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Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 120, Hamburg, 29. Juli 1789.

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Mit allergnädigster Kayserlichen Freyheit.
Staats- und [Abbildung] Gelehrte
Zei- tung
des Hamburgischen unpartheyischen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1789.    (Am Mittewochen, den 29 Julii.)    
Num. 120.



[Beginn Spaltensatz]

Vorgestern ist ein Courier vom Fürsten Potemkin
angekommen, der ihn in Oliopol den 1sten dieses ver-
lassen hat, wo er über den Bog gegangen. Der Prinz
Carl von Würtemberg war daselbst auch angelangt. --
Der Königl. General Lieutenant von Numsen, der sich
einige Monate in Copenhagen aufgehalten hat, ist von
da zurückgekommen.


Gestern Abend kamen der Herzog von Bourbon, der
Prinz von Conde, und der Herzog von Enghien, halb
bekleidet, und blaß, wie der Tod, in dieser Stadt an.
Diesen Nachmittag werden sie nach Brüssel abgehen.
Heute früh trafen auch Se. Königl. Hoheit, der Graf
von Artois, hier ein, der sogleich seine Reise nach
Brüssel fortsetzte. Diesen Augenblick kommen auch die
Kinder desselben an. (Die fernern Nachrichten dieses
Briefes, daß die Zahl der bewaffneten Bürger in Paris
250000 Mann betrage, daß noch 40000 Mann aus den
Provinzen erwartet würden, daß das Palais von Bour-
bon in Brand sey, etc. sind zum Theil übertrieben, zum
Theil ganz falsch. Das blaue Band, welches der Grena-
dier trägt, der zuerst die Bastille gestürmt hat, ist das
Band, welches ihm der Prinz von Montbarrey gegeben.
Es heißt auch, er habe eine Pension von 100 Louisen,
und das Versprechen erhalten, einen ansehnlichen Rang
bey der Bürgerwache zu erhalten.)


Vorgestern sind hier 4 Französische Couriers kurz
hinter einander angekommen, die den Herrn Necker
aufsuchen, welchen der König zurück berufen hat.

Der Graf von Artois, welcher hier angelangt ist,
geht nach Spaa. Herr Necker, welcher durch Cölln
nach Coblenz, etc. gegangen, wird hier täglich zurück
erwartet.

Alle Gasthöfe sind hier voll von Französischen Flücht-
lingen. Auch die Aebtißinn von Remiremonde ist aus
[Spaltenumbruch] Paris hier angekommen. Wohin die Familie von Po-
lignac gegangen, ist noch nicht bekannt; man meynt,
nach England.


Aus Paris ist noch Folgendes eingegangen:

Jn ganz Frankreich ist man nun beschäfftiget, be-
waffnete Bürgereyen zu Stande zu bringen.

Als der König fragte, ob die Bastille nicht wieder
zurückgegeben werden sollte, erhielt er die Antwort,
daß diese Vestung für seinen Dienst unnütz, und für
die Sicherheit der Bürger gefährlich sey, weshalb man
mit Abbrechung derselben fortfahren werde. Einige
haben den Vorschlag gethan, auf den Grund der Ba-
stille einen Pallast für die National-Versammlung zu
errichten, mit der Ueberschrift: Tempel der Freyheit,
errichtet auf den Ruinen des Despotismus.

Vor der Königl. Thesaurie hat man die Worte:
Königl. Schatz, abgenommen, und statt selbiger die
Worte: National-Bank, gesetzt.

Man sagt, daß das Betragen des Herrn Baron von
Breteuil, des Marschalls von Broglio, des Siegelbe-
wahrers, und des Herrn von Villedeuil, gerichtlich
untersucht werden soll.

Es sind 500 Arbeitsleute, die mit der Niederreißung
der Bastille beschäfftiget sind. Als das Zeichen zum
ersten Hammerschlag gegeben ward, erschallte die Luft
von den: Es lebe die Nation! Das Mauerwerk dieser
alten Vestung ist so vest, daß man wohl 2 Monate
mit der Demolirung derselben zubringen dürfte, wenn
man sie nicht sprengen läßt.

Den 20sten dieses wurden die Schauspiele zu Paris
wieder eröffnet.

Das Regiment Französischer Garde hat in der Qua-
lität eines Regiments der Nation den Eid abgelegt.

Der Graf von Montmorin ist zu Versailles wieder Mi-
nister der auswärtigen Angelegenheiten, und der Graf
von St. Priest Minister des Departements von Paris.


Mit allergnaͤdigſter Kayſerlichen Freyheit.
Staats- und [Abbildung] Gelehrte
Zei- tung
des Hamburgiſchen unpartheyiſchen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1789.    (Am Mittewochen, den 29 Julii.)    
Num. 120.



