Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Staats- und Gelehrte Zeitung Des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 105, Hamburg, 2. Julii 1771.

Bild:
erste Seite
Mit allergnädigster Kayserlichen Freyheit.
Staats- und [Abbildung] Gelehrte
Zei- [Abbildung] tung

Des Hamburgischen unpartheyischen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1771.     (Am Dienstage, den 2 Julii.)    
Num. 105.



[Beginn Spaltensatz]

Se. Excellenz, der Herr Graf von Orlow, halten
sich noch hier auf, und erwarten neue Depeschen von
Ihrem Hofe. Indessen ist allen Rußischen Officiers
anbefohlen worden, ihre Equipage an Bord zu brin-
gen, damit sie auf den ersten Wink fertig seyn mögen,
in See zu gehen. Der Graf von Orlow wird wieder
nach Pisa reisen, um daselbst eine vortreffliche Erleuch-
tung dieser Stadt, welche bey Gelegenheit des Festes
des heiligen Ranieri, Schutzpatrons von Pisa, wird
angestellet werden, mit anzusehen.

Wir haben zween Briefe erhalten, welche über das
beyfallswürdige Verhalten der Russen in der Levante
ein großes Licht verbreiten, und die zu merkwürdig
sind, als daß wir sie dem Publico vorenthalten sollten,
ob sie gleich einige Vorfälle vom vorigen Jahre betreffen.

Schreiben des bey der Pforte residirenden französi-
schen Ambassadeurs an Se. Excellenz, den Grafen
Alexins von Orlow, General-Plenipotentiarius
Ihrer Majestät, der Kayserinn von Ruß-
land, in der Levante.

Nachdem der König, mein Souverain, erfahren,
daß ein Französisches Fahrzeug, geführet von Capitain
Jordan, auf der Rhede von Coron von einer Division
der Flotte, welche Ew. Excellenz commandiren, ange-
halten, die Ladung, davon ein Theil in Korn bestand,
gänzlich confisciret, und die Türkischen Passagiers,
welche es am Bord hatte, in Arrest genommen worden:
so hat Er dem Charge d'Affaires Ihrer Majestät, der
Kayserinn von Rußland, Herrn Chotinski, ein Me-
morial übergeben lassen, um die Ladung und Passagiers
zurückzufordern.

Um nun alle Weitläuftigkeiten, so viel, als möglich,
zu vermeiden, haben mir Se. Majestät befohlen, bey
Ew. Excellenz ein Gleiches zu thun, und über alles,
was eine Verletzung des Rechts der Französischen Flagge
scheinen könnte, zu tractiren.

[Spaltenumbruch]

Diesem Befehl zufolge schicke ich meinen Gesandt-
schafts-Secretair, den Herrn Leloas, der schon die
Ehre hat, Ihnen bekannt zu seyn, am Bord des Fran-
zösischen, vom Capitain Alliers commandirten, und
hat meinem Patent und Passeport versehenen Schiffes,
zu Ihnen. Ew. Excellenz können selbigem die Antwort
zustellen, welche Sie auf meine Vorstellung zu thun
für gut befinden werden.

Nach dem Völkerrecht und nach den Gesetzen des
Seekrieges darf man gegen die Ladung neutraler Fahr-
zeuge keine Repressalien gebrauchen; es wäre denn,
daß sie in Waffen und Mundprovision bestünde, die
etwa einem belagerten Platze zum Succurs sollten ge-
schickt werden. Da aber Capitain Jordan in der Bay
von Coron vor Anker gieng, bloß um sich mit frischem
Wasser zu versehen; so konnte man gar nicht glauben,
daß er die Absicht gehabt hätte, der Besatzung des Ca-
stells von Coron Lebensmittel zuzubringen, weil ein
Theil seiner Ladung in Korn bestand, welches im An-
gesicht einer Flotte, deren Lage es auch überdies ver-
hinderte, derselben unmöglich konnte zugeführet wer-
den. Der Arrest der Passagiers kann um so weniger
gerechtfertiget werden, weil es bloße unbewaffnete Kauf-
leute waren, die sich unter dem Schutz einer neutralen
Flagge befanden, deren Sicherheit niemals die geringste
Beleidigung empfangen dürfen. Zugleich habe ich die
mündliche Antwort, welche Ew. Excellenz einem De-
putirten des Commercii von Smirna gegeben, erfah-
ren, daß Sie nämlich Willens wären, alle Türken
als Leute, die dem Soldatenstand ergeben, anzusehen,
weil unter ihnen gar keine Unterscheidung ihres Stan-
des zu bemerken. Allein, wo ist wol eine Nation, bey
welcher die Profeßionen so unterschieden wären, daß
man nicht die Bürger von allerden Ständen bey gewissen
Umständen zu den Waffe greifen sähe? Ja, hat man
nicht zur Zeit einer Belagerung Priester, Mönche, und
selbst Weibespersonen bewaffnet zur Vertheidigung ih-
rer Stadt angetroffen? Unter Personen, die sich dem

