Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653.VIII. hohen Dingen etc. in welchem die Gottergebe-ne Seele ihren H. JESVM suchet und von dem Gegenhall geschertzet wird. 1. Als ich bey jenem Bach gesessen/nechst einem holen Felsenstein und sange/ der Welt zu vergessen/ von meinem lieben Jesulein/ rufft ich/ ach Jesu! gegen Wald/ der schnell/ ach Jesu! gegenschallt. 2. Jch wünschte solche Stimm zu kennen/die Jesum liebte gleich als ich: Dieweil sie seinen Namen nennen/ und schreien musste brünstiglich: Jch fragte bald: Wer da/ wer da? die Antwort war: wer da/ wer da? 3. Jch konte niemand nicht ersehen/und hörte doch besagte Wort: Vermeinend/ daß man in der Nähen/ mich schertzet' aus verborgnem Ort/ und rufft: Hierher! Hierher! im Thal/ hört ich/ Hierher! Hierher! zumahl. 4. Jch sprache: lieber laß dich kennen!dich kennen! sprach es deutlich nach: Kanst du nicht deinen Namen nennen: das
VIII. hohen Dingen ꝛc. in welchem die Gottergebe-ne Seele ihren H. JESVM ſuchet und von dem Gegenhall geſchertzet wird. 1. Als ich bey jenem Bach geſeſſen/nechſt einem holen Felſenſtein und ſange/ der Welt zu vergeſſen/ von meinem lieben Jeſulein/ rufft ich/ ach Jeſu! gegen Wald/ der ſchnell/ ach Jeſu! gegenſchallt. 2. Jch wuͤnſchte ſolche Stimm zu kennen/die Jeſum liebte gleich als ich: Dieweil ſie ſeinen Namen nennen/ und ſchreien muſſte bruͤnſtiglich: Jch fragte bald: Wer da/ wer da? die Antwort war: wer da/ wer da? 3. Jch konte niemand nicht erſehen/und hoͤrte doch beſagte Wort: Vermeinend/ daß man in der Naͤhen/ mich ſchertzet’ aus verborgnem Ort/ und rufft: Hierher! Hierher! im Thal/ hoͤrt ich/ Hierher! Hierher! zumahl. 4. Jch ſprache: lieber laß dich kennen!dich kennen! ſprach es deutlich nach: Kanſt du nicht deinen Namen nennen: das
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VIII.
hohen Dingen ꝛc. in welchem die Gottergebe-
ne Seele ihren H. JESVM ſuchet und von
dem Gegenhall geſchertzet wird.
1.
Als ich bey jenem Bach geſeſſen/
nechſt einem holen Felſenſtein
und ſange/ der Welt zu vergeſſen/
von meinem lieben Jeſulein/
rufft ich/ ach Jeſu! gegen Wald/
der ſchnell/ ach Jeſu! gegenſchallt.
2.
Jch wuͤnſchte ſolche Stimm zu kennen/
die Jeſum liebte gleich als ich:
Dieweil ſie ſeinen Namen nennen/
und ſchreien muſſte bruͤnſtiglich:
Jch fragte bald: Wer da/ wer da?
die Antwort war: wer da/ wer da?
3.
Jch konte niemand nicht erſehen/
und hoͤrte doch beſagte Wort:
Vermeinend/ daß man in der Naͤhen/
mich ſchertzet’ aus verborgnem Ort/
und rufft: Hierher! Hierher! im Thal/
hoͤrt ich/ Hierher! Hierher! zumahl.
4.
Jch ſprache: lieber laß dich kennen!
dich kennen! ſprach es deutlich nach:
Kanſt du nicht deinen Namen nennen:
das
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| Zitationshilfe: | Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653, S. 86. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/118>, abgerufen am 06.08.2024. |


