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Stats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, Nr. 78, 16. Mai 1736.

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[Spaltenumbruch] fertiget, um von der Ankunft der Prinzeßin Nach-
richt zu ertheilen. Um 1. Uhr kam Jhro Hoheit nach
Greenwig, stiegen daselbst ans Land, und wurden
in des Königes Carosse nebst dem Herrn de la Ware
nach des Königes Pallast gebracht. Um 3. Uhr
giengen Jhro Hoheiten an die Tafel, und um halb
5. Uhr reisete der Prinz von Wallis von St. James
ab, um die Prinzeßin zu bewillkommen, und verweilte
sich eine Stunde bey derselben. Gestern Mittag spei-
sete der Prinz von Wallis mit der Prinzeßin, kam
aber gegen den Abend wieder nach St. James, allwo
viel 1000. Menschen sich in dem Park befanden, um
Jhro Hoheit zu sehen, welche diesen Nachmittag
nebst dero Suite in der Gutsche des Königes von ei-
nem Detachement der Leib-Guarde zu Pferde beglei-
tet, nach Lambeth kam, von dar in der Königl. Bar-
que nach Whitehall, und ferner mit Sr. Majestät
Sänfte durch den Park nach dem Pallast von St.
James gebracht wurde, woselbst der Hof sehr zahl-
reich und prächtig war um höchstdieselbe zu empfan-
gen. Jhro Hoheiten haben daselbst mit den Kö-
niglichen Prinzeßinnen gespeiset, am Abend aber um
8. Uhr wird die Proceßion unter Begleitung vieler
Herren nach der Capelle ihren Anfang nehmen, und
um 10. Uhr offene Tafel seyn. Morgen wird der
Adel die Complimente wegen dieser Vermählung
ablegen, am Abend aber Ball seyn.


Den 2ten dieses traff Se. Majestät von Ram-
bouillet zu Versailles ein. Den Herzog von Maine
hat man zwar schon für tod gehalten; allein es ist
nichts daran, wiewol er noch sehr krank ist. Von
seinem Regiment Carabiner hat er abgedankt, und
ist solches dem Prinzen von Dombes wiederum ge-
geben worden. Den 2ten dieses hat der erste Prä-
sident des Parlaments Unpäßlichkeit wegen sich zur
Ader gelassen. Da aber die Binde des Nachts im
Schlaff ihm aufgegangen: hat er sich dergestalt ver-
blutet, daß er den Morgen darauf seinen Geist auf-
gegeben; und ist dieser Sterbfall Ursache, daß der
Herzog von Chatillon, Fleury und Epernon nun
erst nach Pfingsten ins Parlament eingeführet wer-
den sollen, und daß der Mörder des Abts Couet
noch nicht executiret ist. Man hält dafür, daß der
Siegelbewahrer ihm succediren werde. Der auf
der Jnsul Corsica angelangte Fremde soll ein Preus-
sischer, andere sagen ein Bayrischer Baron von Neu-
hofen seyn. Unter seinen Schrifften nennet er sich
anjetzo Theodore premier, unter welchem Namen
er auch von den Corsicanern zum König proclamiret
[Spaltenumbruch] worden. Von Livorno hat man, daß der daselbst
angekommene Kayserliche Commissarius sich mit
dem Herzog von Montemar und den Groß-Herzog-
lichen Ministern wegen des Einmarsches der Kay-
serl. Trouppen in Toscano und besonders in selbi-
gem Orte bereden wolle. Jn Dauphine und Pro-
vence werden sich einige unserer Trouppen zusam-
men ziehen, um denen in Jtalien eine freye Passage
zu machen, wenn etwan der König von Sardinien
ihnen, vermöge einer Verbindung mit Spanien und
einer andern sichern Potenz, den Durchzug dispu-
tirlich machen sollte, als die von dem Friedenswerk
