edeln Rheinweins schlürfe; ihr duftet auf in herrlicher Schöne, Jahre meiner Jugend, wie das Aroma aufsteigt aus dem Römer; mein Auge wird wacker, o Seele, denn sie sind um mich, die Freunde meiner Jugend! Wie soll ich dich nennen, du hohes, edles, rohes, bar¬ barisches, liebliches, unharmonisches, gesang¬ volles, zurückstoßendes und doch so mild er¬ quickendes Leben der Burschenjahre? Wie soll ich euch beschreiben, ihr goldenen Stunden, ihr Feierklänge der Bruderliebe? Welche Töne soll ich euch geben, um mich verständlich zu machen? welche Farben Dir, du nie begriffe¬ nes Chaos! Ich soll dich beschreiben? Nie! Deine lächerliche Aussenseite liegt offen, die sieht der Laie, die kann man ihm beschreiben, aber deinen innern, lieblichen Schmelz kennt nur der Bergmann, der singend mit seinen Brüdern hinabfuhr in den tiefen Schacht. Gold bringt er herauf, reines, lauteres Gold, viel oder wenig,
edeln Rheinweins ſchluͤrfe; ihr duftet auf in herrlicher Schoͤne, Jahre meiner Jugend, wie das Aroma aufſteigt aus dem Roͤmer; mein Auge wird wacker, o Seele, denn ſie ſind um mich, die Freunde meiner Jugend! Wie ſoll ich dich nennen, du hohes, edles, rohes, bar¬ bariſches, liebliches, unharmoniſches, geſang¬ volles, zuruͤckſtoßendes und doch ſo mild er¬ quickendes Leben der Burſchenjahre? Wie ſoll ich euch beſchreiben, ihr goldenen Stunden, ihr Feierklaͤnge der Bruderliebe? Welche Toͤne ſoll ich euch geben, um mich verſtaͤndlich zu machen? welche Farben Dir, du nie begriffe¬ nes Chaos! Ich ſoll dich beſchreiben? Nie! Deine laͤcherliche Auſſenſeite liegt offen, die ſieht der Laie, die kann man ihm beſchreiben, aber deinen innern, lieblichen Schmelz kennt nur der Bergmann, der ſingend mit ſeinen Bruͤdern hinabfuhr in den tiefen Schacht. Gold bringt er herauf, reines, lauteres Gold, viel oder wenig,
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edeln Rheinweins ſchluͤrfe; ihr duftet auf in
herrlicher Schoͤne, Jahre meiner Jugend, wie
das Aroma aufſteigt aus dem Roͤmer; mein
Auge wird wacker, o Seele, denn ſie ſind um
mich, die Freunde meiner Jugend! Wie ſoll
ich dich nennen, du hohes, edles, rohes, bar¬
bariſches, liebliches, unharmoniſches, geſang¬
volles, zuruͤckſtoßendes und doch ſo mild er¬
quickendes Leben der Burſchenjahre? Wie ſoll
ich euch beſchreiben, ihr goldenen Stunden,
ihr Feierklaͤnge der Bruderliebe? Welche Toͤne
ſoll ich euch geben, um mich verſtaͤndlich zu
machen? welche Farben Dir, du nie begriffe¬
nes Chaos! Ich ſoll dich beſchreiben? Nie!
Deine laͤcherliche Auſſenſeite liegt offen, die ſieht
der Laie, die kann man ihm beſchreiben, aber
deinen innern, lieblichen Schmelz kennt nur
der Bergmann, der ſingend mit ſeinen Bruͤdern
hinabfuhr in den tiefen Schacht. Gold bringt er
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Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 41. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/47>, abgerufen am 10.08.2024.
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