ken kamen die beiden nach der Stadt Bremen, und nachdem sie bei dem Bürgermeister gewe¬ sen, sagte dieser zum Senat: "o! was hat uns der Schwede für zwei bleiche, magere Gesellen geschickt; heute Abend wollen wir sie in den Rathskeller führen und zudecken. Ich nehme den Gesandten auf mich ganz allein, und der Doctor Schnellpfeffer muß auf den Schreiber." So wurden sie denn Abends nach der Betglocke feierlichst in den Rathskeller geführt, der Bür¬ germeister führte Gutkunsten, den Hauptmann, der Doctor Schnellpfeffer, was auch ein gu¬ ter Trinker war, führte den Reitknecht am Arm, der als Schreiber angethan sich recht züchtiglich geberdete; hinter ihnen gingen viele Rathsherren, die zur Verhandlung geladen waren. Hier in diesem Gemach setzten sie sich um den Tisch und verspeißten zuerst Ha¬ senbraten und Schinken und Häringe, um sich zum Trinken zu rüsten. Dann wollte der Ge¬
6
ken kamen die beiden nach der Stadt Bremen, und nachdem ſie bei dem Buͤrgermeiſter gewe¬ ſen, ſagte dieſer zum Senat: „o! was hat uns der Schwede fuͤr zwei bleiche, magere Geſellen geſchickt; heute Abend wollen wir ſie in den Rathskeller fuͤhren und zudecken. Ich nehme den Geſandten auf mich ganz allein, und der Doctor Schnellpfeffer muß auf den Schreiber.“ So wurden ſie denn Abends nach der Betglocke feierlichſt in den Rathskeller gefuͤhrt, der Buͤr¬ germeiſter fuͤhrte Gutkunſten, den Hauptmann, der Doctor Schnellpfeffer, was auch ein gu¬ ter Trinker war, fuͤhrte den Reitknecht am Arm, der als Schreiber angethan ſich recht zuͤchtiglich geberdete; hinter ihnen gingen viele Rathsherren, die zur Verhandlung geladen waren. Hier in dieſem Gemach ſetzten ſie ſich um den Tiſch und verſpeißten zuerſt Ha¬ ſenbraten und Schinken und Haͤringe, um ſich zum Trinken zu ruͤſten. Dann wollte der Ge¬
6
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0087"n="81"/>
ken kamen die beiden nach der Stadt Bremen,<lb/>
und nachdem ſie bei dem Buͤrgermeiſter gewe¬<lb/>ſen, ſagte dieſer zum Senat: „o! was hat uns<lb/>
der Schwede fuͤr zwei bleiche, magere Geſellen<lb/>
geſchickt; heute Abend wollen wir ſie in den<lb/>
Rathskeller fuͤhren und zudecken. Ich nehme<lb/>
den Geſandten auf mich ganz allein, und der<lb/>
Doctor Schnellpfeffer muß auf den Schreiber.“<lb/>
So wurden ſie denn Abends nach der Betglocke<lb/>
feierlichſt in den Rathskeller gefuͤhrt, der Buͤr¬<lb/>
germeiſter fuͤhrte Gutkunſten, den Hauptmann,<lb/>
der Doctor Schnellpfeffer, was auch ein gu¬<lb/>
ter Trinker war, fuͤhrte den Reitknecht am<lb/>
Arm, der als Schreiber angethan ſich recht<lb/>
zuͤchtiglich geberdete; hinter ihnen gingen viele<lb/>
Rathsherren, die zur Verhandlung geladen<lb/>
waren. Hier in dieſem Gemach ſetzten ſie<lb/>ſich um den Tiſch und verſpeißten zuerſt Ha¬<lb/>ſenbraten und Schinken und Haͤringe, um ſich<lb/>
zum Trinken zu ruͤſten. Dann wollte der Ge¬<lb/><fwplace="bottom"type="sig">6<lb/></fw></p></div></body></text></TEI>
[81/0087]
ken kamen die beiden nach der Stadt Bremen,
und nachdem ſie bei dem Buͤrgermeiſter gewe¬
ſen, ſagte dieſer zum Senat: „o! was hat uns
der Schwede fuͤr zwei bleiche, magere Geſellen
geſchickt; heute Abend wollen wir ſie in den
Rathskeller fuͤhren und zudecken. Ich nehme
den Geſandten auf mich ganz allein, und der
Doctor Schnellpfeffer muß auf den Schreiber.“
So wurden ſie denn Abends nach der Betglocke
feierlichſt in den Rathskeller gefuͤhrt, der Buͤr¬
germeiſter fuͤhrte Gutkunſten, den Hauptmann,
der Doctor Schnellpfeffer, was auch ein gu¬
ter Trinker war, fuͤhrte den Reitknecht am
Arm, der als Schreiber angethan ſich recht
zuͤchtiglich geberdete; hinter ihnen gingen viele
Rathsherren, die zur Verhandlung geladen
waren. Hier in dieſem Gemach ſetzten ſie
ſich um den Tiſch und verſpeißten zuerſt Ha¬
ſenbraten und Schinken und Haͤringe, um ſich
zum Trinken zu ruͤſten. Dann wollte der Ge¬
6
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend
gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien
von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem
DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.
Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 81. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/87>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.