Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 119, Hamburg, 28. Juli 1789.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] angekommen, ob man gleich seine Ankunft täglich er-
wartet. Erst nach der Zurückkunft desselben wird der
König seine neuen Minister ernennen. (Die in eini-
gen unsrer Bülletins befindliche Anekdote, daß ein be-
trunkener Kanonier den König auf dem Stadthause mit
seinem Säbel Furcht eingejagt hätte, ist, so wie meh-
rere, ungegründet. Jn einem dieser Bülletins steht
auch, Herr Moreau habe in seiner Rede an den König
gesagt: Ein gottloses Ministerium hat sich unterfan-
gen, die Nation zu lästern, welche ihren Monarchen
anbetet, und welche empfindet, daß er nur in so fern
glücklich seyn kann, als er die öffentliche Glückseligkeit
vestgesetzt hat. -- Der Monarch habe hierauf dem
Herrn Bailly gesagt, daß nicht die Minister ihn diesen
bösen Rath gegeben hätten. Die ganze Anekdote ver-
dient noch Bestätigung.)

Am Freytag Abend waren unsere Straßen erleuchtet.

Jch muß noch bemerken, daß bey der Einnahme der
Bastille wirklich nur 27 Mann, theils Königl. Truppen,
die National-Truppen geworden, theils bürgerliche
Truppen getödtet worden. Unsere Bülletinsschreiber
haben die Zahl weit höher angesetzt. Auch muß ich
der Gefahr noch gedenken, in welcher sich an diesem
Tage der Prinz von Montbarry, ehemaliger Kriegs-
minister, und seine Gemahlinn befanden. Jhr Hotel
ist in dem eingeschlossenen Bezirk des Arsenals, und
während dem Tumult nahmen sie, aus Furcht wegen
übler Behandlung, einen Wagen, worinn sie stiegen,
und die Thüren zumachten. Der Wagen ward ange-
halten, und da man in selbigem den Prinzen mit dem
blauen Bande sah, mußte er aussteigen. Man wollte
ihn schon, als einen Feind des Vaterlands, umbringen,
aber seine Gemahlinn vermochte durch ihre dringende
Bitten, daß man ihn wieder in den Wagen setzte,
worauf man sie nach dem Stadthause brachte. Als
sie daselbst ankamen, sahen sie den Prevot der Kauf-
leute, den Gouverneur der Bastille, und noch andere
massacrirt. Der Prinz mußte aussteigen. Er war so
erschrocken, daß er nicht reden konnte. Der Marquis
de la Salle, welcher die bürgerliche Miliz comman-
dirte, befand sich auf der Treppe des Stadthauses; er
begab sich zum Prinzen, fragte ihn, worinn sein Ver-
brechen bestünde, und rechtfertigte ihn. Aber alles
war umsonst. Hierauf stellte er ihn hinter sich, und
sagte, er würde nicht zugeben, daß man ihn umbringe;
aber das Volk bestand auf seinen Vorsatz, und er würde
gewiß aufgeopfert worden seyn, hätte er nicht seine
Besinnungskraft wieder erhaten. Er trat also vor,
und hielt folgende Anrede an das Volk: "Meine Mit-
bürger! (Denn ich halte es für meinen Ruhm, es zu
seyn,) Jhr wollt mich aufopfern, mich, der ich in der
Person meines Sohns, des Fürsten von St. Mauris,
die glückliche Revolution dieses Tages angefangen habe,
mich, der ich ihm diese Gesinnungen eingeflößt habe.
Jst es Euch unbekannt, daß er es ist, der in der Fran-
chen Comte sich so sehr in der Versammlung des Adels
für das allgemeine Wohl ausgezeichnet hat? Jst dies
das Verbrechen, weshalb Jhr mich aufopfern wollet?
Nein. Aber vielleicht sind es diese Ehrenzeichen, wo
mit ich bekleidet bin. Hier sind sie, (indem er das
blaue Band abriß) ich gebe ihn mit Vergnügen diesem
braven Grenadier, der ihn so sehr verdient hat."
[Spaltenumbruch] (Dies war der Grenadier, der zuerst Sturm gegen
die Bastille gelaufen.) Diese Anrede beruhigte das
Volk, welches rief: Es lebe der Prinz von Montbarry.
Man ließ ihn hierauf auf das Stadthaus kommen,
wo er sich ferner von seinem Schreck erholte.

Jn verschiedenen Quartieren, besonders in der Vor-
stadt St. Germain, begaben sich die Chess der Bür-
gerwache zu den Ambassadeurs und fremden Gesandten,
um ihnen eine Wache und alle Sicherheit für ihren
Charakter anzubieten, die sie aber nicht verlangten.
Bloß der Oesterreichische Ambassadeur hat eine Bür-
gerwache angenommen. Don Fernan Nunhes, Am-
bassadeur des Königs von Spanien, verlangte am Don-
nerstage, da man alle diejenigen, die aus der Stadt
fuhren, anhielt, eine Bürgerwache, weil er nach Ver-
sailles reisete, um dem Könige die Geburt einer Prin-
zeßinn bekannt zu machen, wovon die Königinn von
Spanien entbunden ist. Die Bürgerwache begleitete
den Ambassadeur nach Versailles.

