nien und England sind ausgezogen, wie einst unter Richard Löwenherz, die Ungläubigen zu bekämpfen? Die Genueser Flotte schifft im Archipel, die Tausende der Streiter überzuse¬ tzen, die Oriflamme naht sich Stambuls Kü¬ sten und Oesterreichs Banner weht im ersten Reihen? Ha! zu solchem Kampfe möchte ich selbst noch einmal mein Roß besteigen, mein gutes Schwert Durande ziehen und in mein Hifthorn stoßen, daß alle Helden, die da schlafen, aufstünden aus den Gräbern, und mit mir zögen in die Türkenschlacht."
"Edler Ritter," antwortete ich und errö¬ thete vor meiner Zeit, "die Zeiten haben sich geändert. Ihr würdet wahrscheinlich als De¬ magoge verhaftet werden bei sothanen Um¬ ständen und Verhältnissen, denn weder Habs¬ burgs Banner noch die Oriflamme, weder Englands Harfe noch Hispaniens Löwen sieht man in jenen Gefechten."
nien und England ſind ausgezogen, wie einſt unter Richard Loͤwenherz, die Unglaͤubigen zu bekaͤmpfen? Die Genueſer Flotte ſchifft im Archipel, die Tauſende der Streiter uͤberzuſe¬ tzen, die Oriflamme naht ſich Stambuls Kuͤ¬ ſten und Oeſterreichs Banner weht im erſten Reihen? Ha! zu ſolchem Kampfe moͤchte ich ſelbſt noch einmal mein Roß beſteigen, mein gutes Schwert Durande ziehen und in mein Hifthorn ſtoßen, daß alle Helden, die da ſchlafen, aufſtuͤnden aus den Graͤbern, und mit mir zoͤgen in die Tuͤrkenſchlacht.“
„Edler Ritter,“ antwortete ich und erroͤ¬ thete vor meiner Zeit, „die Zeiten haben ſich geaͤndert. Ihr wuͤrdet wahrſcheinlich als De¬ magoge verhaftet werden bei ſothanen Um¬ ſtaͤnden und Verhaͤltniſſen, denn weder Habs¬ burgs Banner noch die Oriflamme, weder Englands Harfe noch Hiſpaniens Loͤwen ſieht man in jenen Gefechten.“
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0124"n="118"/>
nien und England ſind ausgezogen, wie einſt<lb/>
unter Richard Loͤwenherz, die Unglaͤubigen zu<lb/>
bekaͤmpfen? Die Genueſer Flotte ſchifft im<lb/>
Archipel, die Tauſende der Streiter <choice><sic>uͤberzuſe¬<lb/>ſetzen</sic><corr>uͤberzuſe¬<lb/>
tzen</corr></choice>, die Oriflamme naht ſich Stambuls Kuͤ¬<lb/>ſten und Oeſterreichs Banner weht im erſten<lb/>
Reihen? Ha! zu ſolchem Kampfe moͤchte ich<lb/>ſelbſt noch einmal mein Roß beſteigen, mein<lb/>
gutes Schwert Durande ziehen und in mein<lb/>
Hifthorn ſtoßen, daß alle Helden, die da<lb/>ſchlafen, aufſtuͤnden aus den Graͤbern, und<lb/>
mit mir zoͤgen in die Tuͤrkenſchlacht.“</p><lb/><p>„Edler Ritter,“ antwortete ich und erroͤ¬<lb/>
thete vor meiner Zeit, „die Zeiten haben ſich<lb/>
geaͤndert. Ihr wuͤrdet wahrſcheinlich als De¬<lb/>
magoge verhaftet werden bei ſothanen Um¬<lb/>ſtaͤnden und Verhaͤltniſſen, denn weder Habs¬<lb/>
burgs Banner noch die Oriflamme, weder<lb/>
Englands Harfe noch Hiſpaniens Loͤwen ſieht<lb/>
man in jenen Gefechten.“</p><lb/></div></body></text></TEI>
[118/0124]
nien und England ſind ausgezogen, wie einſt
unter Richard Loͤwenherz, die Unglaͤubigen zu
bekaͤmpfen? Die Genueſer Flotte ſchifft im
Archipel, die Tauſende der Streiter uͤberzuſe¬
tzen, die Oriflamme naht ſich Stambuls Kuͤ¬
ſten und Oeſterreichs Banner weht im erſten
Reihen? Ha! zu ſolchem Kampfe moͤchte ich
ſelbſt noch einmal mein Roß beſteigen, mein
gutes Schwert Durande ziehen und in mein
Hifthorn ſtoßen, daß alle Helden, die da
ſchlafen, aufſtuͤnden aus den Graͤbern, und
mit mir zoͤgen in die Tuͤrkenſchlacht.“
„Edler Ritter,“ antwortete ich und erroͤ¬
thete vor meiner Zeit, „die Zeiten haben ſich
geaͤndert. Ihr wuͤrdet wahrſcheinlich als De¬
magoge verhaftet werden bei ſothanen Um¬
ſtaͤnden und Verhaͤltniſſen, denn weder Habs¬
burgs Banner noch die Oriflamme, weder
Englands Harfe noch Hiſpaniens Loͤwen ſieht
man in jenen Gefechten.“
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend
gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien
von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem
DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.
Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 118. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/124>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.