Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Der Hollsteinische unpartheyische Correspondente. Nr. 30, Hamburg, 1. Oktober 1712.

Bild:
<< vorherige Seite

Die Herren General-
Staaten haben eine Missive an den Herrn Gene-
ral Hompesch gesandt/ und ihm darinnen bedan-
cket vor seine gute Conduite und Bravoure/ so er in
Verthädigung von Dovay bezeuget. Jhro Hoch-
mögenden Deputirten sind etliche mahl mit den Mi-
nistern vom Kayser/ Preussen/ Sachsen/ Hanno-
ver/ Pfaltz/ Hessen und andern in Conference gewe-
sen/ um zu eines und des andern Vergnügen die
Winter-Quartiere zu reguliren/ und man ist der Jn-
tention so viele Trouppen als müglich in den äus-
sersten Frontier-Städten zu legen/ um bey einem
Nohtfall in kurtzer Zeit ein grosses Corpo beysam-
men zu bringen/ dadurch den Winter über den Fein-
den in stetem Allarm zu halten. Man spricht hier
anitzo sehr groß von den trefflichen Vortheilen die
man von Seiner Czaarischen Majestät zu erwar-
ten hat/ und unter andern/ daß derselbe in der neg-
sten Campagne 40000 Mann an dem Rhein gegen
Franckreich auf eigenen Kosten agiren lassen wolle.
Man ist auch Seiner Czaarischen Majestät/ so bald
die Campagne in Pommern geendiget hier erwar-
tend. Unser Seits ist man auch bedacht/ die Armee
künfftiges Jahr in Braband auf 20. a 25000 Mann
zu verstärcken/ und eine grosse Flotte nach dem Mit-
telländischen Meer zu senden; Auch ist man im
Werck begriffen/ ein grosses Kopff-Geld durch alle
Provincien/ wovon niemand ausgeschlossen seyn
soll/ ausschreiben zu lassen/ um den Krieg nebst Se.
Majestät den Kayser und andern hohen Alliirten/
mit aller Macht auszuführen.

Bey denen Hochmö-
genden Herren Staaten kommen fast täglich viele
Klagen wegen des General Gouvernements ein. Der
Printz Eugenins klaget sehr/ daß ihm die benöhtig-
te Wagen und andere Sachen zum Dienst der Ar-
mee nicht angeschaffet/ imgleichen die ruinirten
Wercke in den Grentz-Städten nicht gehörig repari-
ret würden/ fürnehmlich zu St. Gilain und Mons;
Andern Theils beschweret sich der Staats-Raht zu
Brüssel sehr/ daß ihnen viele Eingriff in ihren Rech-
ten geschehen.

Von den Friedens-Tractaten in Engel-
land/ und dergleichen.

Der Lord Lexington hat
am Sonnabend seine Commißion als Ambassadeur
nach Spanien/ und wie man meinet/ die Jnstruction
im Raht auch schon empfangen/ um nächstens von
Portsmuht nach Corunna überzugehen. Von den
Hamiltonischen Bedienten sind auch schon einige
nach Franckreich verreiset/ und möchte der Hertzog
wol beym Ausgang der Woche folgen. Die durch
[Spaltenumbruch] den ersten Staats-Boten vorigen Donnerstag aus
Franckreich überbrachte mehr als 500. Pasporten
vor Schiffe/ sind schon am Sonnabend/ zu 6 Guinees
das Stück/ allesammt vertheilet/ und erwartet man
mit einem andern gestern von hier abgegangenen
Boten am künfftigen Donnerstag noch 500/ und wird
versichert/ daß darüber noch 1000. und mehr dürff-
ten erfordert werden. Mit einem von Brest zu Co-
wes auff Wight arrivirten Dänischen Schiffer hat
man/ daß aus dasigem Hafen alle Frantzösische
Kriegs-Schiffe abgesegelt wären/ auch verschiedene
Capers (deren einige/ dem Verlaut nach/ in Duyns
und Torbey schon eingelauffen) auf die Holländer
zu kreutzen ausgerüstet/ und nach dem Spanischen
West-Jndien und der Süd-See diverse Schiffe be-
frachtet würden. Der Author des Flying-Posts
ein Presbyterianischer Schotte/ Mr. Ge. Ridpath/
wurde gestern auf Bullingbroocks Ordre/ wegen
ausgegebener auffrührischer Remarquen gegen die
Königin und Regierung/ nach Newgate in Verhaft
gebracht/ aber auch/ gleich seinem Drucker/ gegen si-
chere Burgschaft wieder entschlagen/ um sich künfftig
vor Gericht zu verantworten. Sonst ist man nicht
wenig verwundert/ daß der Pretendent dem Fran-
tzösischen Engagement/ darauff man disseits vorhin
so sehr gedrungen/ zuwider/ nicht allein im Reiche
bleibet/ sondern auch Hertzog von Glocester allda
genennet wird/ welches hier viel Nachdencken/ und
zu allerhand Discursen Anlaß giebet.

