"Soll leben, die alte Rose soll leben!" riefen sie und stießen an und tranken; Herr Bachus aber, der aus einem großen silbernen Humpen trank, schluckte zwei Maas rheinisch ohne viele Beschwerden hinunter, und er ward zusehends dicker davon und größer, wie eine Schweinsblase, die man mit Luft füllt.
"Mich gehorsamst zu bedanken, werthge¬ schätzte Herrn Apostel und Vettern, antwortete Frau Rosalia, in dem sie sich freundlich ver¬ neigte; seyd Ihr noch immer solch ein loser Schäcker, Herr Petrus? ich weiß von keinem Schatz nicht, und Ihr müßt ein sittsam Mägd¬ lein nicht so in Verlegenheit setzen." Sie schlug die Augen nieder als sie dieß sagte, und trank ein mächtiges Paßglas aus.
"Schatz," erwiederte ihr Bachus, indem er sie aus seinen Aeuglein zärtlich anblickte und ihre Hand faßte, "Schatz, ziere dich doch nicht so; du weißt ja wohl, daß dir mein
„Soll leben, die alte Roſe ſoll leben!“ riefen ſie und ſtießen an und tranken; Herr Bachus aber, der aus einem großen ſilbernen Humpen trank, ſchluckte zwei Maas rheiniſch ohne viele Beſchwerden hinunter, und er ward zuſehends dicker davon und groͤßer, wie eine Schweinsblaſe, die man mit Luft fuͤllt.
„Mich gehorſamſt zu bedanken, werthge¬ ſchaͤtzte Herrn Apoſtel und Vettern, antwortete Frau Roſalia, in dem ſie ſich freundlich ver¬ neigte; ſeyd Ihr noch immer ſolch ein loſer Schaͤcker, Herr Petrus? ich weiß von keinem Schatz nicht, und Ihr muͤßt ein ſittſam Maͤgd¬ lein nicht ſo in Verlegenheit ſetzen.“ Sie ſchlug die Augen nieder als ſie dieß ſagte, und trank ein maͤchtiges Paßglas aus.
„Schatz,“ erwiederte ihr Bachus, indem er ſie aus ſeinen Aeuglein zaͤrtlich anblickte und ihre Hand faßte, „Schatz, ziere dich doch nicht ſo; du weißt ja wohl, daß dir mein
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„Soll leben, die alte Roſe ſoll leben!“
riefen ſie und ſtießen an und tranken; Herr
Bachus aber, der aus einem großen ſilbernen
Humpen trank, ſchluckte zwei Maas rheiniſch
ohne viele Beſchwerden hinunter, und er ward
zuſehends dicker davon und groͤßer, wie eine
Schweinsblaſe, die man mit Luft fuͤllt.
„Mich gehorſamſt zu bedanken, werthge¬
ſchaͤtzte Herrn Apoſtel und Vettern, antwortete
Frau Roſalia, in dem ſie ſich freundlich ver¬
neigte; ſeyd Ihr noch immer ſolch ein loſer
Schaͤcker, Herr Petrus? ich weiß von keinem
Schatz nicht, und Ihr muͤßt ein ſittſam Maͤgd¬
lein nicht ſo in Verlegenheit ſetzen.“ Sie
ſchlug die Augen nieder als ſie dieß ſagte,
und trank ein maͤchtiges Paßglas aus.
„Schatz,“ erwiederte ihr Bachus, indem
er ſie aus ſeinen Aeuglein zaͤrtlich anblickte
und ihre Hand faßte, „Schatz, ziere dich doch
nicht ſo; du weißt ja wohl, daß dir mein
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Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 60. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/66>, abgerufen am 10.08.2024.
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