Der umgekommene Prevot der Kaufleute, Herr von
Flesselles, hat es gewußt, daß in der Nacht vom
Dienstag auf den Mittewochen die Königl. Truppen
nach Paris kommen, und sich der Stadt bemächtigen
sollten, und er hatte sich anheischig gemacht, Unord-
nung und Verwirrung unter den bürgerlichen Truppen
zu erregen. Aber zwey Dinge vereitelten seinen Vor-
satz: 1) Die Einnahme des Jnvalidenhauses und der
Bastille. 2) Schon vom Dienstag Morgen an ver-
sammelte der Marschall von Broglio die vornehmsten
Officiers seiner Armee, sagte ihnen, daß er sich auf
sie und auf die von ihnen commandirten Truppen
bey einer Expedition verließe, welche die Ruhe in
Paris herstellen, und die Königl. Gewalt daselbst wie-
der vestsetzen sollte. Die Officiers antworteten ihm,
daß sie, was sie selbst anbeträfe, ihre Pflicht thun wür-
den, daß sie aber für das Betragen der Soldaten nicht
stehen könnten. Von dieser Zeit an sahe der Marschall
von Broglio schon ein, daß er nichts ausrichten würde,
und die Begebenheiten des Dienstags bestärkten ihn
völlig in seinen Gedanken. Die Officiers hatten sehr
Recht, zu sagen, daß sie für die Soldaten nicht stehen
könnten, weil man gleich darauf sahe, wie ganze Com-
pagnien von Französischen Regimentern, Schweizer,
und selbst einige von der Schweizergarde, besonders
die Grenadiers, ihre Fahnen verließen, und sich mit
den bürgerlichen Truppen vereinigten. Nur die Hu-
saren und das Regiment Cavallerie, Royal Allemand,
thaten es nicht. Die Stadt hat den Sold für jeden
der Soldaten, welche von den Truppen zu den Bür-
gern übergegangen sind, täglich auf 20 Sous bestimmt.
Sie bezahlt überdies noch jedem Arbeiter oder Künstler,
den sie gebraucht, täglich 3 Livres. Außer den frey-
willigen Beyträgen, die zu diesen Kosten gebraucht
werden, hat die Stadt noch beschlossen, daß jeder Bür-
ger, außer dem jährlichen Kopfgelde, die halbe Summe
dieses Kopfgeldes zu den gedachten Kosten noch beytra-
gen soll. Uebrigens hat die Stadt noch beschlossen,
zur Gutmachung der Kosten bey den gegenwärtigen
Umständen eine Anleihe von 3 Millionen Livres zu
machen, die in einem Jahr durch eine Lotterie wieder
bezahlt werden sollen, und von welcher jedes Billet
600 Livres kosten wird. Man weiß schon im voraus,

[Spaltenumbruch] angekommen, ob man gleich ſeine Ankunft taͤglich er-
wartet. Erſt nach der Zuruͤckkunft deſſelben wird der
Koͤnig ſeine neuen Miniſter ernennen. (Die in eini-
gen unſrer Buͤlletins befindliche Anekdote, daß ein be-
trunkener Kanonier den Koͤnig auf dem Stadthauſe mit
ſeinem Saͤbel Furcht eingejagt haͤtte, iſt, ſo wie meh-
rere, ungegruͤndet. Jn einem dieſer Buͤlletins ſteht
auch, Herr Moreau habe in ſeiner Rede an den Koͤnig
geſagt: Ein gottloſes Miniſterium hat ſich unterfan-
gen, die Nation zu laͤſtern, welche ihren Monarchen
anbetet, und welche empfindet, daß er nur in ſo fern
gluͤcklich ſeyn kann, als er die oͤffentliche Gluͤckſeligkeit
veſtgeſetzt hat. — Der Monarch habe hierauf dem
Herrn Bailly geſagt, daß nicht die Miniſter ihn dieſen
boͤſen Rath gegeben haͤtten. Die ganze Anekdote ver-
dient noch Beſtaͤtigung.)

Am Freytag Abend waren unſere Straßen erleuchtet.

