Ohnegrund, kann es aber noch besser." Da schickte der König auch nach Balthasar Ohne¬ grund, dem Knecht des Hauptmann Gutkunst, und war der Herr schon blaß gewesen und ma¬ ger, so war es der Diener noch mehr, der ganz aschenfarb aussah, als hätt' er sein Lebenlang Wasser getrunken."
"Da ließ nun der König den Hauptmann und Ohnegrund, den Reitknecht, in ein Zelt setzen und einige Fäßlein alten Hochheimer und Nierensteiner anfahren, und wollte haben, die beiden sollten sich eichen lassen. Sie tran¬ ken von Morgens eilf Uhr bis Abends vier Uhr ein Imi Hochheimer und anderthalb Imi Nie¬ rensteiner, und der König ging voll Verwunde¬ rung zu ihnen ins Zelt, um zu sehen, wie es mit ihnen stehe. Die beiden Gesellen waren aber wohl auf und der Hauptmann sagte: "so, jetzt will ich einmal die Degenkuppel abschnal¬
Ohnegrund, kann es aber noch beſſer.“ Da ſchickte der Koͤnig auch nach Balthaſar Ohne¬ grund, dem Knecht des Hauptmann Gutkunſt, und war der Herr ſchon blaß geweſen und ma¬ ger, ſo war es der Diener noch mehr, der ganz aſchenfarb ausſah, als haͤtt' er ſein Lebenlang Waſſer getrunken.“
„Da ließ nun der Koͤnig den Hauptmann und Ohnegrund, den Reitknecht, in ein Zelt ſetzen und einige Faͤßlein alten Hochheimer und Nierenſteiner anfahren, und wollte haben, die beiden ſollten ſich eichen laſſen. Sie tran¬ ken von Morgens eilf Uhr bis Abends vier Uhr ein Imi Hochheimer und anderthalb Imi Nie¬ renſteiner, und der Koͤnig ging voll Verwunde¬ rung zu ihnen ins Zelt, um zu ſehen, wie es mit ihnen ſtehe. Die beiden Geſellen waren aber wohl auf und der Hauptmann ſagte: „ſo, jetzt will ich einmal die Degenkuppel abſchnal¬
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0085"n="79"/>
Ohnegrund, kann es aber noch beſſer.“ Da<lb/>ſchickte der Koͤnig auch nach Balthaſar Ohne¬<lb/>
grund, dem Knecht des Hauptmann Gutkunſt,<lb/>
und war der Herr ſchon blaß geweſen und ma¬<lb/>
ger, ſo war es der Diener noch mehr, der ganz<lb/>
aſchenfarb ausſah, als haͤtt' er ſein Lebenlang<lb/>
Waſſer getrunken.“</p><lb/><p>„Da ließ nun der Koͤnig den Hauptmann<lb/>
und Ohnegrund, den Reitknecht, in ein Zelt<lb/>ſetzen und einige Faͤßlein alten Hochheimer<lb/>
und Nierenſteiner anfahren, und wollte haben,<lb/>
die beiden ſollten ſich eichen laſſen. Sie tran¬<lb/>
ken von Morgens eilf Uhr bis Abends vier Uhr<lb/>
ein Imi Hochheimer und anderthalb Imi Nie¬<lb/>
renſteiner, und der Koͤnig ging voll Verwunde¬<lb/>
rung zu ihnen ins Zelt, um zu ſehen, wie es<lb/>
mit ihnen ſtehe. Die beiden Geſellen waren<lb/>
aber wohl auf und der Hauptmann ſagte: „ſo,<lb/>
jetzt will ich einmal die Degenkuppel abſchnal¬<lb/></p></div></body></text></TEI>
[79/0085]
Ohnegrund, kann es aber noch beſſer.“ Da
ſchickte der Koͤnig auch nach Balthaſar Ohne¬
grund, dem Knecht des Hauptmann Gutkunſt,
und war der Herr ſchon blaß geweſen und ma¬
ger, ſo war es der Diener noch mehr, der ganz
aſchenfarb ausſah, als haͤtt' er ſein Lebenlang
Waſſer getrunken.“
„Da ließ nun der Koͤnig den Hauptmann
und Ohnegrund, den Reitknecht, in ein Zelt
ſetzen und einige Faͤßlein alten Hochheimer
und Nierenſteiner anfahren, und wollte haben,
die beiden ſollten ſich eichen laſſen. Sie tran¬
ken von Morgens eilf Uhr bis Abends vier Uhr
ein Imi Hochheimer und anderthalb Imi Nie¬
renſteiner, und der Koͤnig ging voll Verwunde¬
rung zu ihnen ins Zelt, um zu ſehen, wie es
mit ihnen ſtehe. Die beiden Geſellen waren
aber wohl auf und der Hauptmann ſagte: „ſo,
jetzt will ich einmal die Degenkuppel abſchnal¬
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend
gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien
von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem
DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.
Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 79. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/85>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.