nicht völlig zufrieden. Ausser dem Regiment zu
Pferde, so dem Könige Stanislao zur Guarde die-
nen soll, wird man auch noch 100. Mann der besten
Unter-Officiers aus dem Königl. Jnvaliden-Hause
zu eben dem Zweck aussuchen. Der Kayserl. Am-
bassadeur von Schmerling hat einen Courier von
Wien erhalten, wessen mitgebrachte Depechen so-
gleich den Königl. Ministern communiciret wor-
den. Der Mörder des Abts Couet hat in der Jn-
quisition ausgesagt, daß er demselben deshalben den
Stich beygebracht, weil er ihm an einer Mariage
verhinderlich gewesen wäre, und thäte ihm nur leyd,
daß er nicht gleich auf der Stelle tod geblieben. Er
hätte auch aus eben der Ursache ein gleiches mit dem
Pfarrherrn von St. Marguerite im Sinn gehabt,
und mit 2. Obrigkeitlichen Personen, die ihn vor-
mals in Verhafft setzen lassen, da er sich noch aus ei-
nem Fenster salviret. Sein Urtheil ist indeß den
2ten dieses dahin ausgefallen, daß ihm eine Hand
soll abgehauen, vor der Kirche de Notre-Dame Bus-
se thun, geradbrechet und noch halblebend auf dem
Platz de Greve ins Feuer geworfen werden; und
würde diese Strafe schon exequiret seyn, wenn nicht
der Tod des Parlaments-Präsidenten darzwischen
kommen wäre. Es läufft anjetzo ein Gerüchte, daß
die halbe Stadt Rom abgebrannt sey, und daß der
Papst selber kaum der Flamme entlauffen können.


Der Herzog von Aremberg wird auf Ordre Sr.
Kayserl. Majestät nach Wien sich erheben. Vor ei-
nigen Tagen langte der Prinz von Robecq-Mont-
morenci allhier an, um von den dem Hause Serclaas-
Tilli zugehörigen Gütern, so der Marquis de Res-
ves bisher besessen, der aber vor kurzen in Holland
gestorben, Besitz zu nehmen. Das Cavallerie-Re-
giment de Hauft, so bisher zu Tournai und Menin in
Garnison gelegen, hat von den Herren General-
Staaten Befehl erhalten nach Namur, und das von

[Spaltenumbruch] fertiget, um von der Ankunft der Prinzeßin Nach-
richt zu ertheilen. Um 1. Uhr kam Jhro Hoheit nach
Greenwig, ſtiegen daſelbſt ans Land, und wurden
in des Koͤniges Caroſſe nebſt dem Herrn de la Ware
nach des Koͤniges Pallaſt gebracht. Um 3. Uhr
giengen Jhro Hoheiten an die Tafel, und um halb
5. Uhr reiſete der Prinz von Wallis von St. James
ab, um die Prinzeßin zu bewillkommen, und verweilte
ſich eine Stunde bey derſelben. Geſtern Mittag ſpei-
ſete der Prinz von Wallis mit der Prinzeßin, kam
aber gegen den Abend wieder nach St. James, allwo
viel 1000. Menſchen ſich in dem Park befanden, um
Jhro Hoheit zu ſehen, welche dieſen Nachmittag
nebſt dero Suite in der Gutſche des Koͤniges von ei-
nem Detachement der Leib-Guarde zu Pferde beglei-
tet, nach Lambeth kam, von dar in der Koͤnigl. Bar-
que nach Whitehall, und ferner mit Sr. Majeſtaͤt
Saͤnfte durch den Park nach dem Pallaſt von St.
James gebracht wurde, woſelbſt der Hof ſehr zahl-
reich und praͤchtig war um hoͤchſtdieſelbe zu empfan-
gen. Jhro Hoheiten haben daſelbſt mit den Koͤ-
niglichen Prinzeßinnen geſpeiſet, am Abend aber um
8. Uhr wird die Proceßion unter Begleitung vieler
Herren nach der Capelle ihren Anfang nehmen, und
um 10. Uhr offene Tafel ſeyn. Morgen wird der
Adel die Complimente wegen dieſer Vermaͤhlung
ablegen, am Abend aber Ball ſeyn.


