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Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: System der Wissenschaft. Erster Theil: Die Phänomenologie des Geistes. Bamberg u. a., 1807.

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c.
Der Werkmeister.

Der Geist erscheint also hier als der Werkmeister,
und sein Thun, wodurch er sich selbst als Gegen-
stand hervorbringt, aber den Gedanken seiner noch
nicht erfasst hat, ist ein instinctartiges Arbeiten, wie
die Bienen ihre Zellen bauen.

Die erste Form, weil sie die unmittelbare ist, ist
sie die abstracte des Verstandes, und das Werk noch
nicht an ihm selbst vom Geiste erfüllt. Die Krystalle
der Pyramiden und Obelisken, einfache Verbindun-
gen gerader Linien, mit ebnen Oberflächen und glei-
chen Verhältnissen der Theile, an denen die Incommen-
surabilität des Runden vertilgt ist, sind die Arbeiten
dieses Werkmeisters der strengen Form. Um der
blossen Verständigkeit der Form willen ist sie nicht
ihre Bedeutung an ihr selbst, nicht das geistige Selbst.
Die Werke empfangen also nur den Geist entweder
in sich, als einen fremden abgeschiednen Geist, der
seine lebendige Durchdringung mit der Wirklichkeit
verlaffen, selbst todt in diese des Lebens entbehrende
Krystallc einkehrt; -- oder sie beziehen sich äuffer-
lich auf ihn als auf einen solchen, der selbst äusserlich
und nicht als Geist da ist -- als auf das aufgehende
Licht, das seine Bedeutung auf sie wirft.

Die Trennung, von welcher der arbeitende Geist
ausgeht, des Ansichseyns, das zum Stoffe wird, den er

c.
Der Werkmeister.

Der Geist erscheint also hier als der Werkmeister,
und sein Thun, wodurch er sich selbst als Gegen-
stand hervorbringt, aber den Gedanken seiner noch
nicht erfaſst hat, ist ein instinctartiges Arbeiten, wie
die Bienen ihre Zellen bauen.

Die erste Form, weil sie die unmittelbare ist, ist
sie die abstracte des Verstandes, und das Werk noch
nicht an ihm selbst vom Geiste erfüllt. Die Kryſtalle
der Pyramiden und Obelisken, einfache Verbindun-
gen gerader Linien, mit ebnen Oberflächen und glei-
chen Verhältniſſen der Theile, an denen die Incommen-
surabilität des Runden vertilgt ist, sind die Arbeiten
dieses Werkmeisters der strengen Form. Um der
bloſsen Verständigkeit der Form willen ist sie nicht
ihre Bedeutung an ihr selbst, nicht das geistige Selbst.
Die Werke empfangen also nur den Geist entweder
in sich, als einen fremden abgeschiednen Geist, der
seine lebendige Durchdringung mit der Wirklichkeit
verlaffen, selbst todt in diese des Lebens entbehrende
Kryſtallc einkehrt; — oder sie beziehen sich äuffer-
lich auf ihn als auf einen solchen, der selbst äuſſerlich
und nicht als Geist da ist — als auf das aufgehende
Licht, das seine Bedeutung auf sie wirft.

Die Trennung, von welcher der arbeitende Geist
ausgeht, des Ansichseyns, das zum Stoffe wird, den er

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[645/0754] c. Der Werkmeister. Der Geist erscheint also hier als der Werkmeister, und sein Thun, wodurch er sich selbst als Gegen- stand hervorbringt, aber den Gedanken seiner noch nicht erfaſst hat, ist ein instinctartiges Arbeiten, wie die Bienen ihre Zellen bauen. Die erste Form, weil sie die unmittelbare ist, ist sie die abstracte des Verstandes, und das Werk noch nicht an ihm selbst vom Geiste erfüllt. Die Kryſtalle der Pyramiden und Obelisken, einfache Verbindun- gen gerader Linien, mit ebnen Oberflächen und glei- chen Verhältniſſen der Theile, an denen die Incommen- surabilität des Runden vertilgt ist, sind die Arbeiten dieses Werkmeisters der strengen Form. Um der bloſsen Verständigkeit der Form willen ist sie nicht ihre Bedeutung an ihr selbst, nicht das geistige Selbst. Die Werke empfangen also nur den Geist entweder in sich, als einen fremden abgeschiednen Geist, der seine lebendige Durchdringung mit der Wirklichkeit verlaffen, selbst todt in diese des Lebens entbehrende Kryſtallc einkehrt; — oder sie beziehen sich äuffer- lich auf ihn als auf einen solchen, der selbst äuſſerlich und nicht als Geist da ist — als auf das aufgehende Licht, das seine Bedeutung auf sie wirft. Die Trennung, von welcher der arbeitende Geist ausgeht, des Ansichseyns, das zum Stoffe wird, den er

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Zitationshilfe: Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: System der Wissenschaft. Erster Theil: Die Phänomenologie des Geistes. Bamberg u. a., 1807, S. 645. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hegel_phaenomenologie_1807/754>, abgerufen am 15.04.2021.