edler Wein; er that einen Blick in dieses unermeßliche Weinreich, schlug sich auf den Magen und sagte: "ich wills thun." Nach¬ her machten sie noch allerhand Punkte aus, wie es gehalten werden soll nach Ohnegrunds zeitlichem Hinscheiden mit seiner armen Seele. Er wurde Kellermeister, der Hauptmann Gut¬ kunst aber zog mit zweideutigen Bedingun¬ gen ab ins schwedische Lager, und als nach¬ her die Kaiserlichen in die Stadt kamen, war der Bürgermeister und Senat froh, daß sie sich mit dem Schweden nicht zu tief eingelas¬ sen, obgleich keiner recht wußte, wie es so gekommen war."
So erzählte die Rose, die Apostel und ich dankten ihr und lachten sehr über die beiden Gesandten, Paulus aber fragte: "und Bal¬ thasar Ohnegrund, der wackere Kunde, was ist aus ihm geworden? blieb er Kellermei¬ ster?" Die Rose aber wandte sich um mit Lä¬
edler Wein; er that einen Blick in dieſes unermeßliche Weinreich, ſchlug ſich auf den Magen und ſagte: „ich wills thun.“ Nach¬ her machten ſie noch allerhand Punkte aus, wie es gehalten werden ſoll nach Ohnegrunds zeitlichem Hinſcheiden mit ſeiner armen Seele. Er wurde Kellermeiſter, der Hauptmann Gut¬ kunſt aber zog mit zweideutigen Bedingun¬ gen ab ins ſchwediſche Lager, und als nach¬ her die Kaiſerlichen in die Stadt kamen, war der Buͤrgermeiſter und Senat froh, daß ſie ſich mit dem Schweden nicht zu tief eingelaſ¬ ſen, obgleich keiner recht wußte, wie es ſo gekommen war.“
So erzaͤhlte die Roſe, die Apoſtel und ich dankten ihr und lachten ſehr uͤber die beiden Geſandten, Paulus aber fragte: „und Bal¬ thaſar Ohnegrund, der wackere Kunde, was iſt aus ihm geworden? blieb er Kellermei¬ ſter?“ Die Roſe aber wandte ſich um mit Laͤ¬
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0095"n="89"/>
edler Wein; er that einen Blick in dieſes<lb/>
unermeßliche Weinreich, ſchlug ſich auf den<lb/>
Magen und ſagte: „ich wills thun.“ Nach¬<lb/>
her machten ſie noch allerhand Punkte aus,<lb/>
wie es gehalten werden ſoll nach Ohnegrunds<lb/>
zeitlichem Hinſcheiden mit ſeiner armen Seele.<lb/>
Er wurde Kellermeiſter, der Hauptmann Gut¬<lb/>
kunſt aber zog mit zweideutigen Bedingun¬<lb/>
gen ab ins ſchwediſche Lager, und als nach¬<lb/>
her die Kaiſerlichen in die Stadt kamen, war<lb/>
der Buͤrgermeiſter und Senat froh, daß ſie<lb/>ſich mit dem Schweden nicht zu tief eingelaſ¬<lb/>ſen, obgleich keiner recht wußte, wie es ſo<lb/>
gekommen war.“</p><lb/><p>So erzaͤhlte die Roſe, die Apoſtel und ich<lb/>
dankten ihr und lachten ſehr uͤber die beiden<lb/>
Geſandten, Paulus aber fragte: „und Bal¬<lb/>
thaſar Ohnegrund, der wackere Kunde, was<lb/>
iſt aus ihm geworden? blieb er Kellermei¬<lb/>ſter?“ Die Roſe aber wandte ſich um mit Laͤ¬<lb/></p></div></body></text></TEI>
[89/0095]
edler Wein; er that einen Blick in dieſes
unermeßliche Weinreich, ſchlug ſich auf den
Magen und ſagte: „ich wills thun.“ Nach¬
her machten ſie noch allerhand Punkte aus,
wie es gehalten werden ſoll nach Ohnegrunds
zeitlichem Hinſcheiden mit ſeiner armen Seele.
Er wurde Kellermeiſter, der Hauptmann Gut¬
kunſt aber zog mit zweideutigen Bedingun¬
gen ab ins ſchwediſche Lager, und als nach¬
her die Kaiſerlichen in die Stadt kamen, war
der Buͤrgermeiſter und Senat froh, daß ſie
ſich mit dem Schweden nicht zu tief eingelaſ¬
ſen, obgleich keiner recht wußte, wie es ſo
gekommen war.“
So erzaͤhlte die Roſe, die Apoſtel und ich
dankten ihr und lachten ſehr uͤber die beiden
Geſandten, Paulus aber fragte: „und Bal¬
thaſar Ohnegrund, der wackere Kunde, was
iſt aus ihm geworden? blieb er Kellermei¬
ſter?“ Die Roſe aber wandte ſich um mit Laͤ¬
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend
gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien
von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem
DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.
Hauff, Wilhelm: Phantasien im Bremer Rathskeller. Stuttgart, 1827, S. 89. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauff_phantasien_1827/95>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.