Mit allergnaͤdigſter Kayſerlichen Freyheit.
Staats- und [Abbildung] Gelehrte
Zei- [Abbildung] tung

Des Hamburgiſchen unpartheyiſchen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1771.     (Am Dienſtage, den 2 Julii.)    
Num. 105.



[Beginn Spaltensatz]

Se. Excellenz, der Herr Graf von Orlow, halten
ſich noch hier auf, und erwarten neue Depeſchen von
Ihrem Hofe. Indeſſen iſt allen Rußiſchen Officiers
anbefohlen worden, ihre Equipage an Bord zu brin-
gen, damit ſie auf den erſten Wink fertig ſeyn moͤgen,
in See zu gehen. Der Graf von Orlow wird wieder
nach Piſa reiſen, um daſelbſt eine vortreffliche Erleuch-
tung dieſer Stadt, welche bey Gelegenheit des Feſtes
des heiligen Ranieri, Schutzpatrons von Piſa, wird
angeſtellet werden, mit anzuſehen.

Wir haben zween Briefe erhalten, welche uͤber das
beyfallswuͤrdige Verhalten der Ruſſen in der Levante
ein großes Licht verbreiten, und die zu merkwuͤrdig
ſind, als daß wir ſie dem Publico vorenthalten ſollten,
ob ſie gleich einige Vorfaͤlle vom vorigen Jahre betreffen.

Schreiben des bey der Pforte reſidirenden franzoͤſi-
ſchen Ambaſſadeurs an Se. Excellenz, den Grafen
Alexins von Orlow, General-Plenipotentiarius
Ihrer Majeſtaͤt, der Kayſerinn von Ruß-
land, in der Levante.

Nachdem der Koͤnig, mein Souverain, erfahren,
daß ein Franzoͤſiſches Fahrzeug, gefuͤhret von Capitain
Jordan, auf der Rhede von Coron von einer Diviſion
der Flotte, welche Ew. Excellenz commandiren, ange-
halten, die Ladung, davon ein Theil in Korn beſtand,
gaͤnzlich confiſciret, und die Tuͤrkiſchen Paſſagiers,
welche es am Bord hatte, in Arreſt genommen worden:
ſo hat Er dem Chargé d’Affaires Ihrer Majeſtaͤt, der
Kayſerinn von Rußland, Herrn Chotinski, ein Me-
morial uͤbergeben laſſen, um die Ladung und Paſſagiers
zuruͤckzufordern.

Um nun alle Weitlaͤuftigkeiten, ſo viel, als moͤglich,
zu vermeiden, haben mir Se. Majeſtaͤt befohlen, bey
Ew. Excellenz ein Gleiches zu thun, und uͤber alles,
was eine Verletzung des Rechts der Franzoͤſiſchen Flagge
ſcheinen koͤnnte, zu tractiren.

[Spaltenumbruch]

Dieſem Befehl zufolge ſchicke ich meinen Geſandt-
ſchafts-Secretair, den Herrn Leloas, der ſchon die
Ehre hat, Ihnen bekannt zu ſeyn, am Bord des Fran-
zoͤſiſchen, vom Capitain Alliers commandirten, und
hat meinem Patent und Paſſeport verſehenen Schiffes,
zu Ihnen. Ew. Excellenz koͤnnen ſelbigem die Antwort
zuſtellen, welche Sie auf meine Vorſtellung zu thun
fuͤr gut befinden werden.