[Beginn Spaltensatz]

Vorgeſtern iſt ein Courier vom Fuͤrſten Potemkin
angekommen, der ihn in Oliopol den 1ſten dieſes ver-
laſſen hat, wo er uͤber den Bog gegangen. Der Prinz
Carl von Wuͤrtemberg war daſelbſt auch angelangt. —
Der Koͤnigl. General Lieutenant von Numſen, der ſich
einige Monate in Copenhagen aufgehalten hat, iſt von
da zuruͤckgekommen.


Geſtern Abend kamen der Herzog von Bourbon, der
Prinz von Condé, und der Herzog von Enghien, halb
bekleidet, und blaß, wie der Tod, in dieſer Stadt an.
Dieſen Nachmittag werden ſie nach Bruͤſſel abgehen.
Heute fruͤh trafen auch Se. Koͤnigl. Hoheit, der Graf
von Artois, hier ein, der ſogleich ſeine Reiſe nach
Bruͤſſel fortſetzte. Dieſen Augenblick kommen auch die
Kinder deſſelben an. (Die fernern Nachrichten dieſes
Briefes, daß die Zahl der bewaffneten Buͤrger in Paris
250000 Mann betrage, daß noch 40000 Mann aus den
Provinzen erwartet wuͤrden, daß das Palais von Bour-
bon in Brand ſey, ꝛc. ſind zum Theil uͤbertrieben, zum
Theil ganz falſch. Das blaue Band, welches der Grena-
dier traͤgt, der zuerſt die Baſtille geſtuͤrmt hat, iſt das
Band, welches ihm der Prinz von Montbarrey gegeben.
Es heißt auch, er habe eine Penſion von 100 Louiſen,
und das Verſprechen erhalten, einen anſehnlichen Rang
bey der Buͤrgerwache zu erhalten.)


Vorgeſtern ſind hier 4 Franzoͤſiſche Couriers kurz
hinter einander angekommen, die den Herrn Necker
aufſuchen, welchen der Koͤnig zuruͤck berufen hat.

Der Graf von Artois, welcher hier angelangt iſt,
geht nach Spaa. Herr Necker, welcher durch Coͤlln
nach Coblenz, ꝛc. gegangen, wird hier taͤglich zuruͤck
erwartet.

Alle Gaſthoͤfe ſind hier voll von Franzoͤſiſchen Fluͤcht-
lingen. Auch die Aebtißinn von Remiremonde iſt aus
[Spaltenumbruch] Paris hier angekommen. Wohin die Familie von Po-
lignac gegangen, iſt noch nicht bekannt; man meynt,
nach England.


Aus Paris iſt noch Folgendes eingegangen:

Jn ganz Frankreich iſt man nun beſchaͤfftiget, be-
waffnete Buͤrgereyen zu Stande zu bringen.

Als der Koͤnig fragte, ob die Baſtille nicht wieder
zuruͤckgegeben werden ſollte, erhielt er die Antwort,
daß dieſe Veſtung fuͤr ſeinen Dienſt unnuͤtz, und fuͤr
die Sicherheit der Buͤrger gefaͤhrlich ſey, weshalb man
mit Abbrechung derſelben fortfahren werde. Einige
haben den Vorſchlag gethan, auf den Grund der Ba-
ſtille einen Pallaſt fuͤr die National-Verſammlung zu
errichten, mit der Ueberſchrift: Tempel der Freyheit,
errichtet auf den Ruinen des Deſpotismus.

Vor der Koͤnigl. Theſaurie hat man die Worte:
Koͤnigl. Schatz, abgenommen, und ſtatt ſelbiger die
Worte: National-Bank, geſetzt.

Man ſagt, daß das Betragen des Herrn Baron von
Breteuil, des Marſchalls von Broglio, des Siegelbe-
wahrers, und des Herrn von Villedeuil, gerichtlich
unterſucht werden ſoll.

Es ſind 500 Arbeitsleute, die mit der Niederreißung
der Baſtille beſchaͤfftiget ſind. Als das Zeichen zum
erſten Hammerſchlag gegeben ward, erſchallte die Luft
von den: Es lebe die Nation! Das Mauerwerk dieſer
alten Veſtung iſt ſo veſt, daß man wohl 2 Monate
mit der Demolirung derſelben zubringen duͤrfte, wenn
man ſie nicht ſprengen laͤßt.

Den 20ſten dieſes wurden die Schauſpiele zu Paris
wieder eroͤffnet.

Das Regiment Franzoͤſiſcher Garde hat in der Qua-
litaͤt eines Regiments der Nation den Eid abgelegt.

Der Graf von Montmorin iſt zu Verſailles wieder Mi-
niſter der auswaͤrtigen Angelegenheiten, und der Graf
von St. Prieſt Miniſter des Departements von Paris.


