Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Stats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 152, Hamburg, 22. September 1751.

Bild:
<< vorherige Seite

sen Morgen um 1 Uhr mit einem Herzoge von Bur-
gund glücklich entbunden worden. Diese Ent-
bindung ist in einer Zeit von einer Viertelstunde
geschehen, weswegen der König nicht so geschwin-
de, nach der Gewohnheit, hat gegenwärtig seyn
können. Um halb 3 Uhr wurde diese erfreuliche
Zeitung durch ein allgemeines Läuten der Glocken
bekannt gemacht, und der hiesige Stadtmagistrat
ließ Geld unter das Volk auswerfen. Auch wur-
den die Canonen um die Stadt, von der Bastille
und dem Königl. Pallast der Invaliden gelöset.
Beym Anbruche des Tages geschahe dieses zum
zweytenmale, und man fuhr mit der Läutung der
Glocken fort. Diese Zeitung erwecket eine unge-
meine Freude bey allen Einwohnern, und die Ar-
beitsleute, welche bey den Veranstaltungen zu
den Festins arbeiten, die bey dieser Gelegenheit
sollen gegeben werden, bezeugten einen solchen un-
bedachtsamen Eifer in den Magazynen, woraus
sie Holz holten, das verschiedene durch das Ab-
gleiten der Balken beschädiget wurden. Man hat
eine grosse Anzahl von Courieren abgefertiget, die
Gebuhrt des Herzogs von Burgund bey auswär-
tigen Höfen bekannt zu machen. Der König
Stanislaus von Pohlen befindet sich gegenwär-
tig zu Versailles. Der Marquis von Puyßieulx,
Minister und Staatssecretair der auswärtigen
Angelegenheiten, hat wegen seiner schwächlichen
Gesundheit um seiner Erlassung ersuchet, und die-
selbe auch von Sr. Majestät erhalten. An seine
Stelle ist der Marquis von St. Contest, Gesand-
ter Sr. Majestät bey den General-Staaten, wel-
che den 6ten aus dem Haag allhier angekommen,
wiederum zum Minister und Staatssecretair er-
nannt worden. Gestern hat derselbe deswegen den
Eyd der Treue in die Hände Sr. Majestät abgele-
get. Der Lord Marshall ist als Königl. Preußis.
bevollmächtigter Minister allhier eingetroffen, und
wird ehester Tage beym Könige Audienz haben.
Als der Marquis von Beaufremont dieser Tagen
auf der Jagd war, zersprang ihm sein Rohr beym
Abschiessen, wodurch er einen Theil von seiner lin-
ken Hand verlohr, und ihn der Hut vom Kopfe
weggeschlagen ward.


Vorgestern ist eine der dreymastige Galliote, genannt
St. Paulus, so 14 Mann am Bord hatte, und mit
ihrer Ladung von Bourdeaux nach Hamburg wollte,
allhier gestrandet und gescheitert, wobey 4 Mann
[Spaltenumbruch] ertrunken, die andern 10 aber glücklich ans Land
gekommen sind.




Von gelehrten Sachen.
Göttingen.