Den 2ten dieſes traff Se. Majeſtaͤt von Ram-
bouillet zu Verſailles ein. Den Herzog von Maine
hat man zwar ſchon fuͤr tod gehalten; allein es iſt
nichts daran, wiewol er noch ſehr krank iſt. Von
ſeinem Regiment Carabiner hat er abgedankt, und
iſt ſolches dem Prinzen von Dombes wiederum ge-
geben worden. Den 2ten dieſes hat der erſte Praͤ-
ſident des Parlaments Unpaͤßlichkeit wegen ſich zur
Ader gelaſſen. Da aber die Binde des Nachts im
Schlaff ihm aufgegangen: hat er ſich dergeſtalt ver-
blutet, daß er den Morgen darauf ſeinen Geiſt auf-
gegeben; und iſt dieſer Sterbfall Urſache, daß der
Herzog von Chatillon, Fleury und Epernon nun
erſt nach Pfingſten ins Parlament eingefuͤhret wer-
den ſollen, und daß der Moͤrder des Abts Couet
noch nicht executiret iſt. Man haͤlt dafuͤr, daß der
Siegelbewahrer ihm ſuccediren werde. Der auf
der Jnſul Corſica angelangte Fremde ſoll ein Preuſ-
ſiſcher, andere ſagen ein Bayriſcher Baron von Neu-
hofen ſeyn. Unter ſeinen Schrifften nennet er ſich
anjetzo Theodore premier, unter welchem Namen
er auch von den Corſicanern zum Koͤnig proclamiret
[Spaltenumbruch] worden. Von Livorno hat man, daß der daſelbſt
angekommene Kayſerliche Commiſſarius ſich mit
dem Herzog von Montemar und den Groß-Herzog-
lichen Miniſtern wegen des Einmarſches der Kay-
ſerl. Trouppen in Toſcano und beſonders in ſelbi-
gem Orte bereden wolle. Jn Dauphine und Pro-
vence werden ſich einige unſerer Trouppen zuſam-
men ziehen, um denen in Jtalien eine freye Paſſage
zu machen, wenn etwan der Koͤnig von Sardinien
ihnen, vermoͤge einer Verbindung mit Spanien und
einer andern ſichern Potenz, den Durchzug diſpu-
tirlich machen ſollte, als die von dem Friedenswerk
nicht voͤllig zufrieden. Auſſer dem Regiment zu
Pferde, ſo dem Koͤnige Stanislao zur Guarde die-
nen ſoll, wird man auch noch 100. Mann der beſten
Unter-Officiers aus dem Koͤnigl. Jnvaliden-Hauſe
zu eben dem Zweck ausſuchen. Der Kayſerl. Am-
baſſadeur von Schmerling hat einen Courier von
Wien erhalten, weſſen mitgebrachte Depechen ſo-
gleich den Koͤnigl. Miniſtern communiciret wor-
den. Der Moͤrder des Abts Couet hat in der Jn-
quiſition ausgeſagt, daß er demſelben deshalben den
Stich beygebracht, weil er ihm an einer Mariage
verhinderlich geweſen waͤre, und thaͤte ihm nur leyd,
daß er nicht gleich auf der Stelle tod geblieben. Er
haͤtte auch aus eben der Urſache ein gleiches mit dem
Pfarrherrn von St. Marguerite im Sinn gehabt,
und mit 2. Obrigkeitlichen Perſonen, die ihn vor-
mals in Verhafft ſetzen laſſen, da er ſich noch aus ei-
nem Fenſter ſalviret. Sein Urtheil iſt indeß den
2ten dieſes dahin ausgefallen, daß ihm eine Hand
ſoll abgehauen, vor der Kirche de Notre-Dame Buſ-
ſe thun, geradbrechet und noch halblebend auf dem
Platz de Greve ins Feuer geworfen werden; und
wuͤrde dieſe Strafe ſchon exequiret ſeyn, wenn nicht
der Tod des Parlaments-Praͤſidenten darzwiſchen
kommen waͤre. Es laͤufft anjetzo ein Geruͤchte, daß
die halbe Stadt Rom abgebrannt ſey, und daß der
Papſt ſelber kaum der Flamme entlauffen koͤnnen.


