steinerne Roland, so seit vielen hundert Jahren auf dem Domhofe in der lieben Stadt Bremen steht. Ei, das ist schön, daß Ihr uns die Ehre anthut, Herr Ritter; leget doch Schild und Schwert ab, und machet es Euch bequem; wollet Ihr Euch nicht obenan setzen an meine Seite? O Gott, wie mich das freut!"
Der hölzerne Weingott, so indessen wieder um ein Erkleckliches gewachsen, warf mürrische Blicke bald auf den steinernen Roland, bald auf die naive Dame seines Herzens, die ihre Freude so laut und unverholen ausgelassen. Er murmelte etwas von ungebetenen Gästen, und strampelte ungeduldig mit den Beinen. Aber Rose drückte ihm unter dem Tische die Hand und beschwichtigte ihn durch süße Blicke. Die Apostel waren näher zusammen gerückt und hatten dem steinernen Gast einen Stuhl neben dem alten Fräulein eingeräumt. Er legte Schwert und Schild in die Ecke, und
ſteinerne Roland, ſo ſeit vielen hundert Jahren auf dem Domhofe in der lieben Stadt Bremen ſteht. Ei, das iſt ſchoͤn, daß Ihr uns die Ehre anthut, Herr Ritter; leget doch Schild und Schwert ab, und machet es Euch bequem; wollet Ihr Euch nicht obenan ſetzen an meine Seite? O Gott, wie mich das freut!“
Der hoͤlzerne Weingott, ſo indeſſen wieder um ein Erkleckliches gewachſen, warf muͤrriſche Blicke bald auf den ſteinernen Roland, bald auf die naive Dame ſeines Herzens, die ihre Freude ſo laut und unverholen ausgelaſſen. Er murmelte etwas von ungebetenen Gaͤſten, und ſtrampelte ungeduldig mit den Beinen. Aber Roſe druͤckte ihm unter dem Tiſche die Hand und beſchwichtigte ihn durch ſuͤße Blicke. Die Apoſtel waren naͤher zuſammen geruͤckt und hatten dem ſteinernen Gaſt einen Stuhl neben dem alten Fraͤulein eingeraͤumt. Er legte Schwert und Schild in die Ecke, und
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ſteinerne Roland, ſo ſeit vielen hundert Jahren
auf dem Domhofe in der lieben Stadt Bremen
ſteht. Ei, das iſt ſchoͤn, daß Ihr uns die Ehre
anthut, Herr Ritter; leget doch Schild und
Schwert ab, und machet es Euch bequem;
wollet Ihr Euch nicht obenan ſetzen an meine
Seite? O Gott, wie mich das freut!“
Der hoͤlzerne Weingott, ſo indeſſen wieder
um ein Erkleckliches gewachſen, warf muͤrriſche
Blicke bald auf den ſteinernen Roland, bald
auf die naive Dame ſeines Herzens, die ihre
Freude ſo laut und unverholen ausgelaſſen.
Er murmelte etwas von ungebetenen Gaͤſten,
und ſtrampelte ungeduldig mit den Beinen.
Aber Roſe druͤckte ihm unter dem Tiſche die
Hand und beſchwichtigte ihn durch ſuͤße Blicke.
Die Apoſtel waren naͤher zuſammen geruͤckt
und hatten dem ſteinernen Gaſt einen Stuhl
neben dem alten Fraͤulein eingeraͤumt. Er
legte Schwert und Schild in die Ecke, und
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Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 101. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/107>, abgerufen am 10.08.2024.
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