Allhier ist gedruckt: Herrn
Professors Johann Georg Gmelins Tage-
register seiner durch Siberien nach Ramt-
scharka gethanen Reise. Mit Kupfern und
Landcharten.
in groß Octav. Dieses Werk ist
eine Frucht der langen und weitläuftigen Reise,
welche Herr Ginelin, jetzo Professor zu Tübingen,
als damaliger Professor der Akademie zu Peters-
burg, in Gesellschaft seiner damaligen Collegen,
der Herren la Croyere und Müller, auf Ihro Rus-
sisch-Kayserl. Majestät Befehl und Unkosten, durch
die dem Rußischen Scepter in Asien unterworfe-
nen viele und grosse Länder gethan hat. Eine
solche Reisebeschreibung verdienet um so viel mehr
die allgemeine Aufmerksamkeit, als man bisher
nur sehr unvollständige Nachrichten von diesen
Ländern gehabt hat, und als es gewiß ist, daß
der Herr Verfasser mehr als sonst jemand der
Welt davon etwas Zuverläßiges zu liefern im
Stande sey, da es ihm weder an Geschicklichkeit
noch Zeit und Sorgfalt, die zu Einsammlung und
Abfassung solcher Nachrichten nöthig sind, gefeh-
let hat. So viel läßt sich überhaupt bey Durch-
blätterung desjenigen, was bereits gedruckt ist,
sagen, daß er in dem Werke mehr leistet, als der
Titel zu versprechen scheinet. Denn es ist kein
blosses und trockenes Tageregister, sondern er
giebt darinn genaue Beschreibungen der vornehm-
sten Oerter, durch welche er gereiset ist; er bil-
det die vielen und verschiedenen Völker, mit wel-
chen er bekannt worden, nach ihren Sitten, Re-
ligion und äusserlichen Zustand sehr vollständig
ab; er macht manche nützliche Anmerkungen über
die gegenwärtige Beschaffenheit der dortigen Län-
der, und gehet nichts vorbey, was ihm entweder
in Ansehung der Natur oder der Kunst merkwür-
dig geschienen hat. Dieses Werk, von welchem
man sich in mancherley Betracht viel vortheil-
haftes versprechen kann, wird unter allergnäd.
Privileg. in dem Verlage der Wittwe Vandenhoeck
gedruckt, und ist in 3 Theile getheilt. Der erste
wird nächst bevorstehenden Michaelis-Messe in der
Vandenhoeckischen Buchhandlung ausgegeben
werden, und die beyden andern sollen künftigen
Ostern ohnfehlbar folgen.


[Spaltenumbruch]

ſen Morgen um 1 Uhr mit einem Herzoge von Bur-
gund gluͤcklich entbunden worden. Dieſe Ent-
bindung iſt in einer Zeit von einer Viertelſtunde
geſchehen, weswegen der Koͤnig nicht ſo geſchwin-
de, nach der Gewohnheit, hat gegenwaͤrtig ſeyn
koͤnnen. Um halb 3 Uhr wurde dieſe erfreuliche
Zeitung durch ein allgemeines Laͤuten der Glocken
bekannt gemacht, und der hieſige Stadtmagiſtrat
ließ Geld unter das Volk auswerfen. Auch wur-
den die Canonen um die Stadt, von der Baſtille
und dem Koͤnigl. Pallaſt der Invaliden geloͤſet.
Beym Anbruche des Tages geſchahe dieſes zum
zweytenmale, und man fuhr mit der Laͤutung der
Glocken fort. Dieſe Zeitung erwecket eine unge-
meine Freude bey allen Einwohnern, und die Ar-
beitsleute, welche bey den Veranſtaltungen zu
den Feſtins arbeiten, die bey dieſer Gelegenheit
ſollen gegeben werden, bezeugten einen ſolchen un-
bedachtſamen Eifer in den Magazynen, woraus
ſie Holz holten, das verſchiedene durch das Ab-
gleiten der Balken beſchaͤdiget wurden. Man hat
eine groſſe Anzahl von Courieren abgefertiget, die
Gebuhrt des Herzogs von Burgund bey auswaͤr-
tigen Hoͤfen bekannt zu machen. Der Koͤnig
Stanislaus von Pohlen befindet ſich gegenwaͤr-
tig zu Verſailles. Der Marquis von Puyßieulx,
Miniſter und Staatsſecretair der auswaͤrtigen
Angelegenheiten, hat wegen ſeiner ſchwaͤchlichen
Geſundheit um ſeiner Erlaſſung erſuchet, und die-
ſelbe auch von Sr. Majeſtaͤt erhalten. An ſeine
Stelle iſt der Marquis von St. Conteſt, Geſand-
ter Sr. Majeſtaͤt bey den General-Staaten, wel-
che den 6ten aus dem Haag allhier angekommen,
wiederum zum Miniſter und Staatsſecretair er-
nannt worden. Geſtern hat derſelbe deswegen den
Eyd der Treue in die Haͤnde Sr. Majeſtaͤt abgele-
get. Der Lord Marshall iſt als Koͤnigl. Preußiſ.
bevollmaͤchtigter Miniſter allhier eingetroffen, und
wird eheſter Tage beym Koͤnige Audienz haben.
Als der Marquis von Beaufremont dieſer Tagen
auf der Jagd war, zerſprang ihm ſein Rohr beym
Abſchieſſen, wodurch er einen Theil von ſeiner lin-
ken Hand verlohr, und ihn der Hut vom Kopfe
weggeſchlagen ward.