Man hoffet zwar wol/
daß der König/ da er nun einen billigen und sehr vor-
theilhafftigen Frieden erhalten kan/ zum Trost seiner
Unterthanen noch so friedliebend als vor 2. oder 3.
Jahren seyn/ und die Gelegenheit nicht verabsäu-
men werde; inzwischen höret man doch nichts/ als
daß nun verschiedene neue Jmposten sollen einge-
führet werden.

Der Kayser hat über ge-
genwärtige Affaire extraord. Raht gehalten/ und
scheinet man hier allenfals zu einem Stilstande von
7. oder 8 Jahren mehr als zum Frieden zu inclini-
ren/ weil man der Spanischen Monarchie sich nicht
gerne begeben wil.

Die Portugisi-
sche Ministri versichern/ daß die Anerbietung eines
Stillstandes der Waffen mit Franckreich und Spa-
nien/ von ihren König genereusement abgeschlagen
worden/ und daß Se. Majest. im Gegentheil die Lie-
ferung der Vivres und Fourage für seine Troup-
pen noch auff ein Jahr accordiren lassen. Von
Madrit hat man/ daß die dortige Regierung/ um
den zwischen Engelland/ Franckreich und Spanien

geschlos-

Die Herren General-
Staaten haben eine Miſſive an den Herrn Gene-
ral Hompeſch geſandt/ und ihm darinnen bedan-
cket vor ſeine gute Conduite und Bravoure/ ſo er in
Verthaͤdigung von Dovay bezeuget. Jhro Hoch-
moͤgenden Deputirten ſind etliche mahl mit den Mi-
niſtern vom Kayſer/ Preuſſen/ Sachſen/ Hanno-
ver/ Pfaltz/ Heſſen und andern in Conference gewe-
ſen/ um zu eines und des andern Vergnuͤgen die
Winter-Quartiere zu reguliren/ und man iſt der Jn-
tention ſo viele Trouppen als muͤglich in den aͤuſ-
ſerſten Frontier-Staͤdten zu legen/ um bey einem
Nohtfall in kurtzer Zeit ein groſſes Corpo beyſam-
men zu bringen/ dadurch den Winter uͤber den Fein-
den in ſtetem Allarm zu halten. Man ſpricht hier
anitzo ſehr groß von den trefflichen Vortheilen die
man von Seiner Czaariſchen Majeſtaͤt zu erwar-
ten hat/ und unter andern/ daß derſelbe in der neg-
ſten Campagne 40000 Mann an dem Rhein gegen
Franckreich auf eigenen Koſten agiren laſſen wolle.
Man iſt auch Seiner Czaariſchen Majeſtaͤt/ ſo bald
die Campagne in Pommern geendiget hier erwar-
tend. Unſer Seits iſt man auch bedacht/ die Armee
kuͤnfftiges Jahr in Braband auf 20. a 25000 Mann
zu verſtaͤrcken/ und eine groſſe Flotte nach dem Mit-
tellaͤndiſchen Meer zu ſenden; Auch iſt man im
Werck begriffen/ ein groſſes Kopff-Geld durch alle
Provincien/ wovon niemand ausgeſchloſſen ſeyn
ſoll/ ausſchreiben zu laſſen/ um den Krieg nebſt Se.
Majeſtaͤt den Kayſer und andern hohen Alliirten/
mit aller Macht auszufuͤhren.

