mit beſſerm Recht eine Gauckeley nen-
nen/ wenn er dieſe wunderliche Beſchreibung
vom Glauben macht/ daß er eine Reſignation un-
ſers Willens/ unſerer Luͤſte und naͤrriſchen Ver-
nunft an ſeine Fuͤhrung oder eine Ubergebung und
Uberlaſſung unſers Geiſtes an ſeine Gnadenreiche
Bewirckung und ein zuverſichtliches Ausharren
unter dieſer Bewirckung in dieſem Wege/ in
welchem wir das uns annoch unſichtbare und
noch nicht voͤllig gefundene hoͤchſte Gut uns gleich-
ſam preſent machen/ getroſt ſeyn in dieſem dun-
ckeln und ſchmahlen Gang und ſo endlich das En-
de unſers Glaubens nemlich der Seelen Seligkeit
davon tragen. l. c. p. 106. Das heiſt recht gauckeln/
wenn man Woͤrter und Redens-Arten zuſam-
men packt/ die kein Menſch zuſammen reimen kan/
die Dinge ſo beſchreibt/ daß ſie gar unbegreiflich
werden und die Woͤrter alſo verdreht/ daß ſie kein
Menſch verſtehen kan. Wer ſieht nicht/ daß in
dieſer Beſchreibung die Begriffe der Verleug-
nung/ der geiſtlichen Sanftmuht/ der Gedult/
der Beſtaͤndigkeit/ der Hofnung und dergleichen
in einander geworffen? Man erkennet daraus/ daß
J. C. Dippels Begierde einen neuen Reformatorem
abzugeben mehr Grund in dem Willen als in dem
Verſtande haben muͤſſe.

LV.
Ob nicht die Kraft des Mittler-
Amts JEſu Chriſti deſto nach-

druͤck-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0180" n="128"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
ko&#x0364;nte es mit be&#x017F;&#x017F;erm Recht eine Gauckeley nen-<lb/>
nen/ wenn er die&#x017F;e wunderliche Be&#x017F;chreibung<lb/>
vom Glauben macht/ daß er eine <hi rendition="#aq">Re&#x017F;ignation</hi> un-<lb/>
&#x017F;ers Willens/ un&#x017F;erer Lu&#x0364;&#x017F;te und na&#x0364;rri&#x017F;chen Ver-<lb/>
nunft an &#x017F;eine Fu&#x0364;hrung oder eine Ubergebung und<lb/>
Uberla&#x017F;&#x017F;ung un&#x017F;ers Gei&#x017F;tes an &#x017F;eine Gnadenreiche<lb/>
Bewirckung und ein zuver&#x017F;ichtliches Ausharren<lb/>
unter die&#x017F;er Bewirckung in die&#x017F;em Wege/ in<lb/>
welchem wir das uns annoch un&#x017F;ichtbare und<lb/>
noch nicht vo&#x0364;llig gefundene ho&#x0364;ch&#x017F;te Gut uns gleich-<lb/>
&#x017F;am <hi rendition="#aq">pre&#x017F;ent</hi> machen/ getro&#x017F;t &#x017F;eyn in die&#x017F;em dun-<lb/>
ckeln und &#x017F;chmahlen Gang und &#x017F;o endlich das En-<lb/>
de un&#x017F;ers Glaubens nemlich der Seelen Seligkeit<lb/>
davon tragen. <hi rendition="#aq">l. c. p.</hi> 106. Das hei&#x017F;t recht gauckeln/<lb/>
wenn man Wo&#x0364;rter und Redens-Arten zu&#x017F;am-<lb/>
men packt/ die kein Men&#x017F;ch zu&#x017F;ammen reimen kan/<lb/>
die Dinge &#x017F;o be&#x017F;chreibt/ daß &#x017F;ie gar unbegreiflich<lb/>
werden und die Wo&#x0364;rter al&#x017F;o verdreht/ daß &#x017F;ie kein<lb/>
Men&#x017F;ch ver&#x017F;tehen kan. Wer &#x017F;ieht nicht/ daß in<lb/>
die&#x017F;er Be&#x017F;chreibung die Begriffe der Verleug-<lb/>
nung/ der gei&#x017F;tlichen Sanftmuht/ der Gedult/<lb/>
der Be&#x017F;ta&#x0364;ndigkeit/ der Hofnung und dergleichen<lb/>
in einander geworffen? Man erkennet daraus/ daß<lb/><hi rendition="#aq">J. C. Dippels</hi> Begierde einen neuen <hi rendition="#aq">Reformatorem</hi><lb/>
abzugeben mehr Grund in dem Willen als in dem<lb/>
Ver&#x017F;tande haben mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#aq">LV.</hi><lb/> <hi rendition="#b">Ob nicht die Kraft des Mittler-<lb/>
Amts JE&#x017F;u Chri&#x017F;ti de&#x017F;to nach-</hi><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch">dru&#x0364;ck-</fw><lb/>
          </head>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[128/0180] koͤnte es mit beſſerm Recht eine Gauckeley nen- nen/ wenn er dieſe wunderliche Beſchreibung vom Glauben macht/ daß er eine Reſignation un- ſers Willens/ unſerer Luͤſte und naͤrriſchen Ver- nunft an ſeine Fuͤhrung oder eine Ubergebung und Uberlaſſung unſers Geiſtes an ſeine Gnadenreiche Bewirckung und ein zuverſichtliches Ausharren unter dieſer Bewirckung in dieſem Wege/ in welchem wir das uns annoch unſichtbare und noch nicht voͤllig gefundene hoͤchſte Gut uns gleich- ſam preſent machen/ getroſt ſeyn in dieſem dun- ckeln und ſchmahlen Gang und ſo endlich das En- de unſers Glaubens nemlich der Seelen Seligkeit davon tragen. l. c. p. 106. Das heiſt recht gauckeln/ wenn man Woͤrter und Redens-Arten zuſam- men packt/ die kein Menſch zuſammen reimen kan/ die Dinge ſo beſchreibt/ daß ſie gar unbegreiflich werden und die Woͤrter alſo verdreht/ daß ſie kein Menſch verſtehen kan. Wer ſieht nicht/ daß in dieſer Beſchreibung die Begriffe der Verleug- nung/ der geiſtlichen Sanftmuht/ der Gedult/ der Beſtaͤndigkeit/ der Hofnung und dergleichen in einander geworffen? Man erkennet daraus/ daß J. C. Dippels Begierde einen neuen Reformatorem abzugeben mehr Grund in dem Willen als in dem Verſtande haben muͤſſe. LV. Ob nicht die Kraft des Mittler- Amts JEſu Chriſti deſto nach- druͤck-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hanssen_grundfragen_1731
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hanssen_grundfragen_1731/180
Zitationshilfe: Hanssen, Petrus: Achtzig erläuterte Grund-Fragen. Lübeck u. a., 1731, S. 128. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hanssen_grundfragen_1731/180>, abgerufen am 15.04.2021.