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Staats/ und Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 31, Hamburg, 12. August 1721.

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[Spaltenumbruch] ehemaligen Savoyschen Secretair auf den Con-
greß zu Utrecht, angefangene Handelung wegen
einer Heyraht des Printzen von Piemont mit der
Jnfantin Donna Francisca, des Königs einzi-
gen Schwester, zum Schluß bringen. Die in
Curland stehende Czaarische Trouppen sollen Or-
dre zum Marsch bekommen haben, wohin aber,
ist unbewust.




Von neuen merckwürdigen
gelehrten Sachen.

Zu Braunschweig sind vor einiger Zeit ans Licht
getreten: H. A. E. G. v. D. poetische Neben-Stun-
den, bestehend in Satyrischen Ehren und vermisch-
ten Gedichten. Verlegts Ludolpf Schröder, 8.
Man siehet gar leicht, daß der berühmte Herr Raht
Eccard Autor von diesem Wercke sey; dabey man
gestehen muß, daß diese Gedichte allerdings ihre
Hochachtung verdienen; Und ob zwar hie und da
einige wenige poetische Freyheiten, die gar zu ge-
naue Beurtheiler vielleicht als Fehler ansehen
möchten, welche aber dabey zu bedencken haben,
daß viel leichter sey, ein Gedicht zu tadeln, als zu
schreiben, mit unterlauffen, so sind doch dieselbe
so beschaffen, daß sie dem Auctori das Lob eines
sinnreichen und geschickten Poeten keines Weges
streitig machen können. Die Beschreibung sei-
ner bey jungen Jahren vorgenommenen Reise ist
anmuhtig und wohl zu lesen, und die Ubersetzung
von der Dicht-Kunst Horatii weiset Verständigen
gar leicht, daß der Herr Auctor auch hierin was
fürtrefliches zu leisten fähig sey.

Herr Philipp Heinrich Zollmann aus Zeitz ge-
bürtig, so bereits 1715. eine Lebens-Beschreibung
des vorigen Königes in Schweden in 8. drucken
lassen, arbeitet jetzo an dem Leben des jetzigen
Czaars. Man hat sich hievon viel Gutes zu ver-
sprechen indem der Autor dazu allerhand curio-
se
Nachrichten bekommen.