Jch muß noch bemerken, daß bey der Einnahme der
Baſtille wirklich nur 27 Mann, theils Koͤnigl. Truppen,
die National-Truppen geworden, theils buͤrgerliche
Truppen getoͤdtet worden. Unſere Buͤlletinsſchreiber
haben die Zahl weit hoͤher angeſetzt. Auch muß ich
der Gefahr noch gedenken, in welcher ſich an dieſem
Tage der Prinz von Montbarry, ehemaliger Kriegs-
miniſter, und ſeine Gemahlinn befanden. Jhr Hotel
iſt in dem eingeſchloſſenen Bezirk des Arſenals, und
waͤhrend dem Tumult nahmen ſie, aus Furcht wegen
uͤbler Behandlung, einen Wagen, worinn ſie ſtiegen,
und die Thuͤren zumachten. Der Wagen ward ange-
halten, und da man in ſelbigem den Prinzen mit dem
blauen Bande ſah, mußte er ausſteigen. Man wollte
ihn ſchon, als einen Feind des Vaterlands, umbringen,
aber ſeine Gemahlinn vermochte durch ihre dringende
Bitten, daß man ihn wieder in den Wagen ſetzte,
worauf man ſie nach dem Stadthauſe brachte. Als
ſie daſelbſt ankamen, ſahen ſie den Prevot der Kauf-
leute, den Gouverneur der Baſtille, und noch andere
maſſacrirt. Der Prinz mußte ausſteigen. Er war ſo
erſchrocken, daß er nicht reden konnte. Der Marquis
de la Salle, welcher die buͤrgerliche Miliz comman-
dirte, befand ſich auf der Treppe des Stadthauſes; er
begab ſich zum Prinzen, fragte ihn, worinn ſein Ver-
brechen beſtuͤnde, und rechtfertigte ihn. Aber alles
war umſonſt. Hierauf ſtellte er ihn hinter ſich, und
ſagte, er wuͤrde nicht zugeben, daß man ihn umbringe;
aber das Volk beſtand auf ſeinen Vorſatz, und er wuͤrde
gewiß aufgeopfert worden ſeyn, haͤtte er nicht ſeine
Beſinnungskraft wieder erhaten. Er trat alſo vor,
und hielt folgende Anrede an das Volk: “Meine Mit-
buͤrger! (Denn ich halte es fuͤr meinen Ruhm, es zu
ſeyn,) Jhr wollt mich aufopfern, mich, der ich in der
Perſon meines Sohns, des Fuͤrſten von St. Mauris,
die gluͤckliche Revolution dieſes Tages angefangen habe,
mich, der ich ihm dieſe Geſinnungen eingefloͤßt habe.
Jſt es Euch unbekannt, daß er es iſt, der in der Fran-
chen Comté ſich ſo ſehr in der Verſammlung des Adels
fuͤr das allgemeine Wohl ausgezeichnet hat? Jſt dies
das Verbrechen, weshalb Jhr mich aufopfern wollet?
Nein. Aber vielleicht ſind es dieſe Ehrenzeichen, wo
mit ich bekleidet bin. Hier ſind ſie, (indem er das
blaue Band abriß) ich gebe ihn mit Vergnuͤgen dieſem
braven Grenadier, der ihn ſo ſehr verdient hat.”
[Spaltenumbruch] (Dies war der Grenadier, der zuerſt Sturm gegen
die Baſtille gelaufen.) Dieſe Anrede beruhigte das
Volk, welches rief: Es lebe der Prinz von Montbarry.
Man ließ ihn hierauf auf das Stadthaus kommen,
wo er ſich ferner von ſeinem Schreck erholte.

Jn verſchiedenen Quartieren, beſonders in der Vor-
ſtadt St. Germain, begaben ſich die Cheſs der Buͤr-
gerwache zu den Ambaſſadeurs und fremden Geſandten,
um ihnen eine Wache und alle Sicherheit fuͤr ihren
Charakter anzubieten, die ſie aber nicht verlangten.
Bloß der Oeſterreichiſche Ambaſſadeur hat eine Buͤr-
gerwache angenommen. Don Fernan Nunhes, Am-
baſſadeur des Koͤnigs von Spanien, verlangte am Don-
nerſtage, da man alle diejenigen, die aus der Stadt
fuhren, anhielt, eine Buͤrgerwache, weil er nach Ver-
ſailles reiſete, um dem Koͤnige die Geburt einer Prin-
zeßinn bekannt zu machen, wovon die Koͤniginn von
Spanien entbunden iſt. Die Buͤrgerwache begleitete
den Ambaſſadeur nach Verſailles.

Der umgekommene Prevot der Kaufleute, Herr von
Fleſſelles, hat es gewußt, daß in der Nacht vom
Dienſtag auf den Mittewochen die Koͤnigl. Truppen
nach Paris kommen, und ſich der Stadt bemaͤchtigen
ſollten, und er hatte ſich anheiſchig gemacht, Unord-
nung und Verwirrung unter den buͤrgerlichen Truppen
zu erregen. Aber zwey Dinge vereitelten ſeinen Vor-
ſatz: 1) Die Einnahme des Jnvalidenhauſes und der
Baſtille. 2) Schon vom Dienſtag Morgen an ver-
ſammelte der Marſchall von Broglio die vornehmſten
Officiers ſeiner Armee, ſagte ihnen, daß er ſich auf
ſie und auf die von ihnen commandirten Truppen
bey einer Expedition verließe, welche die Ruhe in
Paris herſtellen, und die Koͤnigl. Gewalt daſelbſt wie-
der veſtſetzen ſollte. Die Officiers antworteten ihm,
daß ſie, was ſie ſelbſt anbetraͤfe, ihre Pflicht thun wuͤr-
den, daß ſie aber fuͤr das Betragen der Soldaten nicht
ſtehen koͤnnten. Von dieſer Zeit an ſahe der Marſchall
von Broglio ſchon ein, daß er nichts ausrichten wuͤrde,
und die Begebenheiten des Dienſtags beſtaͤrkten ihn
voͤllig in ſeinen Gedanken. Die Officiers hatten ſehr
Recht, zu ſagen, daß ſie fuͤr die Soldaten nicht ſtehen
koͤnnten, weil man gleich darauf ſahe, wie ganze Com-
pagnien von Franzoͤſiſchen Regimentern, Schweizer,
und ſelbſt einige von der Schweizergarde, beſonders
die Grenadiers, ihre Fahnen verließen, und ſich mit
den buͤrgerlichen Truppen vereinigten. Nur die Hu-
ſaren und das Regiment Cavallerie, Royal Allemand,
thaten es nicht. Die Stadt hat den Sold fuͤr jeden
der Soldaten, welche von den Truppen zu den Buͤr-
gern uͤbergegangen ſind, taͤglich auf 20 Sous beſtimmt.
