Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653.Buß/ Büssen. Aschen/ sie pflegt das Angesicht mit Threnen ab-zuwaschen/ und das/ was Menschlich ist läst sie hier auff der Welt/ und schwingt das reine Hertz hoch ob der Sternen Feld. (Zelt.) Die Buß ist die Himmels Leiter die reichet Himmel an/ daß man die Seraphin darauf erseyen kan. Sie ist das letz- te bret/ wann unser Schiff zerbrochen/ darauf wir an dem Port/ durch viel Gefahr gekrochen. Sie ist die zweite Tauff/ das zweyte Threnenbad/ das uns erneuet hat. Die Freystatt aller Sün- der. Sie ist der schmale Steg/ den leider wenig wallen. Sie ist deß Himmels Thür? Sie ist der Myrrhenbaum das Rauchwerk welches Gott behagt: der rechte Pelican/ der seine junge nährt von seines Leibes Blut. Die Buß ist der Altar/ darauff die Hertzen brennen mit Reu und Angst zerknirscht/ entzündet von der Liebe. Die Buß ist eine Gabe/ die das gerechte Aug deß Richters blenden kan. Die Buß macht aus dem Leide Freude/ aus der Sünden Plaae Versöhnungs- Tage/ aus den Threnen versöhnen/ aus dem Schaden Gnade/ aus deß Hertzens Verletzung/ Ergötzung/ aus dem Bereuen erfreuen/ und er- neuen. Ein Leid-zerknirschtes Hertz/ ein reu-ge- ängster Geist/ Flem. HERR mildere die Straf und laß sie träglich seyn. Was werd ich seyn/ der ich schon jetzt vorhin ein lebendiger Tod und tod- tes Leben bin. Dessen Sinn voll waarer Schmer- tzen
Buß/ Buͤſſen. Aſchen/ ſie pflegt das Angeſicht mit Threnen ab-zuwaſchen/ und das/ was Menſchlich iſt laͤſt ſie hier auff der Welt/ und ſchwingt das reine Hertz hoch ob der Sternen Feld. (Zelt.) Die Buß iſt die Himmels Leiter die reichet Himmel an/ daß man die Seraphin darauf erſeyen kan. Sie iſt das letz- te bret/ wann unſer Schiff zerbrochen/ darauf wir an dem Port/ durch viel Gefahr gekrochen. Sie iſt die zweite Tauff/ das zweyte Threnenbad/ das uns erneuet hat. Die Freyſtatt aller Suͤn- der. Sie iſt der ſchmale Steg/ den leider wenig wallen. Sie iſt deß Himmels Thuͤr? Sie iſt der Myrrhenbaum das Rauchwerk welches Gott behagt: der rechte Pelican/ der ſeine junge naͤhrt von ſeines Leibes Blut. Die Buß iſt der Altar/ darauff die Hertzen brennen mit Reu und Angſt zerknirſcht/ entzuͤndet von der Liebe. Die Buß iſt eine Gabe/ die das gerechte Aug deß Richters blenden kan. Die Buß macht aus dem Leide Freude/ aus der Suͤnden Plaae Verſoͤhnungs- Tage/ aus den Threnen verſoͤhnen/ aus dem Schaden Gnade/ aus deß Hertzens Verletzung/ Ergoͤtzung/ aus dem Bereuen erfreuen/ und er- neuen. Ein Leid-zerknirſchtes Hertz/ ein reu-ge- aͤngſter Geiſt/ Flem. HERR mildere die Straf und laß ſie traͤglich ſeyn. Was werd ich ſeyn/ der ich ſchon jetzt vorhin ein lebendiger Tod und tod- tes Leben bin. Deſſen Sinn voll waarer Schmer- tzen
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Buß/ Buͤſſen.
Aſchen/ ſie pflegt das Angeſicht mit Threnen ab-
zuwaſchen/ und das/ was Menſchlich iſt laͤſt ſie
hier auff der Welt/ und ſchwingt das reine Hertz
hoch ob der Sternen Feld. (Zelt.) Die Buß iſt die
Himmels Leiter die reichet Himmel an/ daß man
die Seraphin darauf erſeyen kan. Sie iſt das letz-
te bret/ wann unſer Schiff zerbrochen/ darauf
wir an dem Port/ durch viel Gefahr gekrochen.
Sie iſt die zweite Tauff/ das zweyte Threnenbad/
das uns erneuet hat. Die Freyſtatt aller Suͤn-
der. Sie iſt der ſchmale Steg/ den leider wenig
wallen. Sie iſt deß Himmels Thuͤr? Sie iſt der
Myrrhenbaum das Rauchwerk welches Gott
behagt: der rechte Pelican/ der ſeine junge naͤhrt
von ſeines Leibes Blut. Die Buß iſt der Altar/
darauff die Hertzen brennen mit Reu und Angſt
zerknirſcht/ entzuͤndet von der Liebe. Die Buß iſt
eine Gabe/ die das gerechte Aug deß Richters
blenden kan. Die Buß macht aus dem Leide
Freude/ aus der Suͤnden Plaae Verſoͤhnungs-
Tage/ aus den Threnen verſoͤhnen/ aus dem
Schaden Gnade/ aus deß Hertzens Verletzung/
Ergoͤtzung/ aus dem Bereuen erfreuen/ und er-
neuen. Ein Leid-zerknirſchtes Hertz/ ein reu-ge-
aͤngſter Geiſt/ Flem. HERR mildere die Straf
und laß ſie traͤglich ſeyn. Was werd ich ſeyn/ der
ich ſchon jetzt vorhin ein lebendiger Tod und tod-
tes Leben bin. Deſſen Sinn voll waarer Schmer-
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| Zitationshilfe: | Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653, S. 158[156]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/188>, abgerufen am 06.08.2024. |


