Heidegger, Gotthard: Mythoscopia Romantica oder Discours Von den so benanten Romans. Zürich, 1698.Discours von den Rom. Thier überhand nehmen/ und dieMenschen übermeistern. Dises wäre von den Romanen nicht zubesorgen/ wenn sie niemand lesen wurde. Es könte kein Ohnheil drauß entstehen. Das Jagen diene zur Gesundheit deß Leibes/ occupiere die edle Geister nicht/ man könne dabey seinen wichti- gen Gedancken sehr komlich obligen; Ep. Tom. I. Ep. 241.wie Doctor Luther ein fein Exempel erzehlt/ daß er auff einer Jagd mitge- west/ und bey Anlaß der eroberten Häßgen/ und Pernisen allegorisiert/ wie der Teuffel als ein abgefäumter Jäger durch seine Spür-Hünd/ die Sectierer/ also die Einfeltigen auffzu- treiben und abzufangen pflege etc. aber wie gesagt/ steht hierin die übermaß nicht zuentschuldigen. Es rühmts niemand daß mancher Nimbrod den Armen nimt das Brod und gibet es den Hunden: Es heists niemand gut/ daß mancher Herr sich auff Jagd täglich heiser schreyen soll/ der kaum reden kan/ wenn einem armen Under- thanen Bescheid zugeben ist. LVIII. Was die Music belangt/ Ge-
Diſcours von den Rom. Thier uͤberhand nehmen/ und dieMenſchen uͤbermeiſtern. Diſes waͤre von den Romanen nicht zubeſorgen/ wenn ſie niemand leſen wurde. Es koͤnte kein Ohnheil drauß entſtehen. Das Jagen diene zur Geſundheit deß Leibes/ occupiere die edle Geiſter nicht/ man koͤnne dabey ſeinen wichti- gen Gedancken ſehr komlich obligen; Ep. Tom. I. Ep. 241.wie Doctor Luther ein fein Exempel erzehlt/ daß er auff einer Jagd mitge- weſt/ und bey Anlaß der eroberten Haͤßgen/ und Perniſen allegoriſiert/ wie der Teuffel als ein abgefaͤumter Jaͤger durch ſeine Spuͤr-Huͤnd/ die Sectierer/ alſo die Einfeltigen auffzu- treiben und abzufangen pflege ꝛc. aber wie geſagt/ ſteht hierin die uͤbermaß nicht zuentſchuldigen. Es ruͤhmts niemand daß mancher Nimbrod den Armen nimt das Brod und gibet es den Hunden: Es heiſts niemand gut/ daß mancher Herꝛ ſich auff Jagd taͤglich heiſer ſchreyen ſoll/ der kaum reden kan/ wenn einem armen Under- thanen Beſcheid zugeben iſt. LVIII. Was die Muſic belangt/ Ge-
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Diſcours von den Rom.
Thier uͤberhand nehmen/ und die
Menſchen uͤbermeiſtern. Diſes waͤre
von den Romanen nicht zubeſorgen/
wenn ſie niemand leſen wurde. Es
koͤnte kein Ohnheil drauß entſtehen.
Das Jagen diene zur Geſundheit deß
Leibes/ occupiere die edle Geiſter
nicht/ man koͤnne dabey ſeinen wichti-
gen Gedancken ſehr komlich obligen;
wie Doctor Luther ein fein Exempel
erzehlt/ daß er auff einer Jagd mitge-
weſt/ und bey Anlaß der eroberten
Haͤßgen/ und Perniſen allegoriſiert/
wie der Teuffel als ein abgefaͤumter
Jaͤger durch ſeine Spuͤr-Huͤnd/ die
Sectierer/ alſo die Einfeltigen auffzu-
treiben und abzufangen pflege ꝛc. aber
wie geſagt/ ſteht hierin die uͤbermaß
nicht zuentſchuldigen. Es ruͤhmts
niemand daß mancher Nimbrod den
Armen nimt das Brod und gibet
es den Hunden: Es heiſts niemand
gut/ daß mancher Herꝛ ſich auff Jagd
taͤglich heiſer ſchreyen ſoll/ der kaum
reden kan/ wenn einem armen Under-
thanen Beſcheid zugeben iſt.
Ep. Tom.
I. Ep. 241.
LVIII. Was die Muſic belangt/
hat ſie (ſo meldete man foͤrders) ohn-
fehlbare Nußbarkeiten Gemuͤth und
Ge-
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| Zitationshilfe: | Heidegger, Gotthard: Mythoscopia Romantica oder Discours Von den so benanten Romans. Zürich, 1698, S. 68. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/heidegger_mythoscopia_1698/116>, abgerufen am 06.08.2024. |