Bey denen Hochmoͤ-
genden Herren Staaten kommen faſt taͤglich viele
Klagen wegen des General Gouvernements ein. Der
Printz Eugenins klaget ſehr/ daß ihm die benoͤhtig-
te Wagen und andere Sachen zum Dienſt der Ar-
mee nicht angeſchaffet/ imgleichen die ruinirten
Wercke in den Grentz-Staͤdten nicht gehoͤrig repari-
ret wuͤrden/ fuͤrnehmlich zu St. Gilain und Mons;
Andern Theils beſchweret ſich der Staats-Raht zu
Bruͤſſel ſehr/ daß ihnen viele Eingriff in ihren Rech-
ten geſchehen.

Von den Friedens-Tractaten in Engel-
land/ und dergleichen.

Der Lord Lexington hat
am Sonnabend ſeine Commißion als Ambaſſadeur
nach Spanien/ und wie man meinet/ die Jnſtruction
im Raht auch ſchon empfangen/ um naͤchſtens von
Portsmuht nach Corunna uͤberzugehen. Von den
Hamiltoniſchen Bedienten ſind auch ſchon einige
nach Franckreich verreiſet/ und moͤchte der Hertzog
wol beym Ausgang der Woche folgen. Die durch
[Spaltenumbruch] den erſten Staats-Boten vorigen Donnerſtag aus
Franckreich uͤberbrachte mehr als 500. Pasporten
vor Schiffe/ ſind ſchon am Sonnabend/ zu 6 Guinees
das Stuͤck/ alleſammt vertheilet/ und erwartet man
mit einem andern geſtern von hier abgegangenen
Boten am kuͤnfftigen Donnerſtag noch 500/ und wird
verſichert/ daß daruͤber noch 1000. und mehr duͤrff-
ten erfordert werden. Mit einem von Breſt zu Co-
wes auff Wight arrivirten Daͤniſchen Schiffer hat
man/ daß aus daſigem Hafen alle Frantzoͤſiſche
Kriegs-Schiffe abgeſegelt waͤren/ auch verſchiedene
Capers (deren einige/ dem Verlaut nach/ in Duyns
und Torbey ſchon eingelauffen) auf die Hollaͤnder
zu kreutzen ausgeruͤſtet/ und nach dem Spaniſchen
Weſt-Jndien und der Suͤd-See diverſe Schiffe be-
frachtet wuͤrden. Der Author des Flying-Poſts
ein Presbyterianiſcher Schotte/ Mr. Ge. Ridpath/
wurde geſtern auf Bullingbroocks Ordre/ wegen
ausgegebener auffruͤhriſcher Remarquen gegen die
Koͤnigin und Regierung/ nach Newgate in Verhaft
gebracht/ aber auch/ gleich ſeinem Drucker/ gegen ſi-
chere Burgſchaft wieder entſchlagen/ um ſich kuͤnfftig
vor Gericht zu verantworten. Sonſt iſt man nicht
wenig verwundert/ daß der Pretendent dem Fran-
tzoͤſiſchen Engagement/ darauff man diſſeits vorhin
ſo ſehr gedrungen/ zuwider/ nicht allein im Reiche
bleibet/ ſondern auch Hertzog von Gloceſter allda
genennet wird/ welches hier viel Nachdencken/ und
zu allerhand Diſcurſen Anlaß giebet.

Man hoffet zwar wol/
daß der Koͤnig/ da er nun einen billigen und ſehr vor-
theilhafftigen Frieden erhalten kan/ zum Troſt ſeiner
Unterthanen noch ſo friedliebend als vor 2. oder 3.
Jahren ſeyn/ und die Gelegenheit nicht verabſaͤu-
men werde; inzwiſchen hoͤret man doch nichts/ als
daß nun verſchiedene neue Jmpoſten ſollen einge-
fuͤhret werden.