Vorgeſtern iſt eine der dreymaſtige Galliote, genannt
St. Paulus, ſo 14 Mann am Bord hatte, und mit
ihrer Ladung von Bourdeaux nach Hamburg wollte,
allhier geſtrandet und geſcheitert, wobey 4 Mann
[Spaltenumbruch] ertrunken, die andern 10 aber gluͤcklich ans Land
gekommen ſind.




Von gelehrten Sachen.
Goͤttingen.

Allhier iſt gedruckt: Herrn
Profeſſors Johann Georg Gmelins Tage-
regiſter ſeiner durch Siberien nach Ramt-
ſcharka gethanen Reiſe. Mit Kupfern und
Landcharten.
in groß Octav. Dieſes Werk iſt
eine Frucht der langen und weitlaͤuftigen Reiſe,
welche Herr Ginelin, jetzo Profeſſor zu Tuͤbingen,
als damaliger Profeſſor der Akademie zu Peters-
burg, in Geſellſchaft ſeiner damaligen Collegen,
der Herren la Croyere und Muͤller, auf Ihro Ruſ-
ſiſch-Kayſerl. Majeſtaͤt Befehl und Unkoſten, durch
die dem Rußiſchen Scepter in Aſien unterworfe-
nen viele und groſſe Laͤnder gethan hat. Eine
ſolche Reiſebeſchreibung verdienet um ſo viel mehr
die allgemeine Aufmerkſamkeit, als man bisher
nur ſehr unvollſtaͤndige Nachrichten von dieſen
Laͤndern gehabt hat, und als es gewiß iſt, daß
der Herr Verfaſſer mehr als ſonſt jemand der
Welt davon etwas Zuverlaͤßiges zu liefern im
Stande ſey, da es ihm weder an Geſchicklichkeit
noch Zeit und Sorgfalt, die zu Einſammlung und
Abfaſſung ſolcher Nachrichten noͤthig ſind, gefeh-
let hat. So viel laͤßt ſich uͤberhaupt bey Durch-
blaͤtterung desjenigen, was bereits gedruckt iſt,
ſagen, daß er in dem Werke mehr leiſtet, als der
Titel zu verſprechen ſcheinet. Denn es iſt kein
bloſſes und trockenes Tageregiſter, ſondern er
giebt darinn genaue Beſchreibungen der vornehm-
ſten Oerter, durch welche er gereiſet iſt; er bil-
det die vielen und verſchiedenen Voͤlker, mit wel-
chen er bekannt worden, nach ihren Sitten, Re-
ligion und aͤuſſerlichen Zuſtand ſehr vollſtaͤndig
ab; er macht manche nuͤtzliche Anmerkungen uͤber
die gegenwaͤrtige Beſchaffenheit der dortigen Laͤn-
der, und gehet nichts vorbey, was ihm entweder
in Anſehung der Natur oder der Kunſt merkwuͤr-
dig geſchienen hat. Dieſes Werk, von welchem
man ſich in mancherley Betracht viel vortheil-
haftes verſprechen kann, wird unter allergnaͤd.
Privileg. in dem Verlage der Wittwe Vandenhoeck
gedruckt, und iſt in 3 Theile getheilt. Der erſte
wird naͤchſt bevorſtehenden Michaelis-Meſſe in der
Vandenhoeckiſchen Buchhandlung ausgegeben
werden, und die beyden andern ſollen kuͤnftigen
Oſtern ohnfehlbar folgen.