Sie bezahlt uͤberdies noch jedem Arbeiter oder Kuͤnſtler,
den ſie gebraucht, taͤglich 3 Livres. Außer den frey-
willigen Beytraͤgen, die zu dieſen Koſten gebraucht
werden, hat die Stadt noch beſchloſſen, daß jeder Buͤr-
ger, außer dem jaͤhrlichen Kopfgelde, die halbe Summe
dieſes Kopfgeldes zu den gedachten Koſten noch beytra-
gen ſoll. Uebrigens hat die Stadt noch beſchloſſen,
zur Gutmachung der Koſten bey den gegenwaͤrtigen
Umſtaͤnden eine Anleihe von 3 Millionen Livres zu
machen, die in einem Jahr durch eine Lotterie wieder
bezahlt werden ſollen, und von welcher jedes Billet
600 Livres koſten wird. Man weiß ſchon im voraus,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="jPoliticalNews">
          <div type="jArticle">
            <p><pb facs="#f0003" n="[3]"/><cb/>
angekommen, ob man gleich &#x017F;eine Ankunft ta&#x0364;glich
                             er-<lb/>
wartet. Er&#x017F;t nach der Zuru&#x0364;ckkunft
                             de&#x017F;&#x017F;elben wird der<lb/>
Ko&#x0364;nig &#x017F;eine neuen
                             Mini&#x017F;ter ernennen. (Die in eini-<lb/>
gen un&#x017F;rer
                             Bu&#x0364;lletins befindliche Anekdote, daß ein be-<lb/>
trunkener
                             Kanonier den Ko&#x0364;nig auf dem Stadthau&#x017F;e
                             mit<lb/>
&#x017F;einem Sa&#x0364;bel Furcht eingejagt ha&#x0364;tte,
                             i&#x017F;t, &#x017F;o wie meh-<lb/>
rere, ungegru&#x0364;ndet. Jn einem
                             die&#x017F;er Bu&#x0364;lletins &#x017F;teht<lb/>
auch, Herr Moreau habe
                             in &#x017F;einer Rede an den Ko&#x0364;nig<lb/>
ge&#x017F;agt: Ein
                             gottlo&#x017F;es Mini&#x017F;terium hat &#x017F;ich unterfan-<lb/>
gen,
                             die Nation zu la&#x0364;&#x017F;tern, welche ihren
                             Monarchen<lb/>
anbetet, und welche empfindet, daß er nur in &#x017F;o
                             fern<lb/>
glu&#x0364;cklich &#x017F;eyn kann, als er die
                             o&#x0364;ffentliche
                             Glu&#x0364;ck&#x017F;eligkeit<lb/>
ve&#x017F;tge&#x017F;etzt hat.
                             &#x2014; Der Monarch habe hierauf dem<lb/>
Herrn Bailly ge&#x017F;agt,
                             daß nicht die Mini&#x017F;ter ihn die&#x017F;en<lb/>
bo&#x0364;&#x017F;en
                             Rath gegeben ha&#x0364;tten. Die ganze Anekdote ver-<lb/>
dient noch
                             Be&#x017F;ta&#x0364;tigung.)</p><lb/>
            <p>Am Freytag Abend waren un&#x017F;ere Straßen erleuchtet.</p><lb/>
            <p>Jch muß noch bemerken, daß bey der Einnahme der<lb/>
Ba&#x017F;tille wirklich
                             nur 27 Mann, theils Ko&#x0364;nigl. Truppen,<lb/>
die National-Truppen
                             geworden, theils bu&#x0364;rgerliche<lb/>
Truppen geto&#x0364;dtet
                             worden. Un&#x017F;ere Bu&#x0364;lletins&#x017F;chreiber<lb/>
haben die
                             Zahl weit ho&#x0364;her ange&#x017F;etzt. Auch muß ich<lb/>
der Gefahr
                             noch gedenken, in welcher &#x017F;ich an die&#x017F;em<lb/>
Tage der
                             Prinz von Montbarry, ehemaliger Kriegs-<lb/>
mini&#x017F;ter, und
                             &#x017F;eine Gemahlinn befanden. Jhr Hotel<lb/>
i&#x017F;t in dem
                             einge&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;enen Bezirk des Ar&#x017F;enals,
                             und<lb/>
wa&#x0364;hrend dem Tumult nahmen &#x017F;ie, aus Furcht
                             wegen<lb/>
u&#x0364;bler Behandlung, einen Wagen, worinn &#x017F;ie
                             &#x017F;tiegen,<lb/>
und die Thu&#x0364;ren zumachten. Der Wagen ward
                             ange-<lb/>
halten, und da man in &#x017F;elbigem den Prinzen mit
                             dem<lb/>
blauen Bande &#x017F;ah, mußte er aus&#x017F;teigen. Man
                             wollte<lb/>
ihn &#x017F;chon, als einen Feind des Vaterlands,
                             umbringen,<lb/>
aber &#x017F;eine Gemahlinn vermochte durch ihre
