setzte sich ziemlich ungelenk auf das Stühlein, aber ach, dieß war für ehrsame Bremer Stadt¬ kinder und nicht für einen steinernen Riesen gemacht, es knackte, als er sich setzte, morsch zusammen, und so lang er war, lag er im Gemach.
"Schnödes Geschlecht, das solche Hitschen zimmert, worauf zu meiner Zeit nicht einmal ein zartes Fräulein hätte sitzen können ohne mit dem Sitz durchzubrechen," sagte der Heros und stand langsam auf; der Kellermeister Bal¬ thasar aber rollte ein Halbeimerfaß herbei an den Tisch, und lud den Ritter ein Platz zu nehmen. Es knackten nur ein Paar Dau¬ ben als er sich setzte, aber das Faß hielt aus. Dann bot ihm der Kellermeister ein großes Römerglas mit Wein, er faßte es mit der breiten steinernen Faust, aber krach! war es entzwei, daß ihm der Wein über die Finger lief. "Ei, Ihr hättet auch die Handschuh
ſetzte ſich ziemlich ungelenk auf das Stuͤhlein, aber ach, dieß war fuͤr ehrſame Bremer Stadt¬ kinder und nicht fuͤr einen ſteinernen Rieſen gemacht, es knackte, als er ſich ſetzte, morſch zuſammen, und ſo lang er war, lag er im Gemach.
„Schnoͤdes Geſchlecht, das ſolche Hitſchen zimmert, worauf zu meiner Zeit nicht einmal ein zartes Fraͤulein haͤtte ſitzen koͤnnen ohne mit dem Sitz durchzubrechen,“ ſagte der Heros und ſtand langſam auf; der Kellermeiſter Bal¬ thaſar aber rollte ein Halbeimerfaß herbei an den Tiſch, und lud den Ritter ein Platz zu nehmen. Es knackten nur ein Paar Dau¬ ben als er ſich ſetzte, aber das Faß hielt aus. Dann bot ihm der Kellermeiſter ein großes Roͤmerglas mit Wein, er faßte es mit der breiten ſteinernen Fauſt, aber krach! war es entzwei, daß ihm der Wein uͤber die Finger lief. „Ei, Ihr haͤttet auch die Handſchuh
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ſetzte ſich ziemlich ungelenk auf das Stuͤhlein,
aber ach, dieß war fuͤr ehrſame Bremer Stadt¬
kinder und nicht fuͤr einen ſteinernen Rieſen
gemacht, es knackte, als er ſich ſetzte, morſch
zuſammen, und ſo lang er war, lag er im
Gemach.
„Schnoͤdes Geſchlecht, das ſolche Hitſchen
zimmert, worauf zu meiner Zeit nicht einmal
ein zartes Fraͤulein haͤtte ſitzen koͤnnen ohne
mit dem Sitz durchzubrechen,“ ſagte der Heros
und ſtand langſam auf; der Kellermeiſter Bal¬
thaſar aber rollte ein Halbeimerfaß herbei
an den Tiſch, und lud den Ritter ein Platz
zu nehmen. Es knackten nur ein Paar Dau¬
ben als er ſich ſetzte, aber das Faß hielt aus.
Dann bot ihm der Kellermeiſter ein großes
Roͤmerglas mit Wein, er faßte es mit der
breiten ſteinernen Fauſt, aber krach! war es
entzwei, daß ihm der Wein uͤber die Finger
lief. „Ei, Ihr haͤttet auch die Handſchuh
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Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 102. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/108>, abgerufen am 10.08.2024.
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