Nach dem Voͤlkerrecht und nach den Geſetzen des
Seekrieges darf man gegen die Ladung neutraler Fahr-
zeuge keine Repreſſalien gebrauchen; es waͤre denn,
daß ſie in Waffen und Mundproviſion beſtuͤnde, die
etwa einem belagerten Platze zum Succurs ſollten ge-
ſchickt werden. Da aber Capitain Jordan in der Bay
von Coron vor Anker gieng, bloß um ſich mit friſchem
Waſſer zu verſehen; ſo konnte man gar nicht glauben,
daß er die Abſicht gehabt haͤtte, der Beſatzung des Ca-
ſtells von Coron Lebensmittel zuzubringen, weil ein
Theil ſeiner Ladung in Korn beſtand, welches im An-
geſicht einer Flotte, deren Lage es auch uͤberdies ver-
hinderte, derſelben unmoͤglich konnte zugefuͤhret wer-
den. Der Arreſt der Paſſagiers kann um ſo weniger
gerechtfertiget werden, weil es bloße unbewaffnete Kauf-
leute waren, die ſich unter dem Schutz einer neutralen
Flagge befanden, deren Sicherheit niemals die geringſte
Beleidigung empfangen duͤrfen. Zugleich habe ich die
muͤndliche Antwort, welche Ew. Excellenz einem De-
putirten des Commercii von Smirna gegeben, erfah-
ren, daß Sie naͤmlich Willens waͤren, alle Tuͤrken
als Leute, die dem Soldatenſtand ergeben, anzuſehen,
weil unter ihnen gar keine Unterſcheidung ihres Stan-
des zu bemerken. Allein, wo iſt wol eine Nation, bey
welcher die Profeßionen ſo unterſchieden waͤren, daß
man nicht die Buͤrger von allerden Staͤnden bey gewiſſen
Umſtaͤnden zu den Waffe greifen ſaͤhe? Ja, hat man
nicht zur Zeit einer Belagerung Prieſter, Moͤnche, und
ſelbſt Weibesperſonen bewaffnet zur Vertheidigung ih-
rer Stadt angetroffen? Unter Perſonen, die ſich dem