Der am 24. Martii dieses jetzt lauffenden Jahrs
verstorbene Syndicus der Academie zum Kiel, Pe-
trus Musaeus,
hat das Licht dieser Welt erblicket
Anno 1660. den 9. Januarii. Sein Vater war
der gelehrte und berühmte Theologus Petrus Mu-
saeus,
der zu Rinteln, Helmstädt und Kiel die Pro-
fess. Theol.
und auf der letzteren Universität auch
das Procancellariat viele Jahre verwaltet. Die
Mutter aber Anna Margaretha, eines Predigers
zu Hameln, M. Henr. Sannemanns Tochter. Nach-
dem er nun in seinen jungen Jahren einen aufge-
weckten Geist, der zu Begreiff und Erlernung nütz-
licher Wissenschafften erfodert wird, blicken ließ,
so wurde er dem Studiren gewidmet; und obgleich
[Spaltenumbruch] seine Eltern ihm, da er nur 15. Jahr alt, alle beyde
bereits von der Seite gerissen, legete er doch durch
guten Fleiß auch nach deren Tode so gute Funda-
menta,
daß er nachgehends von jederman tüchtig
und geschickt gehalten ward, die Academien mit
guten Nutzen zu besuchen. Jnsonderheit mun-
terte ihn auf das vorleuchtende Exempel seines
fürtrefflichen Bruders Simon Henr. J. U. D. und
berühmten Professoris zum Kiel, der seiner stattli-
chen Verdienste, und ins besondere der heraus ge-
gebenen Schrift de Jure Caesaris in Parmam & Pla-
centiam
halber, in den Adelstand von Jhro Kay-
serl. Majest. glorwürdigsten Andenckens erhoben
worden. Zu dem Ende bediente er sich zuvorderst
der öffentlichen und privat-Lectionen der weltbe-
rühmten Männer nahmentlich Morhofii, Rache-
lii, Martini, Reyheri
und anderer mehr. Hierauf
und zwar im Jahr 1680. erwählete er die Univer-
sit
ät Giessen zu seinen Auffenthalt, dessen Lehrer,
und sonderlich Nitscius, Hertius, Kulpisius, seiner
Begierde, etwas gründliches zu erlernen, auf alle
A[r]th und Weise ein Genüge zu leisten sich bemühe-
ten: Von Giessen begab er sich nach Leipzig, und
von da nach Jene diesem ihn rühmlich fürgesetzten
Zweck völlig zu befördern. Nunmehr war es
Zeit, die so wol aus Büchern, als auch Erfahrung
und mündlicher Unterrichtung geschöpfete Klug-
heit und eingesammlete Wissenschafften, seinem
Vaterlande in der Ausübung hinwieder mitzu-
theilen. Wann er nun eben dadurch sich einen
sonderbahren Ruhm bey Verständigen erworben,
und dan die Academie zum Kiel sothane Gaben
des Herrn Musaei in Betracht gezogen, so ward er
1689 zum Secretario und 1707. zum Syndico de-
roselben ernennet. Solcher übernommenen Be-
dienung hat er biß ans Ende seines Lebens mit Nu-
tzen und Ruhm fürgestanden. Wie denn auch in-
sonderheit die Hollsteinische Noblesse in dero An-
gelegenheiten sich seines klugen Rahts und Fleis-
ses fleißig bedienet. Und gleichwie er die Sa-
chen welche sein Vaterland angiengen, sehr wohl
inne hatte; so bemühete er sich auch sehr, alle die-
jenigen Bücher und rare Mss. allerwärts aufzu-
treiben, welche hiezu dienen. Seine hinterlas-
sene auserlesen[e] Bibliothec kan hievon ein unver-
werffliches Zeugniß ablegen. Seine Kranckheit
betreffend, so wurde er vom Nieren-Stein sehr an-
gegriffen, welche Kranckheit denn auch dergestalt
über hand genommen, daß er ohngeachtet aller an-
gewandten Hülffs Mittel daran zu grossem Leyd-
Wesen der Academie und der Seinigen verschieden.




Wegen Vielheit der Materien folgen hierbey
noch 2. Blädter ohne Entgelt.

[Ende Spaltensatz]

[Spaltenumbruch] ehemaligen Savoyſchen Secretair auf den Con-
greß zu Utrecht, angefangene Handelung wegen
einer Heyraht des Printzen von Piemont mit der
Jnfantin Donna Franciſca, des Koͤnigs einzi-
gen Schweſter, zum Schluß bringen. Die in
Curland ſtehende Czaariſche Trouppen ſollen Or-
dre zum Marſch bekommen haben, wohin aber,
iſt unbewuſt.




Von neuen merckwuͤrdigen
gelehrten Sachen.

Zu Braunſchweig ſind vor einiger Zeit ans Licht
getreten: H. A. E. G. v. D. poetiſche Neben-Stun-
den, beſtehend in Satyriſchen Ehren und vermiſch-
ten Gedichten. Verlegts Ludolpf Schroͤder, 8.
Man ſiehet gar leicht, daß der beruͤhmte Herr Raht
Eccard Autor von dieſem Wercke ſey; dabey man
geſtehen muß, daß dieſe Gedichte allerdings ihre
Hochachtung verdienen; Und ob zwar hie und da
einige wenige poetiſche Freyheiten, die gar zu ge-
naue Beurtheiler vielleicht als Fehler anſehen
moͤchten, welche aber dabey zu bedencken haben,
daß viel leichter ſey, ein Gedicht zu tadeln, als zu
ſchreiben, mit unterlauffen, ſo ſind doch dieſelbe
ſo beſchaffen, daß ſie dem Auctori das Lob eines
ſinnreichen und geſchickten Poeten keines Weges
ſtreitig machen koͤnnen. Die Beſchreibung ſei-
ner bey jungen Jahren vorgenommenen Reiſe iſt
anmuhtig und wohl zu leſen, und die Uberſetzung
von der Dicht-Kunſt Horatii weiſet Verſtaͤndigen
gar leicht, daß der Herr Auctor auch hierin was
fuͤrtrefliches zu leiſten faͤhig ſey.

