"Ei, was ist der steinerne Roland für ein zorniger Kumpan," murmelte Rose, nachdem er die Pforte klirrend zugeworfen, indem sie etliche Weintropfen, die sie benetzten, vom Busentuch abschüttelte;" will der steinerne Narr auf seine alten Tage noch zu Felde ziehen! wenn er sich sehen ließe, sie steckten ihn gleich ohne Barmherzigkeit als Flügelmann unter die Brandenburger Grenadiere, denn die Größe hat er."
"Jungfer Rose," erwiederte ihr Petrus, "zornig ist er, das ist wahr, und er hätte können auf andere Weise davon gehen; aber bedenket, daß er einst, Furioso, wahnsinnig war und noch ganz andere Sachen gethan, als silberne Becher zerquetscht und Frauenzim¬ mer mit Wein besudelt. Und genau beim Lichte besehen, kann ich ihm seinen Unmuth auch nicht verdenken; war er doch auch ein¬ mal ein Mensch und dazu ein herrlicher Pa¬
„Ei, was iſt der ſteinerne Roland fuͤr ein zorniger Kumpan,“ murmelte Roſe, nachdem er die Pforte klirrend zugeworfen, indem ſie etliche Weintropfen, die ſie benetzten, vom Buſentuch abſchuͤttelte;“ will der ſteinerne Narr auf ſeine alten Tage noch zu Felde ziehen! wenn er ſich ſehen ließe, ſie ſteckten ihn gleich ohne Barmherzigkeit als Fluͤgelmann unter die Brandenburger Grenadiere, denn die Groͤße hat er.“
„Jungfer Roſe,“ erwiederte ihr Petrus, „zornig iſt er, das iſt wahr, und er haͤtte koͤnnen auf andere Weiſe davon gehen; aber bedenket, daß er einſt, Furioſo, wahnſinnig war und noch ganz andere Sachen gethan, als ſilberne Becher zerquetſcht und Frauenzim¬ mer mit Wein beſudelt. Und genau beim Lichte beſehen, kann ich ihm ſeinen Unmuth auch nicht verdenken; war er doch auch ein¬ mal ein Menſch und dazu ein herrlicher Pa¬
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„Ei, was iſt der ſteinerne Roland fuͤr ein
zorniger Kumpan,“ murmelte Roſe, nachdem
er die Pforte klirrend zugeworfen, indem ſie
etliche Weintropfen, die ſie benetzten, vom
Buſentuch abſchuͤttelte;“ will der ſteinerne Narr
auf ſeine alten Tage noch zu Felde ziehen!
wenn er ſich ſehen ließe, ſie ſteckten ihn gleich
ohne Barmherzigkeit als Fluͤgelmann unter
die Brandenburger Grenadiere, denn die Groͤße
hat er.“
„Jungfer Roſe,“ erwiederte ihr Petrus,
„zornig iſt er, das iſt wahr, und er haͤtte
koͤnnen auf andere Weiſe davon gehen; aber
bedenket, daß er einſt, Furioſo, wahnſinnig
war und noch ganz andere Sachen gethan,
als ſilberne Becher zerquetſcht und Frauenzim¬
mer mit Wein beſudelt. Und genau beim
Lichte beſehen, kann ich ihm ſeinen Unmuth
auch nicht verdenken; war er doch auch ein¬
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Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 120. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/126>, abgerufen am 10.08.2024.
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