[Spaltenumbruch]
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="jPoliticalNews">
          <div type="jArticle">
            <p><pb facs="#f0003" n="[3]"/>
&#x017F;en Morgen um 1 Uhr mit                   einem Herzoge von Bur-<lb/>
gund glu&#x0364;cklich entbunden worden. Die&#x017F;e                   Ent-<lb/>
bindung i&#x017F;t in einer Zeit von einer Viertel&#x017F;tunde<lb/>
ge&#x017F;chehen,                   weswegen der Ko&#x0364;nig nicht &#x017F;o ge&#x017F;chwin-<lb/>
de, nach der Gewohnheit, hat                   gegenwa&#x0364;rtig &#x017F;eyn<lb/>
ko&#x0364;nnen. Um halb 3 Uhr wurde die&#x017F;e erfreuliche<lb/>
Zeitung                   durch ein allgemeines La&#x0364;uten der Glocken<lb/>
bekannt gemacht, und der hie&#x017F;ige                   Stadtmagi&#x017F;trat<lb/>
ließ Geld unter das Volk auswerfen. Auch wur-<lb/>
den die                   Canonen um die Stadt, von der Ba&#x017F;tille<lb/>
und dem Ko&#x0364;nigl. Palla&#x017F;t der Invaliden                   gelo&#x0364;&#x017F;et.<lb/>
Beym Anbruche des Tages ge&#x017F;chahe die&#x017F;es zum<lb/>
zweytenmale, und                   man fuhr mit der La&#x0364;utung der<lb/>
Glocken fort. Die&#x017F;e Zeitung erwecket eine                   unge-<lb/>
meine Freude bey allen Einwohnern, und die Ar-<lb/>
beitsleute, welche                   bey den Veran&#x017F;taltungen zu<lb/>
den Fe&#x017F;tins arbeiten, die bey die&#x017F;er Gelegenheit<lb/>
&#x017F;ollen gegeben werden, bezeugten einen &#x017F;olchen un-<lb/>
bedacht&#x017F;amen Eifer in                   den Magazynen, woraus<lb/>
&#x017F;ie Holz holten, das ver&#x017F;chiedene durch das                   Ab-<lb/>
gleiten der Balken be&#x017F;cha&#x0364;diget wurden. Man hat<lb/>
eine gro&#x017F;&#x017F;e Anzahl                   von Courieren abgefertiget, die<lb/>
Gebuhrt des Herzogs von Burgund bey                   auswa&#x0364;r-<lb/>
tigen Ho&#x0364;fen bekannt zu machen. Der Ko&#x0364;nig<lb/>
Stanislaus von Pohlen                   befindet &#x017F;ich gegenwa&#x0364;r-<lb/>
tig zu Ver&#x017F;ailles. Der Marquis von Puyßieulx,<lb/>
Mini&#x017F;ter und Staats&#x017F;ecretair der auswa&#x0364;rtigen<lb/>
Angelegenheiten, hat wegen                   &#x017F;einer &#x017F;chwa&#x0364;chlichen<lb/>
Ge&#x017F;undheit um &#x017F;einer Erla&#x017F;&#x017F;ung er&#x017F;uchet, und                   die-<lb/>
&#x017F;elbe auch von Sr. Maje&#x017F;ta&#x0364;t erhalten. An &#x017F;eine<lb/>
Stelle i&#x017F;t der                   Marquis von St. Conte&#x017F;t, Ge&#x017F;and-<lb/>
ter Sr. Maje&#x017F;ta&#x0364;t bey den General-Staaten,                   wel-<lb/>
che den 6ten aus dem Haag allhier angekommen,<lb/>
wiederum zum Mini&#x017F;ter                   und Staats&#x017F;ecretair er-<lb/>
nannt worden. Ge&#x017F;tern hat der&#x017F;elbe deswegen den<lb/>
Eyd der Treue in die Ha&#x0364;nde Sr. Maje&#x017F;ta&#x0364;t abgele-<lb/>
get. Der Lord Marshall                   i&#x017F;t als Ko&#x0364;nigl. Preußi&#x017F;.<lb/>
bevollma&#x0364;chtigter Mini&#x017F;ter allhier eingetroffen,                   und<lb/>
wird ehe&#x017F;ter Tage beym Ko&#x0364;nige Audienz haben.<lb/>
Als der Marquis von                   Beaufremont die&#x017F;er Tagen<lb/>
auf der Jagd war, zer&#x017F;prang ihm &#x017F;ein Rohr beym<lb/>
Ab&#x017F;chie&#x017F;&#x017F;en, wodurch er einen Theil von &#x017F;einer lin-<lb/>
ken Hand verlohr, und                   ihn der Hut vom Kopfe<lb/>
wegge&#x017F;chlagen ward.</p>
