len, dann geht's besser;" Ohnegrund machte aber drei Knöpfe an seinem Koller auf.
Da entsatzten sich alle, die dieß sahen, der König aber sprach: "kann ich bessere Gesandte finden nach der fröhlichen Stadt Bremen als diese?" Und alsobald ließ er dem Hauptmann prächtige Kleider und Waffen geben, wie auch Ohnegrund, dem Reitknecht, denn dieser sollte den Schreiber des Gesandten vorstellen. Der König und der Kanzlar unterrichteten den Haupt¬ mann, was er zu sagen hätte bei der Unter¬ handlung, und nahm beiden das Versprechen ab, daß sie auf der ganzen Reise nur Wasser trinken sollten, damit nachher das Treffen im Keller um so glorreicher würde; Gutkunst aber, der Hauptmann, mußte seine rothe Nase mit einer künstlichen Salbe anstreichen, auf daß sie weiß aussah, damit man nicht merke, welch' ein Kunde er sey."
"Ganz elendiglich vom vielen Wassertrin¬
len, dann geht's beſſer;“ Ohnegrund machte aber drei Knoͤpfe an ſeinem Koller auf.
Da entſatzten ſich alle, die dieß ſahen, der Koͤnig aber ſprach: „kann ich beſſere Geſandte finden nach der froͤhlichen Stadt Bremen als dieſe?“ Und alſobald ließ er dem Hauptmann praͤchtige Kleider und Waffen geben, wie auch Ohnegrund, dem Reitknecht, denn dieſer ſollte den Schreiber des Geſandten vorſtellen. Der Koͤnig und der Kanzlar unterrichteten den Haupt¬ mann, was er zu ſagen haͤtte bei der Unter¬ handlung, und nahm beiden das Verſprechen ab, daß ſie auf der ganzen Reiſe nur Waſſer trinken ſollten, damit nachher das Treffen im Keller um ſo glorreicher wuͤrde; Gutkunſt aber, der Hauptmann, mußte ſeine rothe Naſe mit einer kuͤnſtlichen Salbe anſtreichen, auf daß ſie weiß ausſah, damit man nicht merke, welch' ein Kunde er ſey.“
„Ganz elendiglich vom vielen Waſſertrin¬
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0086"n="80"/>
len, dann geht's beſſer;“ Ohnegrund machte<lb/>
aber drei Knoͤpfe an ſeinem Koller auf.</p><lb/><p>Da entſatzten ſich alle, die dieß ſahen, der<lb/>
Koͤnig aber ſprach: „kann ich beſſere Geſandte<lb/>
finden nach der froͤhlichen Stadt Bremen als<lb/>
dieſe?“ Und alſobald ließ er dem Hauptmann<lb/>
praͤchtige Kleider und Waffen geben, wie auch<lb/>
Ohnegrund, dem Reitknecht, denn dieſer ſollte<lb/>
den Schreiber des Geſandten vorſtellen. Der<lb/>
Koͤnig und der Kanzlar unterrichteten den Haupt¬<lb/>
mann, was er zu ſagen haͤtte bei der Unter¬<lb/>
handlung, und nahm beiden das Verſprechen<lb/>
ab, daß ſie auf der ganzen Reiſe nur Waſſer<lb/>
trinken ſollten, damit nachher das Treffen im<lb/>
Keller um ſo glorreicher wuͤrde; Gutkunſt aber,<lb/>
der Hauptmann, mußte ſeine rothe Naſe mit<lb/>
einer kuͤnſtlichen Salbe anſtreichen, auf daß ſie<lb/>
weiß ausſah, damit man nicht merke, welch'<lb/>
ein Kunde er ſey.“</p><lb/><p>„Ganz elendiglich vom vielen Waſſertrin¬<lb/></p></div></body></text></TEI>
[80/0086]
len, dann geht's beſſer;“ Ohnegrund machte
aber drei Knoͤpfe an ſeinem Koller auf.
Da entſatzten ſich alle, die dieß ſahen, der
Koͤnig aber ſprach: „kann ich beſſere Geſandte
finden nach der froͤhlichen Stadt Bremen als
dieſe?“ Und alſobald ließ er dem Hauptmann
praͤchtige Kleider und Waffen geben, wie auch
Ohnegrund, dem Reitknecht, denn dieſer ſollte
den Schreiber des Geſandten vorſtellen. Der
Koͤnig und der Kanzlar unterrichteten den Haupt¬
mann, was er zu ſagen haͤtte bei der Unter¬
handlung, und nahm beiden das Verſprechen
ab, daß ſie auf der ganzen Reiſe nur Waſſer
trinken ſollten, damit nachher das Treffen im
Keller um ſo glorreicher wuͤrde; Gutkunſt aber,
der Hauptmann, mußte ſeine rothe Naſe mit
einer kuͤnſtlichen Salbe anſtreichen, auf daß ſie
weiß ausſah, damit man nicht merke, welch'
ein Kunde er ſey.“
„Ganz elendiglich vom vielen Waſſertrin¬
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend
gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien
von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem
DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.
Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 80. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/86>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.