                             dringende<lb/>
Bitten, daß man ihn wieder in den Wagen
                             &#x017F;etzte,<lb/>
worauf man &#x017F;ie nach dem Stadthau&#x017F;e
                             brachte. Als<lb/>
&#x017F;ie da&#x017F;elb&#x017F;t ankamen, &#x017F;ahen
                             &#x017F;ie den Prevot der Kauf-<lb/>
leute, den Gouverneur der
                             Ba&#x017F;tille, und noch andere<lb/>
ma&#x017F;&#x017F;acrirt. Der Prinz
                             mußte aus&#x017F;teigen. Er war &#x017F;o<lb/>
er&#x017F;chrocken, daß er
                             nicht reden konnte. Der Marquis<lb/>
de la Salle, welcher die
                             bu&#x0364;rgerliche Miliz comman-<lb/>
dirte, befand &#x017F;ich auf der
                             Treppe des Stadthau&#x017F;es; er<lb/>
begab &#x017F;ich zum Prinzen,
                             fragte ihn, worinn &#x017F;ein Ver-<lb/>
brechen be&#x017F;tu&#x0364;nde,
                             und rechtfertigte ihn. Aber alles<lb/>
war um&#x017F;on&#x017F;t. Hierauf
                             &#x017F;tellte er ihn hinter &#x017F;ich, und<lb/>
&#x017F;agte, er
                             wu&#x0364;rde nicht zugeben, daß man ihn umbringe;<lb/>
aber das Volk
                             be&#x017F;tand auf &#x017F;einen Vor&#x017F;atz, und er
                             wu&#x0364;rde<lb/>
gewiß aufgeopfert worden &#x017F;eyn, ha&#x0364;tte er
                             nicht &#x017F;eine<lb/>
Be&#x017F;innungskraft wieder erhaten. Er trat
                             al&#x017F;o vor,<lb/>
und hielt folgende Anrede an das Volk:
                             &#x201C;Meine Mit-<lb/>
bu&#x0364;rger! (Denn ich halte es fu&#x0364;r
                             meinen Ruhm, es zu<lb/>
&#x017F;eyn,) Jhr wollt mich aufopfern, mich, der
                             ich in der<lb/>
Per&#x017F;on meines Sohns, des Fu&#x0364;r&#x017F;ten
                             von St. Mauris,<lb/>
die glu&#x0364;ckliche Revolution die&#x017F;es
                             Tages angefangen habe,<lb/>
mich, der ich ihm die&#x017F;e
                             Ge&#x017F;innungen eingeflo&#x0364;ßt habe.<lb/>
J&#x017F;t es Euch
                             unbekannt, daß er es i&#x017F;t, der in der Fran-<lb/>
chen Comt<hi rendition="#aq">é</hi> &#x017F;ich &#x017F;o &#x017F;ehr in der
                             Ver&#x017F;ammlung des Adels<lb/>
fu&#x0364;r das allgemeine Wohl
                             ausgezeichnet hat? J&#x017F;t dies<lb/>
das Verbrechen, weshalb Jhr mich
                             aufopfern wollet?<lb/>
Nein. Aber vielleicht &#x017F;ind es die&#x017F;e
                             Ehrenzeichen, wo<lb/>
mit ich bekleidet bin. Hier &#x017F;ind &#x017F;ie,
                             (indem er das<lb/>
blaue Band abriß) ich gebe ihn mit Vergnu&#x0364;gen
                             die&#x017F;em<lb/>
braven Grenadier, der ihn &#x017F;o &#x017F;ehr
                             verdient hat.&#x201D;<lb/><cb/>
(Dies war der Grenadier, der
                             zuer&#x017F;t Sturm gegen<lb/>
die Ba&#x017F;tille gelaufen.)
                             Die&#x017F;e Anrede beruhigte das<lb/>
Volk, welches rief: Es lebe der
                             Prinz von Montbarry.<lb/>
Man ließ ihn hierauf auf das Stadthaus
                             kommen,<lb/>
wo er &#x017F;ich ferner von &#x017F;einem Schreck
                             erholte.</p><lb/>
            <p>Jn ver&#x017F;chiedenen Quartieren, be&#x017F;onders in der
                             Vor-<lb/>
&#x017F;tadt St. Germain, begaben &#x017F;ich die Che&#x017F;s
                             der Bu&#x0364;r-<lb/>
gerwache zu den Amba&#x017F;&#x017F;adeurs und
                             fremden Ge&#x017F;andten,<lb/>
um ihnen eine Wache und alle Sicherheit
                             fu&#x0364;r ihren<lb/>
Charakter anzubieten, die &#x017F;ie aber nicht
                             verlangten.<lb/>
Bloß der Oe&#x017F;terreichi&#x017F;che
                             Amba&#x017F;&#x017F;adeur hat eine Bu&#x0364;r-<lb/>
gerwache angenommen.