Herr Philipp Heinrich Zollmann aus Zeitz ge-
buͤrtig, ſo bereits 1715. eine Lebens-Beſchreibung
des vorigen Koͤniges in Schweden in 8. drucken
laſſen, arbeitet jetzo an dem Leben des jetzigen
Czaars. Man hat ſich hievon viel Gutes zu ver-
ſprechen indem der Autor dazu allerhand curio-
ſe
Nachrichten bekommen.

Der am 24. Martii dieſes jetzt lauffenden Jahrs
verſtorbene Syndicus der Academie zum Kiel, Pe-
trus Muſæus,
hat das Licht dieſer Welt erblicket
Anno 1660. den 9. Januarii. Sein Vater war
der gelehrte und beruͤhmte Theologus Petrus Mu-
ſæus,
der zu Rinteln, Helmſtaͤdt und Kiel die Pro-
feſſ. Theol.
und auf der letzteren Univerſitaͤt auch
das Procancellariat viele Jahre verwaltet. Die
Mutter aber Anna Margaretha, eines Predigers
zu Hameln, M. Henr. Sannemanns Tochter. Nach-
dem er nun in ſeinen jungen Jahren einen aufge-
weckten Geiſt, der zu Begreiff und Erlernung nuͤtz-
licher Wiſſenſchafften erfodert wird, blicken ließ,
ſo wurde er dem Studiren gewidmet; und obgleich
[Spaltenumbruch] ſeine Eltern ihm, da er nur 15. Jahr alt, alle beyde
bereits von der Seite geriſſen, legete er doch durch
guten Fleiß auch nach deren Tode ſo gute Funda-
menta,
daß er nachgehends von jederman tuͤchtig
und geſchickt gehalten ward, die Academien mit
guten Nutzen zu beſuchen. Jnſonderheit mun-
terte ihn auf das vorleuchtende Exempel ſeines
fuͤrtrefflichen Bruders Simon Henr. J. U. D. und
beruͤhmten Profeſſoris zum Kiel, der ſeiner ſtattli-
chen Verdienſte, und ins beſondere der heraus ge-
gebenen Schrift de Jure Cæſaris in Parmam & Pla-
centiam
halber, in den Adelſtand von Jhro Kay-
ſerl. Majeſt. glorwuͤrdigſten Andenckens erhoben
worden. Zu dem Ende bediente er ſich zuvorderſt
der oͤffentlichen und privat-Lectionen der weltbe-
ruͤhmten Maͤnner nahmentlich Morhofii, Rache-
lii, Martini, Reyheri
und anderer mehr. Hierauf
und zwar im Jahr 1680. erwaͤhlete er die Univer-
ſit
aͤt Gieſſen zu ſeinen Auffenthalt, deſſen Lehrer,
und ſonderlich Nitſcius, Hertius, Kulpiſius, ſeiner
Begierde, etwas gruͤndliches zu erlernen, auf alle
A[r]th und Weiſe ein Genuͤge zu leiſten ſich bemuͤhe-
ten: Von Gieſſen begab er ſich nach Leipzig, und
von da nach Jene dieſem ihn ruͤhmlich fuͤrgeſetzten
Zweck voͤllig zu befoͤrdern. Nunmehr war es
Zeit, die ſo wol aus Buͤchern, als auch Erfahrung
und muͤndlicher Unterrichtung geſchoͤpfete Klug-
heit und eingeſammlete Wiſſenſchafften, ſeinem
Vaterlande in der Ausuͤbung hinwieder mitzu-
theilen. Wann er nun eben dadurch ſich einen
ſonderbahren Ruhm bey Verſtaͤndigen erworben,
und dan die Academie zum Kiel ſothane Gaben
des Herrn Muſæi in Betracht gezogen, ſo ward er
1689 zum Secretario und 1707. zum Syndico de-
roſelben ernennet. Solcher uͤbernom̃enen Be-
dienung hat er biß ans Ende ſeines Lebens mit Nu-
tzen und Ruhm fuͤrgeſtanden. Wie denn auch in-
ſonderheit die Hollſteiniſche Nobleſſe in dero An-
gelegenheiten ſich ſeines klugen Rahts und Fleiſ-
ſes fleißig bedienet. Und gleichwie er die Sa-
chen welche ſein Vaterland angiengen, ſehr wohl
inne hatte; ſo bemuͤhete er ſich auch ſehr, alle die-
jenigen Buͤcher und rare Mss. allerwaͤrts aufzu-
treiben, welche hiezu dienen. Seine hinterlaſ-
ſene auserleſen[e] Bibliothec kan hievon ein unver-
werffliches Zeugniß ablegen. Seine Kranckheit
betreffend, ſo wurde er vom Nieren-Stein ſehr an-
gegriffen, welche Kranckheit denn auch dergeſtalt
uͤber hand genommen, daß er ohngeachtet aller an-
gewandten Huͤlffs Mittel daran zu groſſem Leyd-
Weſen der Academie und der Seinigen verſchiedẽ.