<TEI>
  <text>
    <front>
      <pb facs="#f0001" n="[1]"/>
      <titlePage type="main">
        <imprimatur> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#b">Mit allergna&#x0364;dig&#x017F;ter Kay&#x017F;erlichen
                                                         Freyheit.</hi> </hi> </imprimatur>
        <docTitle><lb/>
          <titlePart type="main"> <hi rendition="#b">Staats- und <figure/> Gelehrte<lb/><hi rendition="#in">Z</hi>ei- <figure/>tung</hi><lb/> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#b">Des Hamburgi&#x017F;chen unpartheyi&#x017F;chen</hi> </hi><lb/> <hi rendition="#g"> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#i"><hi rendition="#in">C</hi>ORRESPONDENTEN.</hi> </hi> </hi> </titlePart>
        </docTitle><lb/>
        <docDate><hi rendition="#aq">Anno 1771.</hi><space dim="horizontal"/> (Am Dien&#x017F;tage, den 2 Julii.)</docDate>
        <space dim="horizontal"/>
        <docTitle>
          <titlePart type="sub"> <hi rendition="#aq">Num. 105.</hi> </titlePart>
        </docTitle>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      </titlePage><lb/>
    </front>
    <body>
      <cb type="start"/>
      <div n="1">
        <div type="jPoliticalNews">
          <div type="jArticle">
            <dateline> <hi rendition="#c">Livorno, den 14.
                                                 Junii.</hi> </dateline><lb/>
            <p>Se. Excellenz, der Herr Graf von Orlow, halten<lb/>
&#x017F;ich
                                                 noch hier auf, und erwarten neue Depe&#x017F;chen
                                                 von<lb/>
Ihrem Hofe. Inde&#x017F;&#x017F;en i&#x017F;t allen Rußi&#x017F;chen
                                                 Officiers<lb/>
anbefohlen worden, ihre Equipage an
                                                 Bord zu brin-<lb/>
gen, damit &#x017F;ie auf den er&#x017F;ten Wink
                                                 fertig &#x017F;eyn mo&#x0364;gen,<lb/>
in See zu gehen. Der Graf
                                                 von Orlow wird wieder<lb/>
nach Pi&#x017F;a rei&#x017F;en, um
                                                 da&#x017F;elb&#x017F;t eine vortreffliche Erleuch-<lb/>
tung die&#x017F;er
                                                 Stadt, welche bey Gelegenheit des Fe&#x017F;tes<lb/>
des
                                                 heiligen Ranieri, Schutzpatrons von Pi&#x017F;a,
                                                 wird<lb/>
ange&#x017F;tellet werden, mit anzu&#x017F;ehen. </p>
            <p>Wir haben zween Briefe erhalten, welche u&#x0364;ber
                                                 das<lb/>
beyfallswu&#x0364;rdige Verhalten der Ru&#x017F;&#x017F;en in der
                                                 Levante<lb/>
ein großes Licht verbreiten, und die zu
                                                 merkwu&#x0364;rdig<lb/>
&#x017F;ind, als daß wir &#x017F;ie dem Publico
                                                 vorenthalten &#x017F;ollten,<lb/>
ob &#x017F;ie gleich einige
                                                 Vorfa&#x0364;lle vom vorigen Jahre betreffen.</p>
          </div><lb/>
          <div type="letter">
            <head> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#fr">Schreiben des bey der Pforte
                                                   re&#x017F;idirenden franzo&#x0364;&#x017F;i-<lb/>
&#x017F;chen Amba&#x017F;&#x017F;adeurs an
                                                   Se. Excellenz, den Grafen<lb/>
Alexins von Orlow,
                                                   General-Plenipotentiarius<lb/>
Ihrer Maje&#x017F;ta&#x0364;t, der
                                                   Kay&#x017F;erinn von Ruß-<lb/>
land, in der Levante.</hi> </hi> </head><lb/>
            <p>Nachdem der Ko&#x0364;nig, mein Souverain, erfahren,<lb/>
daß ein
                                                 Franzo&#x0364;&#x017F;i&#x017F;ches Fahrzeug, gefu&#x0364;hret von
                                                 Capitain<lb/>
Jordan, auf der Rhede von Coron von
                                                 einer Divi&#x017F;ion<lb/>
der Flotte, welche Ew. Excellenz
                                                 commandiren, ange-<lb/>
halten, die Ladung, davon ein
                                                 Theil in Korn be&#x017F;tand,<lb/>
ga&#x0364;nzlich confi&#x017F;ciret,
                                                 und die Tu&#x0364;rki&#x017F;chen Pa&#x017F;&#x017F;agiers,<lb/>
welche es am
                                                 Bord hatte, in Arre&#x017F;t genommen worden:<lb/>
&#x017F;o hat Er
                                                 dem <hi rendition="#aq">Chargé d&#x2019;Affaires</hi> Ihrer
                                                 Maje&#x017F;ta&#x0364;t, der<lb/>
Kay&#x017F;erinn von Rußland, Herrn
                                                 Chotinski, ein Me-<lb/>
morial u&#x0364;bergeben la&#x017F;&#x017F;en, um
                                                 die Ladung und Pa&#x017F;&#x017F;agiers<lb/>
