Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653.X. Wie von diesem Unterscheid §. 99. ein mehrersfolget. Aus diesem Zeichen entspringet die dritte Art/ wann nemlich beede zusammengesetzet/ und das Bild von der Grundrichtigen Gleichniß/ und deß Erfinders Beliebung gesammt/ vorstel- lig gemachet wird. Zum Exenpel: Wann ich mahle die zween Kundschaffter/ die den Trauben von Escol in der Jsraeliter Lager gebracht. 4. Mos. 32. 9. Diese Gemahlte Geschichte/ hat eine ver- gleichung mit den Vätern deß Alten und Neuen Testamentes/ welche Christum den rechten Weinstock darzu er sich selbsten vergleichet/ Joh. 15/ 5. in dem Vor-und Nachgehen getragen/ welche Deutung von dem Belieben (ex placito) und erstbesagter Gleichniß (ex Congruo) zusam- men gesetzet ist. Weil nun solche Bilderey und Poeterey miteinander verbunden seyn sol/ schrei- be ich unter das Gemähl folgende Erklärung: Christus ist der Wundertrauben/ der am Holtz deß Creutz gehangen/ Welchen aller Väter Glauben die vorher-und nachgegangen/ in dem Hertz und Mund getragen mit Vergnügen und Behagen. Jene haben Jhn gesehen ruckwarts/ und Jhn mit Verlangen oft erwünschet mit viel Flehen: diese so hernach gegangen haben
X. Wie von dieſem Unterſcheid §. 99. ein mehrersfolget. Aus dieſem Zeichen entſpringet die dritte Art/ wann nemlich beede zuſammengeſetzet/ und das Bild von der Grundrichtigen Gleichniß/ und deß Erfinders Beliebung geſammt/ vorſtel- lig gemachet wird. Zum Exẽpel: Wañ ich mahle die zween Kundſchaffter/ die den Trauben von Eſcol in der Jſraeliter Lager gebracht. 4. Moſ. 32. 9. Dieſe Gemahlte Geſchichte/ hat eine ver- gleichung mit den Vaͤtern deß Alten und Neuen Teſtamentes/ welche Chriſtum den rechten Weinſtock darzu er ſich ſelbſtẽ vergleichet/ Joh. 15/ 5. in dem Vor-und Nachgehen getragen/ welche Deutung von dem Belieben (ex placito) und erſtbeſagter Gleichniß (ex Congruo) zuſam- men geſetzet iſt. Weil nun ſolche Bilderey und Poêterey miteinander verbunden ſeyn ſol/ ſchrei- be ich unter das Gemaͤhl folgende Erklaͤrung: Chriſtus iſt der Wundertrauben/ der am Holtz deß Creutz gehangen/ Welchen aller Vaͤter Glauben die vorher-und nachgegangen/ in dem Hertz und Mund getragen mit Vergnuͤgen und Behagen. Jene haben Jhn geſehen ruckwarts/ und Jhn mit Verlangen oft erwuͤnſchet mit viel Flehen: dieſe ſo hernach gegangen haben
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X.
Wie von dieſem Unterſcheid §. 99. ein mehrers
folget. Aus dieſem Zeichen entſpringet die dritte
Art/ wann nemlich beede zuſammengeſetzet/ und
das Bild von der Grundrichtigen Gleichniß/
und deß Erfinders Beliebung geſammt/ vorſtel-
lig gemachet wird. Zum Exẽpel: Wañ ich mahle
die zween Kundſchaffter/ die den Trauben von
Eſcol in der Jſraeliter Lager gebracht. 4. Moſ.
32. 9. Dieſe Gemahlte Geſchichte/ hat eine ver-
gleichung mit den Vaͤtern deß Alten und Neuen
Teſtamentes/ welche Chriſtum den rechten
Weinſtock darzu er ſich ſelbſtẽ vergleichet/ Joh.
15/ 5. in dem Vor-und Nachgehen getragen/
welche Deutung von dem Belieben (ex placito)
und erſtbeſagter Gleichniß (ex Congruo) zuſam-
men geſetzet iſt. Weil nun ſolche Bilderey und
Poêterey miteinander verbunden ſeyn ſol/ ſchrei-
be ich unter das Gemaͤhl folgende Erklaͤrung:
Chriſtus iſt der Wundertrauben/
der am Holtz deß Creutz gehangen/
Welchen aller Vaͤter Glauben
die vorher-und nachgegangen/
in dem Hertz und Mund getragen
mit Vergnuͤgen und Behagen.
Jene haben Jhn geſehen
ruckwarts/ und Jhn mit Verlangen
oft erwuͤnſchet mit viel Flehen:
dieſe ſo hernach gegangen
haben
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| Zitationshilfe: | Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653, S. 104. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/136>, abgerufen am 06.08.2024. |