Wegen Vielheit der Materien folgen hierbey
noch 2. Blaͤdter ohne Entgelt.

[Ende Spaltensatz]
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[[4]/0004] ehemaligen Savoyſchen Secretair auf den Con- greß zu Utrecht, angefangene Handelung wegen einer Heyraht des Printzen von Piemont mit der Jnfantin Donna Franciſca, des Koͤnigs einzi- gen Schweſter, zum Schluß bringen. Die in Curland ſtehende Czaariſche Trouppen ſollen Or- dre zum Marſch bekommen haben, wohin aber, iſt unbewuſt. Von neuen merckwuͤrdigen gelehrten Sachen. Zu Braunſchweig ſind vor einiger Zeit ans Licht getreten: H. A. E. G. v. D. poetiſche Neben-Stun- den, beſtehend in Satyriſchen Ehren und vermiſch- ten Gedichten. Verlegts Ludolpf Schroͤder, 8. Man ſiehet gar leicht, daß der beruͤhmte Herr Raht Eccard Autor von dieſem Wercke ſey; dabey man geſtehen muß, daß dieſe Gedichte allerdings ihre Hochachtung verdienen; Und ob zwar hie und da einige wenige poetiſche Freyheiten, die gar zu ge- naue Beurtheiler vielleicht als Fehler anſehen moͤchten, welche aber dabey zu bedencken haben, daß viel leichter ſey, ein Gedicht zu tadeln, als zu ſchreiben, mit unterlauffen, ſo ſind doch dieſelbe ſo beſchaffen, daß ſie dem Auctori das Lob eines ſinnreichen und geſchickten Poeten keines Weges ſtreitig machen koͤnnen. Die Beſchreibung ſei- ner bey jungen Jahren vorgenommenen Reiſe iſt anmuhtig und wohl zu leſen, und die Uberſetzung von der Dicht-Kunſt Horatii weiſet Verſtaͤndigen gar leicht, daß der Herr Auctor auch hierin was fuͤrtrefliches zu leiſten faͤhig ſey. Herr Philipp Heinrich Zollmann aus Zeitz ge- buͤrtig, ſo bereits 1715. eine Lebens-Beſchreibung des vorigen Koͤniges in Schweden in 8. drucken laſſen, arbeitet jetzo an dem Leben des jetzigen Czaars. Man hat ſich hievon viel Gutes zu ver- ſprechen indem der Autor dazu allerhand curio- ſe Nachrichten bekommen. Der am 24. Martii dieſes jetzt lauffenden Jahrs verſtorbene Syndicus der Academie zum Kiel, Pe- trus Muſæus, hat das Licht dieſer Welt erblicket Anno 1660. den 9. Januarii. Sein Vater war der gelehrte und beruͤhmte Theologus Petrus Mu- ſæus, der zu Rinteln, Helmſtaͤdt und Kiel die Pro- feſſ. Theol. und auf der letzteren Univerſitaͤt auch das Procancellariat viele Jahre verwaltet. Die Mutter aber Anna Margaretha, eines Predigers zu Hameln, M. Henr. Sannemanns Tochter. Nach- dem er nun in ſeinen jungen Jahren einen aufge- weckten Geiſt, der zu Begreiff und Erlernung nuͤtz- licher Wiſſenſchafften erfodert wird, blicken ließ, ſo wurde er dem Studiren gewidmet; und obgleich ſeine Eltern ihm, da er nur 15. Jahr alt, alle beyde bereits von der Seite geriſſen, legete er doch durch guten Fleiß auch nach deren Tode ſo gute Funda- menta, daß er nachgehends von jederman tuͤchtig und geſchickt gehalten ward, die