          </div><lb/>
          <div type="jArticle">
            <dateline> <hi rendition="#c">Nordwyk, den 14 Septemb.</hi> </dateline><lb/>
            <p>Vorge&#x017F;tern i&#x017F;t eine der dreyma&#x017F;tige Galliote, genannt<lb/>
St. Paulus, &#x017F;o 14 Mann                   am Bord hatte, und mit<lb/>
ihrer Ladung von Bourdeaux nach Hamburg wollte,<lb/>
allhier ge&#x017F;trandet und ge&#x017F;cheitert, wobey 4 Mann<lb/><cb/>
ertrunken, die                   andern 10 aber glu&#x0364;cklich ans Land<lb/>
gekommen &#x017F;ind.</p><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          </div>
        </div>
        <div type="jFeuilleton">
          <head> <hi rendition="#c #fr">Von gelehrten Sachen.</hi> </head><lb/>
          <div type="jArticle">
            <head> <hi rendition="#fr">Go&#x0364;ttingen.</hi> </head>
            <p>Allhier i&#x017F;t gedruckt: <hi rendition="#fr">Herrn<lb/>
Profe&#x017F;&#x017F;ors Johann Georg                      Gmelins Tage-<lb/>
regi&#x017F;ter &#x017F;einer durch Siberien nach Ramt-<lb/>
&#x017F;charka                      gethanen Rei&#x017F;e. Mit Kupfern und<lb/>
Landcharten.</hi> in groß Octav. Die&#x017F;es                   Werk i&#x017F;t<lb/>
eine Frucht der langen und weitla&#x0364;uftigen Rei&#x017F;e,<lb/>
welche Herr                   Ginelin, jetzo Profe&#x017F;&#x017F;or zu Tu&#x0364;bingen,<lb/>
als damaliger Profe&#x017F;&#x017F;or der Akademie                   zu Peters-<lb/>
burg, in Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft &#x017F;einer damaligen Collegen,<lb/>
der Herren la                   Croyere und Mu&#x0364;ller, auf Ihro Ru&#x017F;-<lb/>
&#x017F;i&#x017F;ch-Kay&#x017F;erl. Maje&#x017F;ta&#x0364;t Befehl und                   Unko&#x017F;ten, durch<lb/>
die dem Rußi&#x017F;chen Scepter in A&#x017F;ien unterworfe-<lb/>
nen viele                   und gro&#x017F;&#x017F;e La&#x0364;nder gethan hat. Eine<lb/>
&#x017F;olche Rei&#x017F;ebe&#x017F;chreibung verdienet um &#x017F;o                   viel mehr<lb/>
die allgemeine Aufmerk&#x017F;amkeit, als man bisher<lb/>
nur &#x017F;ehr                   unvoll&#x017F;ta&#x0364;ndige Nachrichten von die&#x017F;en<lb/>
La&#x0364;ndern gehabt hat, und als es gewiß                   i&#x017F;t, daß<lb/>
der Herr Verfa&#x017F;&#x017F;er mehr als &#x017F;on&#x017F;t jemand der<lb/>
Welt davon etwas                   Zuverla&#x0364;ßiges zu liefern im<lb/>
Stande &#x017F;ey, da es ihm weder an Ge&#x017F;chicklichkeit<lb/>
noch Zeit und Sorgfalt, die zu Ein&#x017F;ammlung und<lb/>
Abfa&#x017F;&#x017F;ung &#x017F;olcher                   Nachrichten no&#x0364;thig &#x017F;ind, gefeh-<lb/>
let hat. So viel la&#x0364;ßt &#x017F;ich u&#x0364;berhaupt bey                   Durch-<lb/>
bla&#x0364;tterung desjenigen, was bereits gedruckt i&#x017F;t,<lb/>
&#x017F;agen, daß er in                   dem Werke mehr lei&#x017F;tet, als der<lb/>
Titel zu ver&#x017F;prechen &#x017F;cheinet. Denn es i&#x017F;t                   kein<lb/>
blo&#x017F;&#x017F;es und trockenes Tageregi&#x017F;ter, &#x017F;ondern er<lb/>
giebt darinn genaue                   Be&#x017F;chreibungen der vornehm-<lb/>
&#x017F;ten Oerter, durch welche er gerei&#x017F;et i&#x017F;t; er                   bil-<lb/>
det die vielen und ver&#x017F;chiedenen Vo&#x0364;lker, mit wel-<lb/>
chen er bekannt                   worden, nach ihren Sitten, Re-<lb/>
ligion und a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;erlichen Zu&#x017F;tand &#x017F;ehr                   voll&#x017F;ta&#x0364;ndig<lb/>