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[[1]/0001] Mit allergnaͤdigſter Kayſerlichen Freyheit. Staats- und [Abbildung] Gelehrte Zei- tung des Hamburgiſchen unpartheyiſchen CORRESPONDENTEN. Anno 1789. (Am Mittewochen, den 29 Julii.) Num. 120. Petersburg, den 11 Julii. Vorgeſtern iſt ein Courier vom Fuͤrſten Potemkin angekommen, der ihn in Oliopol den 1ſten dieſes ver- laſſen hat, wo er uͤber den Bog gegangen. Der Prinz Carl von Wuͤrtemberg war daſelbſt auch angelangt. — Der Koͤnigl. General Lieutenant von Numſen, der ſich einige Monate in Copenhagen aufgehalten hat, iſt von da zuruͤckgekommen. Schreiben aus Mons, vom 19 Julii. Geſtern Abend kamen der Herzog von Bourbon, der Prinz von Condé, und der Herzog von Enghien, halb bekleidet, und blaß, wie der Tod, in dieſer Stadt an. Dieſen Nachmittag werden ſie nach Bruͤſſel abgehen. Heute fruͤh trafen auch Se. Koͤnigl. Hoheit, der Graf von Artois, hier ein, der ſogleich ſeine Reiſe nach Bruͤſſel fortſetzte. Dieſen Augenblick kommen auch die Kinder deſſelben an. (Die fernern Nachrichten dieſes Briefes, daß die Zahl der bewaffneten Buͤrger in Paris 250000 Mann betrage, daß noch 40000 Mann aus den Provinzen erwartet wuͤrden, daß das Palais von Bour- bon in Brand ſey, ꝛc. ſind zum Theil uͤbertrieben, zum Theil ganz falſch. Das blaue Band, welches der Grena- dier traͤgt, der zuerſt die Baſtille geſtuͤrmt hat, iſt das Band, welches ihm der Prinz von Montbarrey gegeben. Es heißt auch, er habe eine Penſion von 100 Louiſen, und das Verſprechen erhalten, einen anſehnlichen Rang bey der Buͤrgerwache zu erhalten.) Bruͤſſel, den 20 Julii. Vorgeſtern ſind hier 4 Franzoͤſiſche Couriers kurz hinter einander angekommen, die den Herrn Necker aufſuchen, welchen der Koͤnig zuruͤck berufen hat. Der Graf von Artois, welcher hier angelangt iſt, geht nach Spaa. Herr Necker, welcher durch Coͤlln nach Coblenz, ꝛc. gegangen, wird hier taͤglich zuruͤck erwartet. Alle Gaſthoͤfe ſind hier voll von Franzoͤſiſchen Fluͤcht- lingen. Auch die Aebtißinn von Remiremonde iſt aus Paris hier angekommen. Wohin die Familie von Po- lignac gegangen, iſt noch nicht bekannt; man meynt, nach England. Haag, den 25 Julii. Aus Paris iſt noch Folgendes eingegangen: Jn ganz Frankreich iſt man nun beſchaͤfftiget, be- waffnete Buͤrgereyen zu Stande zu bringen. Als der Koͤnig fragte, ob die Baſtille nicht wieder zuruͤckgegeben werden ſollte, erhielt er die Antwort, daß dieſe Veſtung fuͤr ſeinen Dienſt unnuͤtz, und fuͤr die Sicherheit der Buͤrger gefaͤhrlich ſey, weshalb man mit Abbrechung derſelben fortfahren werde. Einige haben den Vorſchlag gethan, auf den Grund der Ba- ſtille einen Pallaſt fuͤr die National-Verſammlung zu errichten, mit der Ueberſchrift: Tempel der Freyheit, errichtet auf den Ruinen des Deſpotismus. Vor der Koͤnigl. Theſaurie hat man die Worte: Koͤnigl. Schatz, abgenommen, und ſtatt ſelbiger die Worte: National-Bank, geſetzt. Man ſagt, daß das Betragen des Herrn Baron von Breteuil, des Marſchalls von Broglio, des Siegelbe- wahrers, und des Herrn von Villedeuil, gerichtlich unterſucht werden ſoll. Es ſind 500 Arbeitsleute, die mit der Niederreißung der Baſtille beſchaͤfftiget ſind. Als das Zeichen zum erſten Hammerſchlag gegeben ward, erſchallte die Luft von den: Es lebe die Nation! Das Mauerwerk dieſer alten Veſtung iſt ſo veſt, daß man wohl 2 Monate mit der Demolirung derſelben zubringen duͤrfte, wenn man ſie nicht ſprengen laͤßt. Den 20ſten dieſes wurden die Schauſpiele zu Paris wieder eroͤffnet. Das Regiment Franzoͤſiſcher Garde hat in der Qua- litaͤt eines Regiments der Nation den Eid abgelegt. Der Graf von Montmorin iſt zu Verſailles wieder Mi- niſter der auswaͤrtigen Angelegenheiten, und der Graf von St. Prieſt Miniſter des Departements von Paris.

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Zitationshilfe: Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 120, Hamburg, 29. Juli 1789, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1202907_1789/1>, abgerufen am 26.02.2024.