"Als ich so gesprochen, waren wir nicht mehr zu Zwei, sondern ein Dritter saß neben mir, und hielt mir das Büchlein hin zum Unterschrei¬ ben; der aber, der dieß that, war nicht der Zirkelschmidt, sondern ein Anderer."
"Wer war es denn? sag' an!" riefen die Apostel ungeduldig.
Die Augen des alten Kellermeisters fun¬ kelten gräulich und seine bleichen Lippen beb¬ ten; er setzte mehreremal an, um zu sprechen, aber ein Krampf schien ihm die Kehle zuzu¬ schnüren. Da blickte er auf einmal fest und muthig in eine dunkle Ecke, trank sein Glas aus und warf es an die Erde; "was hilft alle Reue, alter Balthasar," sprach er, indem große Thränen in seinen Wimpern hingen; "der bei mir saß -- war der Teufel."
Es war bei diesen Worten unheimlich, bis zur Verzweiflung unheimlich in dem Gemach; die Apostel schauten ernst und schweigend
„Als ich ſo geſprochen, waren wir nicht mehr zu Zwei, ſondern ein Dritter ſaß neben mir, und hielt mir das Buͤchlein hin zum Unterſchrei¬ ben; der aber, der dieß that, war nicht der Zirkelſchmidt, ſondern ein Anderer.“
„Wer war es denn? ſag' an!“ riefen die Apoſtel ungeduldig.
Die Augen des alten Kellermeiſters fun¬ kelten graͤulich und ſeine bleichen Lippen beb¬ ten; er ſetzte mehreremal an, um zu ſprechen, aber ein Krampf ſchien ihm die Kehle zuzu¬ ſchnuͤren. Da blickte er auf einmal feſt und muthig in eine dunkle Ecke, trank ſein Glas aus und warf es an die Erde; „was hilft alle Reue, alter Balthaſar,“ ſprach er, indem große Thraͤnen in ſeinen Wimpern hingen; „der bei mir ſaß — war der Teufel.“
Es war bei dieſen Worten unheimlich, bis zur Verzweiflung unheimlich in dem Gemach; die Apoſtel ſchauten ernſt und ſchweigend
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„Als ich ſo geſprochen, waren wir nicht mehr
zu Zwei, ſondern ein Dritter ſaß neben mir,
und hielt mir das Buͤchlein hin zum Unterſchrei¬
ben; der aber, der dieß that, war nicht der
Zirkelſchmidt, ſondern ein Anderer.“
„Wer war es denn? ſag' an!“ riefen die
Apoſtel ungeduldig.
Die Augen des alten Kellermeiſters fun¬
kelten graͤulich und ſeine bleichen Lippen beb¬
ten; er ſetzte mehreremal an, um zu ſprechen,
aber ein Krampf ſchien ihm die Kehle zuzu¬
ſchnuͤren. Da blickte er auf einmal feſt und
muthig in eine dunkle Ecke, trank ſein Glas
aus und warf es an die Erde; „was hilft alle
Reue, alter Balthaſar,“ ſprach er, indem
große Thraͤnen in ſeinen Wimpern hingen;
„der bei mir ſaß — war der Teufel.“
Es war bei dieſen Worten unheimlich, bis
zur Verzweiflung unheimlich in dem Gemach;
die Apoſtel ſchauten ernſt und ſchweigend
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Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 95. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/101>, abgerufen am 10.08.2024.
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