ab; er macht manche nu&#x0364;tzliche Anmerkungen u&#x0364;ber<lb/>
die                   gegenwa&#x0364;rtige Be&#x017F;chaffenheit der dortigen La&#x0364;n-<lb/>
der, und gehet nichts vorbey,                   was ihm entweder<lb/>
in An&#x017F;ehung der Natur oder der Kun&#x017F;t merkwu&#x0364;r-<lb/>
dig                   ge&#x017F;chienen hat. Die&#x017F;es Werk, von welchem<lb/>
man &#x017F;ich in mancherley Betracht viel                   vortheil-<lb/>
haftes ver&#x017F;prechen kann, wird unter allergna&#x0364;d.<lb/>
Privileg. in                   dem Verlage der Wittwe Vandenhoeck<lb/>
gedruckt, und i&#x017F;t in 3 Theile getheilt.                   Der er&#x017F;te<lb/>
wird na&#x0364;ch&#x017F;t bevor&#x017F;tehenden Michaelis-Me&#x017F;&#x017F;e in der<lb/>
Vandenhoecki&#x017F;chen Buchhandlung ausgegeben<lb/>
werden, und die beyden andern                   &#x017F;ollen ku&#x0364;nftigen<lb/>
O&#x017F;tern ohnfehlbar folgen.</p>
          </div><lb/>
          <cb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[3]/0003] ſen Morgen um 1 Uhr mit einem Herzoge von Bur- gund gluͤcklich entbunden worden. Dieſe Ent- bindung iſt in einer Zeit von einer Viertelſtunde geſchehen, weswegen der Koͤnig nicht ſo geſchwin- de, nach der Gewohnheit, hat gegenwaͤrtig ſeyn koͤnnen. Um halb 3 Uhr wurde dieſe erfreuliche Zeitung durch ein allgemeines Laͤuten der Glocken bekannt gemacht, und der hieſige Stadtmagiſtrat ließ Geld unter das Volk auswerfen. Auch wur- den die Canonen um die Stadt, von der Baſtille und dem Koͤnigl. Pallaſt der Invaliden geloͤſet. Beym Anbruche des Tages geſchahe dieſes zum zweytenmale, und man fuhr mit der Laͤutung der Glocken fort. Dieſe Zeitung erwecket eine unge- meine Freude bey allen Einwohnern, und die Ar- beitsleute, welche bey den Veranſtaltungen zu den Feſtins arbeiten, die bey dieſer Gelegenheit ſollen gegeben werden, bezeugten einen ſolchen un- bedachtſamen Eifer in den Magazynen, woraus ſie Holz holten, das verſchiedene durch das Ab- gleiten der Balken beſchaͤdiget wurden. Man hat eine groſſe Anzahl von Courieren abgefertiget, die Gebuhrt des Herzogs von Burgund bey auswaͤr- tigen Hoͤfen bekannt zu machen. Der Koͤnig Stanislaus von Pohlen befindet ſich gegenwaͤr- tig zu Verſailles. Der Marquis von Puyßieulx, Miniſter und Staatsſecretair der auswaͤrtigen Angelegenheiten, hat wegen ſeiner ſchwaͤchlichen Geſundheit um ſeiner Erlaſſung erſuchet, und die- ſelbe auch von Sr. Majeſtaͤt erhalten. An ſeine Stelle iſt der Marquis von St. Conteſt, Geſand- ter Sr. Majeſtaͤt bey den General-Staaten, wel- che den 6ten aus dem Haag allhier angekommen, wiederum zum Miniſter und Staatsſecretair er- nannt worden. Geſtern hat derſelbe deswegen den Eyd der Treue in die Haͤnde Sr. Majeſtaͤt abgele- get. Der Lord Marshall iſt als Koͤnigl. Preußiſ. bevollmaͤchtigter Miniſter allhier eingetroffen, und wird eheſter Tage beym Koͤnige Audienz haben. Als der Marquis von Beaufremont dieſer Tagen auf der Jagd war, zerſprang ihm ſein Rohr beym Abſchieſſen, wodurch er einen Theil von ſeiner lin- ken Hand verlohr, und ihn der Hut vom Kopfe weggeſchlagen ward. Nordwyk, den 14 Septemb. Vorgeſtern iſt eine der dreymaſtige Galliote, genannt St. Paulus, ſo 14 Mann am Bord hatte, und mit ihrer Ladung von Bourdeaux nach Hamburg wollte, allhier geſtrandet und geſcheitert, wobey 4 Mann ertrunken, die andern 10 aber gluͤcklich ans Land gekommen ſind. Von gelehrten Sachen. Goͤttingen. Allhier iſt gedruckt: Herrn Profeſſors Johann Georg Gmelins Tage- regiſter ſeiner durch Siberien nach Ramt- ſcharka gethanen Reiſe. Mit Kupfern und Landcharten. in groß Octav. Dieſes Werk iſt eine Frucht der langen und weitlaͤuftigen Reiſe, welche Herr Ginelin, jetzo Profeſſor zu Tuͤbingen, als damaliger Profeſſor der Akademie zu Peters- burg, in Geſellſchaft ſeiner damaligen Collegen, der Herren la Croyere und Muͤller, auf Ihro Ruſ- ſiſch-Kayſerl. Majeſtaͤt Befehl und Unkoſten, durch die dem Rußiſchen Scepter in Aſien unterworfe- nen viele und groſſe Laͤnder gethan hat. Eine ſolche Reiſebeſchreibung verdienet um ſo viel mehr die allgemeine Aufmerkſamkeit, als man bisher nur ſehr unvollſtaͤndige Nachrichten von dieſen Laͤndern gehabt hat, und als es gewiß iſt, daß der Herr Verfaſſer mehr als ſonſt jemand der Welt davon etwas Zuverlaͤßiges zu liefern im Stande ſey, da es ihm weder an Geſchicklichkeit noch Zeit und Sorgfalt, die zu Einſammlung und Abfaſſung ſolcher Nachrichten noͤthig ſind, gefeh- let hat. So viel laͤßt ſich uͤberhaupt bey Durch- blaͤtterung desjenigen, was bereits gedruckt iſt, ſagen, daß er in dem Werke mehr leiſtet, als der Titel zu verſprechen ſcheinet. Denn es iſt kein bloſſes und trockenes Tageregiſter, ſondern er giebt darinn genaue Beſchreibungen der vornehm- ſten Oerter, durch welche er gereiſet iſt; er bil- det die vielen und verſchiedenen Voͤlker, mit wel- chen er bekannt worden, nach ihren Sitten, Re- ligion und aͤuſſerlichen Zuſtand ſehr vollſtaͤndig ab; er macht manche nuͤtzliche Anmerkungen uͤber die gegenwaͤrtige Beſchaffenheit der dortigen Laͤn- der, und gehet nichts vorbey, was ihm entweder in Anſehung der Natur oder der Kunſt merkwuͤr- dig geſchienen hat. Dieſes Werk, von welchem man ſich in mancherley Betracht viel vortheil- haftes verſprechen kann, wird unter allergnaͤd. Privileg. in dem Verlage der Wittwe Vandenhoeck gedruckt, und iſt in 3 Theile getheilt. Der erſte wird naͤchſt bevorſtehenden Michaelis-Meſſe in der Vandenhoeckiſchen Buchhandlung ausgegeben werden, und die beyden andern ſollen kuͤnftigen Oſtern ohnfehlbar folgen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Britt-Marie Schuster, Manuel Wille, Arnika Lutz, Fabienne Wollny: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-07T10:32:49Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.

Weitere Informationen:

Die Transkription erfolgte nach den unter http://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat formulierten Richtlinien.

Verfahren der Texterfassung: manuell (einfach erfasst).

Bogensignaturen: keine Angabe; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: wie Vorlage; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage; i/j in Fraktur: wie Vorlage; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: keine Angabe; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): wie Vorlage; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (&#xa75b;): wie Vorlage; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: wie Vorlage; u/v bzw. U/V: Lautwert transkribiert; Vokale mit übergest. e: wie Vorlage; Vollständigkeit: vollständig erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: ja;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1522209_1751
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1522209_1751/3
Zitationshilfe: Stats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 152, Hamburg, 22. September 1751, S. [3]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1522209_1751/3>, abgerufen am 19.05.2022.