Der Herzog von Aremberg wird auf Ordre Sr.
Kayſerl. Majeſtaͤt nach Wien ſich erheben. Vor ei-
nigen Tagen langte der Prinz von Robecq-Mont-
morenci allhier an, um von den dem Hauſe Serclaas-
Tilli zugehoͤrigen Guͤtern, ſo der Marquis de Res-
ves bisher beſeſſen, der aber vor kurzen in Holland
geſtorben, Beſitz zu nehmen. Das Cavallerie-Re-
giment de Hauft, ſo bisher zu Tournai und Menin in
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[[2]/0002] fertiget, um von der Ankunft der Prinzeßin Nach- richt zu ertheilen. Um 1. Uhr kam Jhro Hoheit nach Greenwig, ſtiegen daſelbſt ans Land, und wurden in des Koͤniges Caroſſe nebſt dem Herrn de la Ware nach des Koͤniges Pallaſt gebracht. Um 3. Uhr giengen Jhro Hoheiten an die Tafel, und um halb 5. Uhr reiſete der Prinz von Wallis von St. James ab, um die Prinzeßin zu bewillkommen, und verweilte ſich eine Stunde bey derſelben. Geſtern Mittag ſpei- ſete der Prinz von Wallis mit der Prinzeßin, kam aber gegen den Abend wieder nach St. James, allwo viel 1000. Menſchen ſich in dem Park befanden, um Jhro Hoheit zu ſehen, welche dieſen Nachmittag nebſt dero Suite in der Gutſche des Koͤniges von ei- nem Detachement der Leib-Guarde zu Pferde beglei- tet, nach Lambeth kam, von dar in der Koͤnigl. Bar- que nach Whitehall, und ferner mit Sr. Majeſtaͤt Saͤnfte durch den Park nach dem Pallaſt von St. James gebracht wurde, woſelbſt der Hof ſehr zahl- reich und praͤchtig war um hoͤchſtdieſelbe zu empfan- gen. Jhro Hoheiten haben daſelbſt mit den Koͤ- niglichen Prinzeßinnen geſpeiſet, am Abend aber um 8. Uhr wird die Proceßion unter Begleitung vieler Herren nach der Capelle ihren Anfang nehmen, und um 10. Uhr offene Tafel ſeyn. Morgen wird der Adel die Complimente wegen dieſer Vermaͤhlung ablegen, am Abend aber Ball ſeyn. Paris, den 7. May. Den 2ten dieſes traff Se. Majeſtaͤt von Ram- bouillet zu Verſailles ein. Den Herzog von Maine hat man zwar ſchon fuͤr tod gehalten; allein es iſt nichts daran, wiewol er noch ſehr krank iſt. Von ſeinem Regiment Carabiner hat er abgedankt, und iſt ſolches dem Prinzen von Dombes wiederum ge- geben worden. Den 2ten dieſes hat der erſte Praͤ- ſident des Parlaments Unpaͤßlichkeit wegen ſich zur Ader gelaſſen. Da aber die Binde des Nachts im Schlaff ihm aufgegangen: hat er ſich dergeſtalt ver- blutet, daß er den Morgen darauf ſeinen Geiſt auf- gegeben; und iſt dieſer Sterbfall Urſache, daß der Herzog von Chatillon, Fleury und Epernon nun erſt nach Pfingſten ins Parlament eingefuͤhret wer- den ſollen, und daß der Moͤrder des Abts Couet noch nicht executiret iſt. Man haͤlt dafuͤr, daß der Siegelbewahrer ihm ſuccediren werde. Der auf der Jnſul Corſica angelangte Fremde ſoll ein Preuſ- ſiſcher, andere ſagen ein Bayriſcher Baron von Neu- hofen ſeyn. Unter ſeinen Schrifften nennet