                             Don Fernan Nunhes, Am-<lb/>
ba&#x017F;&#x017F;adeur des Ko&#x0364;nigs
                             von Spanien, verlangte am Don-<lb/>
ner&#x017F;tage, da man alle
                             diejenigen, die aus der Stadt<lb/>
fuhren, anhielt, eine
                             Bu&#x0364;rgerwache, weil er nach Ver-<lb/>
&#x017F;ailles
                             rei&#x017F;ete, um dem Ko&#x0364;nige die Geburt einer Prin-<lb/>
zeßinn
                             bekannt zu machen, wovon die Ko&#x0364;niginn von<lb/>
Spanien entbunden
                             i&#x017F;t. Die Bu&#x0364;rgerwache begleitete<lb/>
den
                             Amba&#x017F;&#x017F;adeur nach Ver&#x017F;ailles.</p><lb/>
            <p>Der umgekommene Prevot der Kaufleute, Herr von<lb/>
Fle&#x017F;&#x017F;elles,
                             hat es gewußt, daß in der Nacht vom<lb/>
Dien&#x017F;tag auf den
                             Mittewochen die Ko&#x0364;nigl. Truppen<lb/>
nach Paris kommen, und
                             &#x017F;ich der Stadt bema&#x0364;chtigen<lb/>
&#x017F;ollten, und er
                             hatte &#x017F;ich anhei&#x017F;chig gemacht, Unord-<lb/>
nung und
                             Verwirrung unter den bu&#x0364;rgerlichen Truppen<lb/>
zu erregen. Aber
                             zwey Dinge vereitelten &#x017F;einen Vor-<lb/>
&#x017F;atz: 1) Die
                             Einnahme des Jnvalidenhau&#x017F;es und der<lb/>
Ba&#x017F;tille. 2)
                             Schon vom Dien&#x017F;tag Morgen an ver-<lb/>
&#x017F;ammelte der
                             Mar&#x017F;chall von Broglio die vornehm&#x017F;ten<lb/>
Officiers
                             &#x017F;einer Armee, &#x017F;agte ihnen, daß er &#x017F;ich
                             auf<lb/>
&#x017F;ie und auf die von ihnen commandirten Truppen<lb/>
bey
                             einer Expedition verließe, welche die Ruhe in<lb/>
Paris
                             her&#x017F;tellen, und die Ko&#x0364;nigl. Gewalt da&#x017F;elb&#x017F;t
                             wie-<lb/>
der ve&#x017F;t&#x017F;etzen &#x017F;ollte. Die Officiers
                             antworteten ihm,<lb/>
daß &#x017F;ie, was &#x017F;ie &#x017F;elb&#x017F;t
                             anbetra&#x0364;fe, ihre Pflicht thun wu&#x0364;r-<lb/>
den, daß
                             &#x017F;ie aber fu&#x0364;r das Betragen der Soldaten
                             nicht<lb/>
&#x017F;tehen ko&#x0364;nnten. Von die&#x017F;er Zeit an
                             &#x017F;ahe der Mar&#x017F;chall<lb/>
von Broglio &#x017F;chon ein, daß
                             er nichts ausrichten wu&#x0364;rde,<lb/>
und die Begebenheiten des
                             Dien&#x017F;tags be&#x017F;ta&#x0364;rkten ihn<lb/>
vo&#x0364;llig in
                             &#x017F;einen Gedanken. Die Officiers hatten &#x017F;ehr<lb/>
Recht, zu
                             &#x017F;agen, daß &#x017F;ie fu&#x0364;r die Soldaten nicht
                             &#x017F;tehen<lb/>
ko&#x0364;nnten, weil man gleich darauf &#x017F;ahe,
                             wie ganze Com-<lb/>
pagnien von Franzo&#x0364;&#x017F;i&#x017F;chen
                             Regimentern, Schweizer,<lb/>
und &#x017F;elb&#x017F;t einige von der
                             Schweizergarde, be&#x017F;onders<lb/>
die Grenadiers, ihre Fahnen
                             verließen, und &#x017F;ich mit<lb/>
den bu&#x0364;rgerlichen Truppen
                             vereinigten. Nur die Hu-<lb/>
&#x017F;aren und das Regiment Cavallerie,
                             Royal Allemand,<lb/>
thaten es nicht. Die Stadt hat den Sold fu&#x0364;r
                             jeden<lb/>
der Soldaten, welche von den Truppen zu den
                             Bu&#x0364;r-<lb/>
gern u&#x0364;bergegangen &#x017F;ind, ta&#x0364;glich
                             auf 20 Sous be&#x017F;timmt.<lb/>
Sie bezahlt u&#x0364;berdies noch jedem
                             Arbeiter oder Ku&#x0364;n&#x017F;tler,<lb/>
den &#x017F;ie gebraucht,
                             ta&#x0364;glich 3 Livres. Außer den frey-<lb/>
willigen
                             Beytra&#x0364;gen, die zu die&#x017F;en Ko&#x017F;ten
                             gebraucht<lb/>
werden, hat die Stadt noch