zuru&#x0364;ckzufordern.</p><lb/>
            <p>Um nun alle Weitla&#x0364;uftigkeiten, &#x017F;o viel, als
                                                 mo&#x0364;glich,<lb/>
zu vermeiden, haben mir Se. Maje&#x017F;ta&#x0364;t
                                                 befohlen, bey<lb/>
Ew. Excellenz ein Gleiches zu
                                                 thun, und u&#x0364;ber alles,<lb/>
was eine Verletzung des
                                                 Rechts der Franzo&#x0364;&#x017F;i&#x017F;chen Flagge<lb/>
&#x017F;cheinen
                                                 ko&#x0364;nnte, zu tractiren.</p><lb/>
            <cb/>
            <p>Die&#x017F;em Befehl zufolge &#x017F;chicke ich meinen
                                                 Ge&#x017F;andt-<lb/>
&#x017F;chafts-Secretair, den Herrn Leloas,
                                                 der &#x017F;chon die<lb/>
Ehre hat, Ihnen bekannt zu &#x017F;eyn,
                                                 am Bord des Fran-<lb/>
zo&#x0364;&#x017F;i&#x017F;chen, vom Capitain
                                                 Alliers commandirten, und<lb/>
hat meinem Patent und
                                                 Pa&#x017F;&#x017F;eport ver&#x017F;ehenen Schiffes,<lb/>
zu Ihnen. Ew.
                                                 Excellenz ko&#x0364;nnen &#x017F;elbigem die Antwort<lb/>
zu&#x017F;tellen, welche Sie auf meine Vor&#x017F;tellung zu
                                                 thun<lb/>
fu&#x0364;r gut befinden werden.</p><lb/>
            <p>Nach dem Vo&#x0364;lkerrecht und nach den Ge&#x017F;etzen
                                                 des<lb/>
Seekrieges darf man gegen die Ladung
                                                 neutraler Fahr-<lb/>
zeuge keine Repre&#x017F;&#x017F;alien
                                                 gebrauchen; es wa&#x0364;re denn,<lb/>
daß &#x017F;ie in Waffen und
                                                 Mundprovi&#x017F;ion be&#x017F;tu&#x0364;nde, die<lb/>
etwa einem
                                                 belagerten Platze zum Succurs &#x017F;ollten
                                                 ge-<lb/>
&#x017F;chickt werden. Da aber Capitain Jordan in
                                                 der Bay<lb/>
von Coron vor Anker gieng, bloß um &#x017F;ich
                                                 mit fri&#x017F;chem<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er zu ver&#x017F;ehen; &#x017F;o konnte man
                                                 gar nicht glauben,<lb/>
daß er die Ab&#x017F;icht gehabt
                                                 ha&#x0364;tte, der Be&#x017F;atzung des Ca-<lb/>
&#x017F;tells von Coron
                                                 Lebensmittel zuzubringen, weil ein<lb/>
Theil &#x017F;einer
                                                 Ladung in Korn be&#x017F;tand, welches im An-<lb/>
ge&#x017F;icht
                                                 einer Flotte, deren Lage es auch u&#x0364;berdies
                                                 ver-<lb/>
hinderte, der&#x017F;elben unmo&#x0364;glich konnte
                                                 zugefu&#x0364;hret wer-<lb/>
den. Der Arre&#x017F;t der Pa&#x017F;&#x017F;agiers
                                                 kann um &#x017F;o weniger<lb/>
gerechtfertiget werden, weil
                                                 es bloße unbewaffnete Kauf-<lb/>
leute waren, die
                                                 &#x017F;ich unter dem Schutz einer neutralen<lb/>
Flagge
                                                 befanden, deren Sicherheit niemals die
                                                 gering&#x017F;te<lb/>
Beleidigung empfangen du&#x0364;rfen.
                                                 Zugleich habe ich die<lb/>
mu&#x0364;ndliche Antwort, welche
                                                 Ew. Excellenz einem De-<lb/>
putirten des Commercii
                                                 von Smirna gegeben, erfah-<lb/>
ren, daß Sie na&#x0364;mlich
                                                 Willens wa&#x0364;ren, alle Tu&#x0364;rken<lb/>
als Leute, die dem
                                                 Soldaten&#x017F;tand ergeben, anzu&#x017F;ehen,<lb/>
weil unter
                                                 ihnen gar keine Unter&#x017F;cheidung ihres Stan-<lb/>
des
                                                 zu bemerken. Allein, wo i&#x017F;t wol eine Nation,
                                                 bey<lb/>
welcher die Profeßionen &#x017F;o unter&#x017F;chieden
                                                 wa&#x0364;ren, daß<lb/>
man nicht die Bu&#x0364;rger von allerden
                                                 Sta&#x0364;nden bey gewi&#x017F;&#x017F;en<lb/>
Um&#x017F;ta&#x0364;nden zu den Waffe
                                                 greifen &#x017F;a&#x0364;he? Ja, hat man<lb/>
nicht zur Zeit einer
                                                 Belagerung Prie&#x017F;ter, Mo&#x0364;nche, und<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t