Academien mit guten Nutzen zu beſuchen. Jnſonderheit mun- terte ihn auf das vorleuchtende Exempel ſeines fuͤrtrefflichen Bruders Simon Henr. J. U. D. und beruͤhmten Profeſſoris zum Kiel, der ſeiner ſtattli- chen Verdienſte, und ins beſondere der heraus ge- gebenen Schrift de Jure Cæſaris in Parmam & Pla- centiam halber, in den Adelſtand von Jhro Kay- ſerl. Majeſt. glorwuͤrdigſten Andenckens erhoben worden. Zu dem Ende bediente er ſich zuvorderſt der oͤffentlichen und privat-Lectionen der weltbe- ruͤhmten Maͤnner nahmentlich Morhofii, Rache- lii, Martini, Reyheri und anderer mehr. Hierauf und zwar im Jahr 1680. erwaͤhlete er die Univer- ſitaͤt Gieſſen zu ſeinen Auffenthalt, deſſen Lehrer, und ſonderlich Nitſcius, Hertius, Kulpiſius, ſeiner Begierde, etwas gruͤndliches zu erlernen, auf alle Arth und Weiſe ein Genuͤge zu leiſten ſich bemuͤhe- ten: Von Gieſſen begab er ſich nach Leipzig, und von da nach Jene dieſem ihn ruͤhmlich fuͤrgeſetzten Zweck voͤllig zu befoͤrdern. Nunmehr war es Zeit, die ſo wol aus Buͤchern, als auch Erfahrung und muͤndlicher Unterrichtung geſchoͤpfete Klug- heit und eingeſammlete Wiſſenſchafften, ſeinem Vaterlande in der Ausuͤbung hinwieder mitzu- theilen. Wann er nun eben dadurch ſich einen ſonderbahren Ruhm bey Verſtaͤndigen erworben, und dan die Academie zum Kiel ſothane Gaben des Herrn Muſæi in Betracht gezogen, ſo ward er 1689 zum Secretario und 1707. zum Syndico de- roſelben ernennet. Solcher uͤbernom̃enen Be- dienung hat er biß ans Ende ſeines Lebens mit Nu- tzen und Ruhm fuͤrgeſtanden. Wie denn auch in- ſonderheit die Hollſteiniſche Nobleſſe in dero An- gelegenheiten ſich ſeines klugen Rahts und Fleiſ- ſes fleißig bedienet. Und gleichwie er die Sa- chen welche ſein Vaterland angiengen, ſehr wohl inne hatte; ſo bemuͤhete er ſich auch ſehr, alle die- jenigen Buͤcher und rare Mss. allerwaͤrts aufzu- treiben, welche hiezu dienen. Seine hinterlaſ- ſene auserleſene Bibliothec kan hievon ein unver- werffliches Zeugniß ablegen. Seine Kranckheit betreffend, ſo wurde er vom Nieren-Stein ſehr an- gegriffen, welche Kranckheit denn auch dergeſtalt uͤber hand genommen, daß er ohngeachtet aller an- gewandten Huͤlffs Mittel daran zu groſſem Leyd- Weſen der Academie und der Seinigen verſchiedẽ. Wegen Vielheit der Materien folgen hierbey noch 2. Blaͤdter ohne Entgelt.

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Manuel Wille: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-01T14:43:40Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
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Zitationshilfe: Staats/ und Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 31, Hamburg, 12. August 1721, S. [4]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_311208_1721/4>, abgerufen am 26.02.2021.