Der Kayſer hat uͤber ge-
genwaͤrtige Affaire extraord. Raht gehalten/ und
ſcheinet man hier allenfals zu einem Stilſtande von
7. oder 8 Jahren mehr als zum Frieden zu inclini-
ren/ weil man der Spaniſchen Monarchie ſich nicht
gerne begeben wil.

Die Portugiſi-
ſche Miniſtri verſichern/ daß die Anerbietung eines
Stillſtandes der Waffen mit Franckreich und Spa-
nien/ von ihren Koͤnig genereuſement abgeſchlagen
worden/ und daß Se. Majeſt. im Gegentheil die Lie-
ferung der Vivres und Fourage fuͤr ſeine Troup-
pen noch auff ein Jahr accordiren laſſen. Von
Madrit hat man/ daß die dortige Regierung/ um
den zwiſchen Engelland/ Franckreich und Spanien

geſchloſ-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="jPoliticalNews">
          <div type="jPoliticalNews">
            <div type="jArticle">
              <dateline><pb facs="#f0003" n="[3]"/><cb/>
Haag/ vom 23. Sept.</dateline>
              <p>Die Herren General-<lb/>
Staaten haben eine Mi&#x017F;&#x017F;ive an den Herrn                         Gene-<lb/>
ral Hompe&#x017F;ch ge&#x017F;andt/ und ihm darinnen                         bedan-<lb/>
cket vor &#x017F;eine gute Conduite und Bravoure/ &#x017F;o er                         in<lb/>
Vertha&#x0364;digung von Dovay bezeuget. Jhro                         Hoch-<lb/>
mo&#x0364;genden Deputirten &#x017F;ind etliche mahl mit den                         Mi-<lb/>
ni&#x017F;tern vom Kay&#x017F;er/ Preu&#x017F;&#x017F;en/                         Sach&#x017F;en/ Hanno-<lb/>
ver/ Pfaltz/ He&#x017F;&#x017F;en und andern in                         Conference gewe-<lb/>
&#x017F;en/ um zu eines und des andern                         Vergnu&#x0364;gen die<lb/>
Winter-Quartiere zu reguliren/ und man i&#x017F;t                         der Jn-<lb/>
tention &#x017F;o viele Trouppen als mu&#x0364;glich in den                         a&#x0364;u&#x017F;-<lb/>
&#x017F;er&#x017F;ten Frontier-Sta&#x0364;dten zu                         legen/ um bey einem<lb/>
Nohtfall in kurtzer Zeit ein gro&#x017F;&#x017F;es                         Corpo bey&#x017F;am-<lb/>
men zu bringen/ dadurch den Winter u&#x0364;ber den                         Fein-<lb/>
den in &#x017F;tetem Allarm zu halten. Man &#x017F;pricht                         hier<lb/>
anitzo &#x017F;ehr groß von den trefflichen Vortheilen die<lb/>
man                         von Seiner Czaari&#x017F;chen Maje&#x017F;ta&#x0364;t zu erwar-<lb/>
ten hat/                         und unter andern/ daß der&#x017F;elbe in der neg-<lb/>
&#x017F;ten Campagne                         40000 Mann an dem Rhein gegen<lb/>
Franckreich auf eigenen Ko&#x017F;ten                         agiren la&#x017F;&#x017F;en wolle.<lb/>
Man i&#x017F;t auch Seiner                         Czaari&#x017F;chen Maje&#x017F;ta&#x0364;t/ &#x017F;o bald<lb/>
die Campagne                         in Pommern geendiget hier erwar-<lb/>
tend. Un&#x017F;er Seits i&#x017F;t man                         auch bedacht/ die Armee<lb/>
ku&#x0364;nfftiges Jahr in Braband auf 20. a                         25000 Mann<lb/>
zu ver&#x017F;ta&#x0364;rcken/ und eine gro&#x017F;&#x017F;e                         Flotte nach dem Mit-<lb/>
tella&#x0364;ndi&#x017F;chen Meer zu &#x017F;enden;                         Auch i&#x017F;t man im<lb/>
Werck begriffen/ ein gro&#x017F;&#x017F;es                         Kopff-Geld durch alle<lb/>
