aus meinem Gedächtniß, aber seine Weise möchte ich doch wohl finden, denn sie war ein¬ fach und schön, und Petrus begleitete ihn mit einem sonoren, herrlichen Secund. Die Lust des Gesanges schien über alle herabzukommen, denn als Andreas geendet, sang Judas un¬ aufgefordert ein Lied, und ihm folgten die übri¬ gen. Selbst Rose, so sehr sie sich zierte, mußte ein Lied von 1615 singen, was sie mit ange¬ nehmer, etwas zitternder Stimme vortrug. Mit dröhnendem Baß sang Roland eine Kriegs¬ hymne der Franken, von welcher ich nur einige Worte verstand, und endlich, als sie alle ge¬ sungen, schauten sie auf mich, und Rose nickte mir zu etwas zu singen. Da hub ich denn an:
Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben,
Da wächst ein deutscher Wein,
Da wachsen sie am Ufer hin und geben
Uns diesen Labewein.
aus meinem Gedaͤchtniß, aber ſeine Weiſe moͤchte ich doch wohl finden, denn ſie war ein¬ fach und ſchoͤn, und Petrus begleitete ihn mit einem ſonoren, herrlichen Secund. Die Luſt des Geſanges ſchien uͤber alle herabzukommen, denn als Andreas geendet, ſang Judas un¬ aufgefordert ein Lied, und ihm folgten die uͤbri¬ gen. Selbſt Roſe, ſo ſehr ſie ſich zierte, mußte ein Lied von 1615 ſingen, was ſie mit ange¬ nehmer, etwas zitternder Stimme vortrug. Mit droͤhnendem Baß ſang Roland eine Kriegs¬ hymne der Franken, von welcher ich nur einige Worte verſtand, und endlich, als ſie alle ge¬ ſungen, ſchauten ſie auf mich, und Roſe nickte mir zu etwas zu ſingen. Da hub ich denn an:
Am Rhein, am Rhein, da wachſen unſre Reben,
Da waͤchſt ein deutſcher Wein,
Da wachſen ſie am Ufer hin und geben
Uns dieſen Labewein.
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0117"n="111"/>
aus meinem Gedaͤchtniß, aber ſeine Weiſe<lb/>
moͤchte ich doch wohl finden, denn ſie war ein¬<lb/>
fach und ſchoͤn, und Petrus begleitete ihn mit<lb/>
einem ſonoren, herrlichen Secund. Die Luſt<lb/>
des Geſanges ſchien uͤber alle herabzukommen,<lb/>
denn als Andreas geendet, ſang Judas un¬<lb/>
aufgefordert ein Lied, und ihm folgten die uͤbri¬<lb/>
gen. Selbſt Roſe, ſo ſehr ſie ſich zierte, mußte<lb/>
ein Lied von 1615 ſingen, was ſie mit ange¬<lb/>
nehmer, etwas zitternder Stimme vortrug.<lb/>
Mit droͤhnendem Baß ſang Roland eine Kriegs¬<lb/>
hymne der Franken, von welcher ich nur einige<lb/>
Worte verſtand, und endlich, als ſie alle ge¬<lb/>ſungen, ſchauten ſie auf mich, und Roſe nickte<lb/>
mir zu etwas zu ſingen. Da hub ich denn<lb/>
an:</p><lb/><lgtype="poem"><l>Am Rhein, am Rhein, da wachſen unſre Reben,</l><lb/><lrendition="#et">Da waͤchſt ein deutſcher Wein,</l><lb/><l>Da wachſen ſie am Ufer hin und geben</l><lb/><lrendition="#et">Uns dieſen Labewein.</l><lb/></lg></div></body></text></TEI>
[111/0117]
aus meinem Gedaͤchtniß, aber ſeine Weiſe
moͤchte ich doch wohl finden, denn ſie war ein¬
fach und ſchoͤn, und Petrus begleitete ihn mit
einem ſonoren, herrlichen Secund. Die Luſt
des Geſanges ſchien uͤber alle herabzukommen,
denn als Andreas geendet, ſang Judas un¬
aufgefordert ein Lied, und ihm folgten die uͤbri¬
gen. Selbſt Roſe, ſo ſehr ſie ſich zierte, mußte
ein Lied von 1615 ſingen, was ſie mit ange¬
nehmer, etwas zitternder Stimme vortrug.
Mit droͤhnendem Baß ſang Roland eine Kriegs¬
hymne der Franken, von welcher ich nur einige
Worte verſtand, und endlich, als ſie alle ge¬
ſungen, ſchauten ſie auf mich, und Roſe nickte
mir zu etwas zu ſingen. Da hub ich denn
an:
Am Rhein, am Rhein, da wachſen unſre Reben,
Da waͤchſt ein deutſcher Wein,
Da wachſen ſie am Ufer hin und geben
Uns dieſen Labewein.
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend
gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien
von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem
DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.
Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 111. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/117>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.