er ſich anjetzo Theodore premier, unter welchem Namen er auch von den Corſicanern zum Koͤnig proclamiret worden. Von Livorno hat man, daß der daſelbſt angekommene Kayſerliche Commiſſarius ſich mit dem Herzog von Montemar und den Groß-Herzog- lichen Miniſtern wegen des Einmarſches der Kay- ſerl. Trouppen in Toſcano und beſonders in ſelbi- gem Orte bereden wolle. Jn Dauphine und Pro- vence werden ſich einige unſerer Trouppen zuſam- men ziehen, um denen in Jtalien eine freye Paſſage zu machen, wenn etwan der Koͤnig von Sardinien ihnen, vermoͤge einer Verbindung mit Spanien und einer andern ſichern Potenz, den Durchzug diſpu- tirlich machen ſollte, als die von dem Friedenswerk nicht voͤllig zufrieden. Auſſer dem Regiment zu Pferde, ſo dem Koͤnige Stanislao zur Guarde die- nen ſoll, wird man auch noch 100. Mann der beſten Unter-Officiers aus dem Koͤnigl. Jnvaliden-Hauſe zu eben dem Zweck ausſuchen. Der Kayſerl. Am- baſſadeur von Schmerling hat einen Courier von Wien erhalten, weſſen mitgebrachte Depechen ſo- gleich den Koͤnigl. Miniſtern communiciret wor- den. Der Moͤrder des Abts Couet hat in der Jn- quiſition ausgeſagt, daß er demſelben deshalben den Stich beygebracht, weil er ihm an einer Mariage verhinderlich geweſen waͤre, und thaͤte ihm nur leyd, daß er nicht gleich auf der Stelle tod geblieben. Er haͤtte auch aus eben der Urſache ein gleiches mit dem Pfarrherrn von St. Marguerite im Sinn gehabt, und mit 2. Obrigkeitlichen Perſonen, die ihn vor- mals in Verhafft ſetzen laſſen, da er ſich noch aus ei- nem Fenſter ſalviret. Sein Urtheil iſt indeß den 2ten dieſes dahin ausgefallen, daß ihm eine Hand ſoll abgehauen, vor der Kirche de Notre-Dame Buſ- ſe thun, geradbrechet und noch halblebend auf dem Platz de Greve ins Feuer geworfen werden; und wuͤrde dieſe Strafe ſchon exequiret ſeyn, wenn nicht der Tod des Parlaments-Praͤſidenten darzwiſchen kommen waͤre. Es laͤufft anjetzo ein Geruͤchte, daß die halbe Stadt Rom abgebrannt ſey, und daß der Papſt ſelber kaum der Flamme entlauffen koͤnnen. Bruͤſſel, den 7. May. Der Herzog von Aremberg wird auf Ordre Sr. Kayſerl. Majeſtaͤt nach Wien ſich erheben. Vor ei- nigen Tagen langte der Prinz von Robecq-Mont- morenci allhier an, um von den dem Hauſe Serclaas- Tilli zugehoͤrigen Guͤtern, ſo der Marquis de Res- ves bisher beſeſſen, der aber vor kurzen in Holland geſtorben, Beſitz zu nehmen. Das Cavallerie-Re- giment de Hauft, ſo bisher zu Tournai und Menin in Garniſon gelegen, hat von den Herren General- Staaten Befehl erhalten nach Namur, und das von

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Zitationshilfe: Stats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, Nr. 78, 16. Mai 1736, S. [2]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_781605_1736/2>, abgerufen am 17.09.2021.