daß diese Dame niemand anders sey, als die alte Rose, das ungeheure Faß im Rosenkeller.
Und wie hatte sie sich köstlich aufgeputzt, die alte Rheinländerin! Sie mußte in der Jugend einmal recht schön gewesen seyn, denn wenn auch die Zeit einige Runzeln um Stirne und Mund gelegt hatte, wenn auch das frische Roth der Jugend von ihren Wangen verschwunden war, zwei Jahrhunderte konnten die edlen Züge des feinen Gesichtes nicht völlig verwischen. Ihre Augbraunen waren grau geworden, und einige unziemliche graue Barthaare wuchsen auf ihrem spitzigen Kinn, aber die Haare, die um die Stirne schön geglättet lagen, waren nußbraun und nur etwas weniges mit silber¬ grau gemischt. Auf dem Kopf trug sie eine schwarze Sammtmütze, die sich enge an die Schläfe anschloß; dazu hatte sie ein Wamms vom feinsten schwarzen Tuche an und das Mie¬ der von rothem Sammt, das darunter hervor¬
daß dieſe Dame niemand anders ſey, als die alte Roſe, das ungeheure Faß im Roſenkeller.
Und wie hatte ſie ſich koͤſtlich aufgeputzt, die alte Rheinlaͤnderin! Sie mußte in der Jugend einmal recht ſchoͤn geweſen ſeyn, denn wenn auch die Zeit einige Runzeln um Stirne und Mund gelegt hatte, wenn auch das friſche Roth der Jugend von ihren Wangen verſchwunden war, zwei Jahrhunderte konnten die edlen Zuͤge des feinen Geſichtes nicht voͤllig verwiſchen. Ihre Augbraunen waren grau geworden, und einige unziemliche graue Barthaare wuchſen auf ihrem ſpitzigen Kinn, aber die Haare, die um die Stirne ſchoͤn geglaͤttet lagen, waren nußbraun und nur etwas weniges mit ſilber¬ grau gemiſcht. Auf dem Kopf trug ſie eine ſchwarze Sammtmuͤtze, die ſich enge an die Schlaͤfe anſchloß; dazu hatte ſie ein Wamms vom feinſten ſchwarzen Tuche an und das Mie¬ der von rothem Sammt, das darunter hervor¬
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daß dieſe Dame niemand anders ſey, als die
alte Roſe, das ungeheure Faß im Roſenkeller.
Und wie hatte ſie ſich koͤſtlich aufgeputzt, die
alte Rheinlaͤnderin! Sie mußte in der Jugend
einmal recht ſchoͤn geweſen ſeyn, denn wenn
auch die Zeit einige Runzeln um Stirne und
Mund gelegt hatte, wenn auch das friſche Roth
der Jugend von ihren Wangen verſchwunden
war, zwei Jahrhunderte konnten die edlen
Zuͤge des feinen Geſichtes nicht voͤllig verwiſchen.
Ihre Augbraunen waren grau geworden, und
einige unziemliche graue Barthaare wuchſen
auf ihrem ſpitzigen Kinn, aber die Haare, die
um die Stirne ſchoͤn geglaͤttet lagen, waren
nußbraun und nur etwas weniges mit ſilber¬
grau gemiſcht. Auf dem Kopf trug ſie eine
ſchwarze Sammtmuͤtze, die ſich enge an die
Schlaͤfe anſchloß; dazu hatte ſie ein Wamms
vom feinſten ſchwarzen Tuche an und das Mie¬
der von rothem Sammt, das darunter hervor¬
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Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 57. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/63>, abgerufen am 10.08.2024.
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