Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653.Regenbogen. Kriegsgott in den gütigen Liebesgott verwan-delt/ Rubin/ Smaragd/ Saphir/ die grossen Himmelsschätze sind herrlich ausgelegt/ und vo der Himmlischen Weisheit gleichsam an einer Schnuer vorgewiesen. Der rechte Siegesbogen/ der ob die Welt gezogen/ zeigt daß die Sünd' ist überwunden und selber Fluten sind verschwun- den. Das Ebenmaß der Elementen/ die Freudig- keit der Natur/ verkündiget schönes Wetter/ oder Abentregen/ ist menschlichem Verstand uner- forschlich. Die Sonne spiegelt sich in einer Was- serwolken. Die ordenliche Vermischung der Far- ben schliesset einen Reyen. Kein Safft ist in kei- nem Kraut/ keine Farb in keinem Metall/ wel- che dergleichen gläntzende Schönheit in eines Künstlers Pinsel solte bringen können. Der Re- genbogen ist gleichsam die Brucken deß heitern Wetters. Seine grüne Farbe bedeutet die Hoff- nung der fruchtbaren Zeit/ seine rote Farbe be- schämet uns undankbare Menschen gegen der Göttlichen Barmhertzigkeit/ seine blaue Farbe heisst uns das himmlische betrachten/ seine gelbe Far- be weiset uns ein Muster deß überirdischen Goldes/ deß die drey Männer in dem Feueroffen Ursache gehabt auch den Regenbogen zu dem Lobe Got- tes einzubitten. Seine Geschwindigkeit lehret uns Gottes Gnade ergreiffen/ weil es heut heisset. Der Regenbogen ist ein Zeichen Göttlicher Barmhertzigkeit. Regie-
Regenbogen. Kriegsgott in den guͤtigen Liebesgott verwan-delt/ Rubin/ Smaragd/ Saphir/ die groſſen Himmelsſchaͤtze ſind herrlich ausgelegt/ und võ der Himmliſchen Weiſheit gleichſam an einer Schnuer vorgewieſen. Der rechte Siegesbogen/ der ob die Welt gezogen/ zeigt daß die Suͤnd’ iſt uͤberwunden und ſelber Fluten ſind verſchwun- den. Das Ebenmaß der Elementen/ die Freudig- keit der Natur/ verkuͤndiget ſchoͤnes Wetter/ odeꝛ Abentregen/ iſt menſchlichem Verſtand uner- forſchlich. Die Sonne ſpiegelt ſich in einer Waſ- ſerwolken. Die ordenliche Vermiſchung der Far- ben ſchlieſſet einen Reyen. Kein Safft iſt in kei- nem Kraut/ keine Farb in keinem Metall/ wel- che dergleichen glaͤntzende Schoͤnheit in eines Kuͤnſtlers Pinſel ſolte bringen koͤnnen. Der Re- genbogen iſt gleichſam die Brucken deß heitern Wetters. Seine gruͤne Farbe bedeutet die Hoff- nung der fruchtbaren Zeit/ ſeine rote Farbe be- ſchaͤmet uns undankbare Menſchen gegen der Goͤttlichen Barmhertzigkeit/ ſeine blaue Farbe heiſſt uns das him̃liſche betrachtẽ/ ſeine gelbe Faꝛ- be weiſet uns ein Muſteꝛ deß uͤbeꝛirdiſchẽ Goldes/ deß die drey Maͤnner in dem Feueroffen Urſache gehabt auch den Regenbogen zu dem Lobe Got- tes einzubitten. Seine Geſchwindigkeit lehret uns Gottes Gnade ergreiffẽ/ weil es heut heiſſet. Der Regenbogen iſt ein Zeichen Goͤttlicher Barmhertzigkeit. Regie-
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Regenbogen.
Kriegsgott in den guͤtigen Liebesgott verwan-
delt/ Rubin/ Smaragd/ Saphir/ die groſſen
Himmelsſchaͤtze ſind herrlich ausgelegt/ und võ
der Himmliſchen Weiſheit gleichſam an einer
Schnuer vorgewieſen. Der rechte Siegesbogen/
der ob die Welt gezogen/ zeigt daß die Suͤnd’ iſt
uͤberwunden und ſelber Fluten ſind verſchwun-
den. Das Ebenmaß der Elementen/ die Freudig-
keit der Natur/ verkuͤndiget ſchoͤnes Wetter/ odeꝛ
Abentregen/ iſt menſchlichem Verſtand uner-
forſchlich. Die Sonne ſpiegelt ſich in einer Waſ-
ſerwolken. Die ordenliche Vermiſchung der Far-
ben ſchlieſſet einen Reyen. Kein Safft iſt in kei-
nem Kraut/ keine Farb in keinem Metall/ wel-
che dergleichen glaͤntzende Schoͤnheit in eines
Kuͤnſtlers Pinſel ſolte bringen koͤnnen. Der Re-
genbogen iſt gleichſam die Brucken deß heitern
Wetters. Seine gruͤne Farbe bedeutet die Hoff-
nung der fruchtbaren Zeit/ ſeine rote Farbe be-
ſchaͤmet uns undankbare Menſchen gegen der
Goͤttlichen Barmhertzigkeit/ ſeine blaue Farbe
heiſſt uns das him̃liſche betrachtẽ/ ſeine gelbe Faꝛ-
be weiſet uns ein Muſteꝛ deß uͤbeꝛirdiſchẽ Goldes/
deß die drey Maͤnner in dem Feueroffen Urſache
gehabt auch den Regenbogen zu dem Lobe Got-
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| Zitationshilfe: | Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653, S. 390[388]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/420>, abgerufen am 06.08.2024. |