                             be&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en, daß jeder Bu&#x0364;r-<lb/>
ger, außer
                             dem ja&#x0364;hrlichen Kopfgelde, die halbe Summe<lb/>
die&#x017F;es
                             Kopfgeldes zu den gedachten Ko&#x017F;ten noch beytra-<lb/>
gen
                             &#x017F;oll. Uebrigens hat die Stadt noch
                             be&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en,<lb/>
zur Gutmachung der Ko&#x017F;ten
                             bey den gegenwa&#x0364;rtigen<lb/>
Um&#x017F;ta&#x0364;nden eine Anleihe
                             von 3 Millionen Livres zu<lb/>
machen, die in einem Jahr durch eine
                             Lotterie wieder<lb/>
bezahlt werden &#x017F;ollen, und von welcher jedes
                             Billet<lb/>
600 Livres ko&#x017F;ten wird. Man weiß &#x017F;chon im
                                 voraus,<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[3]/0003] angekommen, ob man gleich ſeine Ankunft taͤglich er- wartet. Erſt nach der Zuruͤckkunft deſſelben wird der Koͤnig ſeine neuen Miniſter ernennen. (Die in eini- gen unſrer Buͤlletins befindliche Anekdote, daß ein be- trunkener Kanonier den Koͤnig auf dem Stadthauſe mit ſeinem Saͤbel Furcht eingejagt haͤtte, iſt, ſo wie meh- rere, ungegruͤndet. Jn einem dieſer Buͤlletins ſteht auch, Herr Moreau habe in ſeiner Rede an den Koͤnig geſagt: Ein gottloſes Miniſterium hat ſich unterfan- gen, die Nation zu laͤſtern, welche ihren Monarchen anbetet, und welche empfindet, daß er nur in ſo fern gluͤcklich ſeyn kann, als er die oͤffentliche Gluͤckſeligkeit veſtgeſetzt hat. — Der Monarch habe hierauf dem Herrn Bailly geſagt, daß nicht die Miniſter ihn dieſen boͤſen Rath gegeben haͤtten. Die ganze Anekdote ver- dient noch Beſtaͤtigung.) Am Freytag Abend waren unſere Straßen erleuchtet. Jch muß noch bemerken, daß bey der Einnahme der Baſtille wirklich nur 27 Mann, theils Koͤnigl. Truppen, die National-Truppen geworden, theils buͤrgerliche Truppen getoͤdtet worden. Unſere Buͤlletinsſchreiber haben die Zahl weit hoͤher angeſetzt. Auch muß ich der Gefahr noch gedenken, in welcher ſich an dieſem Tage der Prinz von Montbarry, ehemaliger Kriegs- miniſter, und ſeine Gemahlinn befanden. Jhr Hotel iſt in dem eingeſchloſſenen Bezirk des Arſenals, und waͤhrend dem Tumult nahmen ſie, aus Furcht wegen uͤbler Behandlung, einen Wagen, worinn ſie ſtiegen, und die Thuͤren zumachten. Der Wagen ward ange- halten, und da man in ſelbigem den Prinzen mit dem blauen Bande ſah, mußte er ausſteigen. Man wollte ihn ſchon, als einen Feind des Vaterlands, umbringen, aber ſeine Gemahlinn vermochte durch ihre dringende Bitten, daß man ihn wieder in den Wagen ſetzte, worauf man ſie nach dem Stadthauſe brachte. Als ſie daſelbſt ankamen, ſahen ſie den Prevot der Kauf- leute, den Gouverneur der Baſtille, und noch andere maſſacrirt. Der Prinz mußte ausſteigen. Er war ſo erſchrocken, daß er nicht reden konnte. Der Marquis de la Salle, welcher die buͤrgerliche Miliz comman- dirte, befand ſich auf der Treppe des Stadthauſes; er begab ſich zum Prinzen, fragte ihn, worinn ſein Ver- brechen beſtuͤnde, und rechtfertigte ihn. Aber alles war umſonſt. Hierauf ſtellte er ihn hinter ſich, und ſagte, er wuͤrde nicht zugeben, daß man ihn umbringe; aber das Volk beſtand auf ſeinen Vorſatz, und er wuͤrde gewiß aufgeopfert worden ſeyn, haͤtte er nicht ſeine Beſinnungskraft wieder erhaten. Er trat alſo vor, und hielt folgende Anrede an das Volk: “Meine Mit- buͤrger! (Denn ich halte es fuͤr meinen Ruhm, es zu ſeyn,) Jhr wollt mich aufopfern, mich, der ich in der Perſon meines Sohns, des Fuͤrſten von St. Mauris, die gluͤckliche Revolution dieſes Tages angefangen habe, mich, der ich ihm dieſe Geſinnungen eingefloͤßt habe. Jſt es Euch unbekannt, daß er es iſt, der in der Fran- chen Comté ſich ſo ſehr in der Verſammlung des Adels fuͤr das allgemeine Wohl ausgezeichnet hat? Jſt dies das Verbrechen, weshalb Jhr mich aufopfern wollet? Nein. Aber vielleicht ſind es dieſe Ehrenzeichen, wo mit ich bekleidet bin. Hier ſind ſie, (indem er das blaue Band abriß) ich gebe ihn mit Vergnuͤgen dieſem braven Grenadier, der ihn ſo ſehr verdient hat.” (Dies war der Grenadier, der zuerſt Sturm gegen die Baſtille gelaufen.) Dieſe Anrede beruhigte das Volk, welches rief: Es lebe der Prinz von Montbarry. Man ließ ihn hierauf auf