Provincien/ wovon niemand                         ausge&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en &#x017F;eyn<lb/>
&#x017F;oll/                         aus&#x017F;chreiben zu la&#x017F;&#x017F;en/ um den Krieg neb&#x017F;t                         Se.<lb/>
Maje&#x017F;ta&#x0364;t den Kay&#x017F;er und andern hohen                         Alliirten/<lb/>
mit aller Macht auszufu&#x0364;hren.</p>
            </div><lb/>
            <div type="jArticle">
              <dateline> Haag/ vom 27. Sept.</dateline>
              <p>Bey denen Hochmo&#x0364;-<lb/>
genden Herren Staaten kommen fa&#x017F;t                         ta&#x0364;glich viele<lb/>
Klagen wegen des General Gouvernements ein.                         Der<lb/>
Printz Eugenins klaget &#x017F;ehr/ daß ihm die                         beno&#x0364;htig-<lb/>
te Wagen und andere Sachen zum Dien&#x017F;t der                         Ar-<lb/>
mee nicht ange&#x017F;chaffet/ imgleichen die ruinirten<lb/>
Wercke                         in den Grentz-Sta&#x0364;dten nicht geho&#x0364;rig repari-<lb/>
ret                         wu&#x0364;rden/ fu&#x0364;rnehmlich zu St. Gilain und Mons;<lb/>
Andern                         Theils be&#x017F;chweret &#x017F;ich der Staats-Raht                         zu<lb/>
Bru&#x0364;&#x017F;&#x017F;el &#x017F;ehr/ daß ihnen viele Eingriff                         in ihren Rech-<lb/>
ten ge&#x017F;chehen.</p>
            </div>
          </div><lb/>
          <div type="jPoliticalNews">
            <head> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#fr">Von den Friedens-Tractaten in Engel-<lb/>
land/ und                             dergleichen.</hi> </hi> </head><lb/>
            <div type="jArticle">
              <dateline> Londen/ vom 20 Sept.</dateline>
              <p>Der Lord Lexington hat<lb/>
am Sonnabend &#x017F;eine Commißion als                         Amba&#x017F;&#x017F;adeur<lb/>
nach Spanien/ und wie man meinet/ die                         Jn&#x017F;truction<lb/>
im Raht auch &#x017F;chon empfangen/ um                         na&#x0364;ch&#x017F;tens von<lb/>
Portsmuht nach Corunna u&#x0364;berzugehen.                         Von den<lb/>
Hamiltoni&#x017F;chen Bedienten &#x017F;ind auch &#x017F;chon                         einige<lb/>
nach Franckreich verrei&#x017F;et/ und mo&#x0364;chte der                         Hertzog<lb/>
wol beym Ausgang der Woche folgen. Die durch<lb/><cb/>
den                         er&#x017F;ten Staats-Boten vorigen Donner&#x017F;tag aus<lb/>
Franckreich                         u&#x0364;berbrachte mehr als 500. Pasporten<lb/>
vor Schiffe/ &#x017F;ind                         &#x017F;chon am Sonnabend/ zu 6 Guinees<lb/>
das Stu&#x0364;ck/                         alle&#x017F;ammt vertheilet/ und erwartet man<lb/>
mit einem andern                         ge&#x017F;tern von hier abgegangenen<lb/>
Boten am ku&#x0364;nfftigen                         Donner&#x017F;tag noch 500/ und wird<lb/>
ver&#x017F;ichert/ daß                         daru&#x0364;ber noch 1000. und mehr du&#x0364;rff-<lb/>
ten erfordert werden.                         Mit einem von Bre&#x017F;t zu Co-<lb/>
wes auff Wight arrivirten                         Da&#x0364;ni&#x017F;chen Schiffer hat<lb/>
man/ daß aus da&#x017F;igem Hafen                         alle Frantzo&#x0364;&#x017F;i&#x017F;che<lb/>