                                                 Weibesper&#x017F;onen bewaffnet zur Vertheidigung
                                                 ih-<lb/>
rer Stadt angetroffen? Unter Per&#x017F;onen, die
                                                 &#x017F;ich dem<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[1]/0001] Mit allergnaͤdigſter Kayſerlichen Freyheit. Staats- und [Abbildung] Gelehrte Zei- [Abbildung] tung Des Hamburgiſchen unpartheyiſchen CORRESPONDENTEN. Anno 1771. (Am Dienſtage, den 2 Julii.) Num. 105. Livorno, den 14. Junii. Se. Excellenz, der Herr Graf von Orlow, halten ſich noch hier auf, und erwarten neue Depeſchen von Ihrem Hofe. Indeſſen iſt allen Rußiſchen Officiers anbefohlen worden, ihre Equipage an Bord zu brin- gen, damit ſie auf den erſten Wink fertig ſeyn moͤgen, in See zu gehen. Der Graf von Orlow wird wieder nach Piſa reiſen, um daſelbſt eine vortreffliche Erleuch- tung dieſer Stadt, welche bey Gelegenheit des Feſtes des heiligen Ranieri, Schutzpatrons von Piſa, wird angeſtellet werden, mit anzuſehen. Wir haben zween Briefe erhalten, welche uͤber das beyfallswuͤrdige Verhalten der Ruſſen in der Levante ein großes Licht verbreiten, und die zu merkwuͤrdig ſind, als daß wir ſie dem Publico vorenthalten ſollten, ob ſie gleich einige Vorfaͤlle vom vorigen Jahre betreffen. Schreiben des bey der Pforte reſidirenden franzoͤſi- ſchen Ambaſſadeurs an Se. Excellenz, den Grafen Alexins von Orlow, General-Plenipotentiarius Ihrer Majeſtaͤt, der Kayſerinn von Ruß- land, in der Levante. Nachdem der Koͤnig, mein Souverain, erfahren, daß ein Franzoͤſiſches Fahrzeug, gefuͤhret von Capitain Jordan, auf der Rhede von Coron von einer Diviſion der Flotte, welche Ew. Excellenz commandiren, ange- halten, die Ladung, davon ein Theil in Korn beſtand, gaͤnzlich confiſciret, und die Tuͤrkiſchen Paſſagiers, welche es am Bord hatte, in Arreſt genommen worden: ſo hat Er dem Chargé d’Affaires Ihrer Majeſtaͤt, der Kayſerinn von Rußland, Herrn Chotinski, ein Me- morial uͤbergeben laſſen, um die Ladung und Paſſagiers zuruͤckzufordern. Um nun alle Weitlaͤuftigkeiten, ſo viel, als moͤglich, zu vermeiden, haben mir Se. Majeſtaͤt befohlen, bey Ew. Excellenz ein Gleiches zu thun, und uͤber alles, was eine Verletzung des Rechts der Franzoͤſiſchen Flagge ſcheinen koͤnnte, zu tractiren. Dieſem Befehl zufolge ſchicke ich meinen Geſandt- ſchafts-Secretair, den Herrn Leloas, der ſchon die Ehre hat, Ihnen bekannt zu ſeyn, am Bord des Fran- zoͤſiſchen, vom Capitain Alliers commandirten, und hat meinem Patent und Paſſeport verſehenen Schiffes, zu Ihnen. Ew. Excellenz koͤnnen ſelbigem die Antwort zuſtellen, welche Sie auf meine Vorſtellung zu thun fuͤr gut befinden werden. Nach dem Voͤlkerrecht und nach den Geſetzen des Seekrieges darf man gegen die Ladung neutraler Fahr- zeuge keine Repreſſalien gebrauchen; es waͤre denn, daß ſie in Waffen und Mundproviſion beſtuͤnde, die etwa einem belagerten Platze zum Succurs ſollten ge- ſchickt werden. Da aber Capitain Jordan in der Bay von Coron vor Anker gieng, bloß um ſich mit friſchem Waſſer zu verſehen; ſo konnte man gar nicht glauben, daß er die Abſicht gehabt haͤtte, der Beſatzung des Ca- ſtells von Coron Lebensmittel zuzubringen, weil ein Theil ſeiner Ladung in Korn beſtand, welches im An- geſicht einer Flotte, deren Lage es auch uͤberdies ver- hinderte, derſelben unmoͤglich konnte zugefuͤhret wer- den. Der Arreſt der Paſſagiers kann um ſo weniger gerechtfertiget werden, weil es bloße unbewaffnete Kauf- leute waren, die ſich unter dem Schutz einer neutralen Flagge befanden, deren Sicherheit niemals die geringſte Beleidigung empfangen duͤrfen. Zugleich habe ich die muͤndliche Antwort, welche Ew. Excellenz einem De- putirten des Commercii von Smirna gegeben, erfah- ren, daß Sie naͤmlich Willens waͤren, alle Tuͤrken als Leute, die dem Soldatenſtand ergeben, anzuſehen, weil unter ihnen gar keine Unterſcheidung ihres Stan- des zu bemerken. Allein, wo iſt wol eine Nation, bey welcher die Profeßionen ſo unterſchieden waͤren, daß man nicht die Buͤrger von allerden Staͤnden bey gewiſſen Umſtaͤnden zu den Waffe greifen ſaͤhe? Ja, hat man nicht zur Zeit einer Belagerung Prieſter, Moͤnche, und ſelbſt Weibesperſonen bewaffnet zur Vertheidigung ih- rer Stadt angetroffen? Unter Perſonen, die ſich dem

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Britt-Marie Schuster, Manuel Wille, Arnika Lutz, Fabienne Wollny: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-07T12:30:46Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.

Weitere Informationen:

Die Transkription erfolgte nach den unter http://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat formulierten Richtlinien.

Verfahren der Texterfassung: manuell (einfach erfasst).

I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1050207_1771
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1050207_1771/1
Zitationshilfe: Staats- und Gelehrte Zeitung Des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 105, Hamburg, 2. Julii 1771, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1050207_1771/1>, abgerufen am 27.07.2021.