das Stadthaus kommen, wo er ſich ferner von ſeinem Schreck erholte. Jn verſchiedenen Quartieren, beſonders in der Vor- ſtadt St. Germain, begaben ſich die Cheſs der Buͤr- gerwache zu den Ambaſſadeurs und fremden Geſandten, um ihnen eine Wache und alle Sicherheit fuͤr ihren Charakter anzubieten, die ſie aber nicht verlangten. Bloß der Oeſterreichiſche Ambaſſadeur hat eine Buͤr- gerwache angenommen. Don Fernan Nunhes, Am- baſſadeur des Koͤnigs von Spanien, verlangte am Don- nerſtage, da man alle diejenigen, die aus der Stadt fuhren, anhielt, eine Buͤrgerwache, weil er nach Ver- ſailles reiſete, um dem Koͤnige die Geburt einer Prin- zeßinn bekannt zu machen, wovon die Koͤniginn von Spanien entbunden iſt. Die Buͤrgerwache begleitete den Ambaſſadeur nach Verſailles. Der umgekommene Prevot der Kaufleute, Herr von Fleſſelles, hat es gewußt, daß in der Nacht vom Dienſtag auf den Mittewochen die Koͤnigl. Truppen nach Paris kommen, und ſich der Stadt bemaͤchtigen ſollten, und er hatte ſich anheiſchig gemacht, Unord- nung und Verwirrung unter den buͤrgerlichen Truppen zu erregen. Aber zwey Dinge vereitelten ſeinen Vor- ſatz: 1) Die Einnahme des Jnvalidenhauſes und der Baſtille. 2) Schon vom Dienſtag Morgen an ver- ſammelte der Marſchall von Broglio die vornehmſten Officiers ſeiner Armee, ſagte ihnen, daß er ſich auf ſie und auf die von ihnen commandirten Truppen bey einer Expedition verließe, welche die Ruhe in Paris herſtellen, und die Koͤnigl. Gewalt daſelbſt wie- der veſtſetzen ſollte. Die Officiers antworteten ihm, daß ſie, was ſie ſelbſt anbetraͤfe, ihre Pflicht thun wuͤr- den, daß ſie aber fuͤr das Betragen der Soldaten nicht ſtehen koͤnnten. Von dieſer Zeit an ſahe der Marſchall von Broglio ſchon ein, daß er nichts ausrichten wuͤrde, und die Begebenheiten des Dienſtags beſtaͤrkten ihn voͤllig in ſeinen Gedanken. Die Officiers hatten ſehr Recht, zu ſagen, daß ſie fuͤr die Soldaten nicht ſtehen koͤnnten, weil man gleich darauf ſahe, wie ganze Com- pagnien von Franzoͤſiſchen Regimentern, Schweizer, und ſelbſt einige von der Schweizergarde, beſonders die Grenadiers, ihre Fahnen verließen, und ſich mit den buͤrgerlichen Truppen vereinigten. Nur die Hu- ſaren und das Regiment Cavallerie, Royal Allemand, thaten es nicht. Die Stadt hat den Sold fuͤr jeden der Soldaten, welche von den Truppen zu den Buͤr- gern uͤbergegangen ſind, taͤglich auf 20 Sous beſtimmt. Sie bezahlt uͤberdies noch jedem Arbeiter oder Kuͤnſtler, den ſie gebraucht, taͤglich 3 Livres. Außer den frey- willigen Beytraͤgen, die zu dieſen Koſten gebraucht werden, hat die Stadt noch beſchloſſen, daß jeder Buͤr- ger, außer dem jaͤhrlichen Kopfgelde, die halbe Summe dieſes Kopfgeldes zu den gedachten Koſten noch beytra- gen ſoll. Uebrigens hat die Stadt noch beſchloſſen, zur Gutmachung der Koſten bey den gegenwaͤrtigen Umſtaͤnden eine Anleihe von 3 Millionen Livres zu machen, die in einem Jahr durch eine Lotterie wieder bezahlt werden ſollen, und von welcher jedes Billet 600 Livres koſten wird. Man weiß ſchon im voraus,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Britt-Marie Schuster, Manuel Wille, Arnika Lutz: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-07T10:32:49Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.

Weitere Informationen:

Die Transkription erfolgte nach den unter http://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat formulierten Richtlinien.

Verfahren der Texterfassung: manuell (doppelt erfasst).

Bogensignaturen: keine Angabe; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: wie Vorlage; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage; i/j in Fraktur: wie Vorlage; I/J in Fraktur: wie Vorlage; Kolumnentitel: keine Angabe; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): wie Vorlage; Normalisierungen: dokumentiert; rundes r (&#xa75b;): wie Vorlage; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: wie Vorlage; u/v bzw. U/V: wie Vorlage; Vokale mit übergest. e: wie Vorlage; Vollständigkeit: vollständig erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: ja;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1192807_1789
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1192807_1789/3
Zitationshilfe: Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 119, Hamburg, 28. Juli 1789, S. [3]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1192807_1789/3>, abgerufen am 02.08.2021.