Kriegs-Schiffe                         abge&#x017F;egelt wa&#x0364;ren/ auch ver&#x017F;chiedene<lb/>
Capers (deren                         einige/ dem Verlaut nach/ in Duyns<lb/>
und Torbey &#x017F;chon eingelauffen)                         auf die Holla&#x0364;nder<lb/>
zu kreutzen ausgeru&#x0364;&#x017F;tet/ und                         nach dem Spani&#x017F;chen<lb/>
We&#x017F;t-Jndien und der Su&#x0364;d-See                         diver&#x017F;e Schiffe be-<lb/>
frachtet wu&#x0364;rden. Der Author des                         Flying-Po&#x017F;ts<lb/>
ein Presbyteriani&#x017F;cher Schotte/ Mr. Ge.                         Ridpath/<lb/>
wurde ge&#x017F;tern auf Bullingbroocks Ordre/                         wegen<lb/>
ausgegebener auffru&#x0364;hri&#x017F;cher Remarquen gegen                         die<lb/>
Ko&#x0364;nigin und Regierung/ nach Newgate in Verhaft<lb/>
gebracht/                         aber auch/ gleich &#x017F;einem Drucker/ gegen &#x017F;i-<lb/>
chere                         Burg&#x017F;chaft wieder ent&#x017F;chlagen/ um &#x017F;ich                         ku&#x0364;nfftig<lb/>
vor Gericht zu verantworten. Son&#x017F;t i&#x017F;t                         man nicht<lb/>
wenig verwundert/ daß der Pretendent dem                         Fran-<lb/>
tzo&#x0364;&#x017F;i&#x017F;chen Engagement/ darauff man                         di&#x017F;&#x017F;eits vorhin<lb/>
&#x017F;o &#x017F;ehr gedrungen/ zuwider/                         nicht allein im Reiche<lb/>
bleibet/ &#x017F;ondern auch Hertzog von                         Gloce&#x017F;ter allda<lb/>
genennet wird/ welches hier viel Nachdencken/                         und<lb/>
zu allerhand Di&#x017F;cur&#x017F;en Anlaß giebet.</p>
            </div><lb/>
            <div type="jArticle">
              <dateline> Paris/ vom 20. Sept.</dateline>
              <p>Man hoffet zwar wol/<lb/>
daß der Ko&#x0364;nig/ da er nun einen billigen und                                 &#x017F;ehr vor-<lb/>
theilhafftigen Frieden erhalten kan/ zum                                 Tro&#x017F;t &#x017F;einer<lb/>
Unterthanen noch &#x017F;o                                 friedliebend als vor 2. oder 3.<lb/>
Jahren &#x017F;eyn/ und die                                 Gelegenheit nicht verab&#x017F;a&#x0364;u-<lb/>
men werde;                                 inzwi&#x017F;chen ho&#x0364;ret man doch nichts/ als<lb/>
daß nun                                 ver&#x017F;chiedene neue Jmpo&#x017F;ten &#x017F;ollen                                 einge-<lb/>
fu&#x0364;hret werden.</p>
            </div><lb/>
            <div type="jArticle">
              <dateline> Wien/ vom 14. Sept.</dateline>
              <p>Der Kay&#x017F;er hat u&#x0364;ber ge-<lb/>
genwa&#x0364;rtige Affaire                         extraord. Raht gehalten/ und<lb/>
&#x017F;cheinet man hier allenfals zu einem                         Stil&#x017F;tande von<lb/>
7. oder 8 Jahren mehr als zum Frieden zu                         inclini-<lb/>
ren/ weil man der Spani&#x017F;chen Monarchie &#x017F;ich                         nicht<lb/>
gerne begeben wil.</p>
            </div><lb/>
            <div type="jArticle">
              <dateline> Haag/ vom 23. September.</dateline>
              <p>Die Portugi&#x017F;i-<lb/>
&#x017F;che Mini&#x017F;tri ver&#x017F;ichern/ daß                         die Anerbietung eines<lb/>
Still&#x017F;tandes der Waffen mit Franckreich und                         Spa-<lb/>
nien/ von ihren Ko&#x0364;nig genereu&#x017F;ement                         abge&#x017F;chlagen<lb/>
worden/ und daß Se. Maje&#x017F;t. im Gegentheil die                         Lie-<lb/>
ferung der Vivres und Fourage fu&#x0364;r &#x017F;eine                         Troup-<lb/>
pen noch auff ein Jahr accordiren la&#x017F;&#x017F;en.                         Von<lb/>
Madrit hat man/ daß die dortige Regierung/ um<lb/>
den                         zwi&#x017F;chen Engelland/ Franckreich und Spanien<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">ge&#x017F;chlo&#x017F;-</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[3]/0003] Haag/ vom 23. Sept. Die Herren General- Staaten haben eine Miſſive an den Herrn Gene- ral Hompeſch geſandt/ und ihm darinnen bedan- cket vor ſeine gute Conduite und Bravoure/ ſo er in Verthaͤdigung von Dovay bezeuget. Jhro Hoch- moͤgenden Deputirten ſind etliche mahl mit den Mi- niſtern vom Kayſer/ Preuſſen/ Sachſen/ Hanno- ver/ Pfaltz/ Heſſen und andern in Conference gewe- ſen/ um zu eines und des andern Vergnuͤgen die Winter-Quartiere zu reguliren/ und man iſt der Jn- tention ſo viele Trouppen als muͤglich in den aͤuſ- ſerſten Frontier-Staͤdten zu legen/ um bey einem Nohtfall in kurtzer Zeit ein groſſes Corpo beyſam- men zu bringen/ dadurch den Winter uͤber den Fein- den in ſtetem Allarm zu halten. Man ſpricht hier anitzo ſehr groß von den trefflichen Vortheilen die man von Seiner Czaariſchen Majeſtaͤt zu erwar- ten hat/ und unter andern/ daß derſelbe in der neg- ſten Campagne 40000 Mann an dem Rhein gegen Franckreich auf eigenen Koſten agiren laſſen wolle. Man iſt auch Seiner Czaariſchen Majeſtaͤt/ ſo bald die Campagne in Pommern geendiget hier erwar- tend. Unſer Seits iſt man auch bedacht/ die Armee kuͤnfftiges Jahr in Braband auf 20. a 25000 Mann zu verſtaͤrcken/ und eine groſſe Flotte nach dem Mit- tellaͤndiſchen Meer zu ſenden; Auch iſt man im Werck begriffen/ ein groſſes Kopff-Geld durch alle Provincien/ wovon niemand ausgeſchloſſen ſeyn ſoll/ ausſchreiben zu laſſen/ um den Krieg nebſt Se. Majeſtaͤt den Kayſer und andern hohen Alliirten/ mit aller Macht auszufuͤhren. Haag/ vom 27. Sept. Bey denen Hochmoͤ- genden Herren Staaten kommen faſt taͤglich viele Klagen wegen des General Gouvernements ein. Der Printz Eugenins klaget ſehr/ daß ihm die benoͤhtig- te Wagen und andere Sachen zum Dienſt der Ar- mee nicht angeſchaffet/ imgleichen die ruinirten Wercke in den Grentz-Staͤdten nicht gehoͤrig repari- ret wuͤrden/ fuͤrnehmlich zu St. Gilain und Mons; Andern Theils beſchweret ſich der Staats-Raht zu Bruͤſſel ſehr/ daß ihnen viele Eingriff in ihren Rech- ten geſchehen. Von den Friedens-Tractaten in Engel- land/ und dergleichen. Londen/ vom 20 Sept. Der Lord Lexington hat am Sonnabend ſeine Commißion als Ambaſſadeur nach Spanien/ und wie man meinet/ die Jnſtruction im Raht auch ſchon empfangen/ um naͤchſtens von Portsmuht nach Corunna uͤberzugehen. Von den Hamiltoniſchen Bedienten ſind auch ſchon einige nach Franckreich verreiſet/ und moͤchte der Hertzog wol beym Ausgang der Woche folgen. Die durch den erſten Staats-Boten vorigen Donnerſtag aus Franckreich uͤberbrachte mehr als 500. Pasporten vor Schiffe/ ſind ſchon am Sonnabend/ zu 6 Guinees das Stuͤck/ alleſammt vertheilet/ und erwartet man mit einem andern geſtern von hier abgegangenen Boten am kuͤnfftigen Donnerſtag noch 500/ und wird verſichert/ daß daruͤber noch 1000. und mehr duͤrff- ten erfordert werden. Mit einem von Breſt zu Co- wes auff Wight arrivirten Daͤniſchen Schiffer hat man/ daß aus daſigem Hafen alle Frantzoͤſiſche Kriegs-Schiffe abgeſegelt waͤren/ auch verſchiedene Capers (deren einige/ dem Verlaut nach/ in Duyns und Torbey ſchon eingelauffen) auf die Hollaͤnder zu kreutzen ausgeruͤſtet/ und nach dem Spaniſchen Weſt-Jndien und der Suͤd-See diverſe Schiffe be- frachtet wuͤrden. Der Author des Flying-Poſts ein Presbyterianiſcher Schotte/ Mr. Ge. Ridpath/ wurde geſtern auf Bullingbroocks Ordre/ wegen ausgegebener auffruͤhriſcher Remarquen gegen die Koͤnigin und Regierung/ nach Newgate in Verhaft gebracht/ aber auch/ gleich ſeinem Drucker/ gegen ſi- chere Burgſchaft wieder entſchlagen/ um ſich kuͤnfftig vor Gericht zu verantworten. Sonſt iſt man nicht wenig verwundert/ daß der Pretendent dem Fran- tzoͤſiſchen Engagement/ darauff man diſſeits vorhin ſo ſehr gedrungen/ zuwider/ nicht allein im Reiche bleibet/ ſondern auch Hertzog von Gloceſter allda genennet wird/ welches hier viel Nachdencken/ und zu allerhand Diſcurſen Anlaß giebet. Paris/ vom 20. Sept. Man hoffet zwar wol/ daß der Koͤnig/ da er nun einen billigen und ſehr vor- theilhafftigen Frieden erhalten kan/ zum Troſt ſeiner Unterthanen noch ſo friedliebend als vor 2. oder 3. Jahren ſeyn/ und die Gelegenheit nicht verabſaͤu- men werde; inzwiſchen hoͤret man doch nichts/ als daß nun verſchiedene neue Jmpoſten ſollen einge- fuͤhret werden. Wien/ vom 14. Sept. Der Kayſer hat uͤber ge- genwaͤrtige Affaire extraord. Raht gehalten/ und ſcheinet man hier allenfals zu einem Stilſtande von 7. oder 8 Jahren mehr als zum Frieden zu inclini- ren/ weil man der Spaniſchen Monarchie ſich nicht gerne begeben wil. Haag/ vom 23. September. Die Portugiſi- ſche Miniſtri verſichern/ daß die Anerbietung eines Stillſtandes der Waffen mit Franckreich und Spa- nien/ von ihren Koͤnig genereuſement abgeſchlagen worden/ und daß Se. Majeſt. im Gegentheil die Lie- ferung der Vivres und Fourage fuͤr ſeine Troup- pen noch auff ein Jahr accordiren laſſen. Von Madrit hat man/ daß die dortige Regierung/ um den zwiſchen Engelland/ Franckreich und Spanien geſchloſ-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Britt-Marie Schuster: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-01T14:43:40Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Manuel Wille: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-01T14:43:40Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Arnika Lutz: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-01T14:43:40Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.

Weitere Informationen:

Die Transkription erfolgte nach den unter http://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat formulierten Richtlinien.

Verfahren der Texterfassung: manuell (doppelt erfasst).




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hc_300110_1712
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hc_300110_1712/3
Zitationshilfe: Der Hollsteinische unpartheyische Correspondente. Nr. 30, Hamburg, 1. Oktober 1712, S. [3]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_300110_1712/3>, abgerufen am 28.05.2022.