Heidegger, Gotthard: Mythoscopia Romantica oder Discours Von den so benanten Romans. Zürich, 1698.Rom. oder Liebesgeschichten/ &c. cher-schreiben ins gemein/ und wol-te behauptet werden/ daß der Satan lang zuschaffen hette/ ehe er so vil auß- richten wurde/ alß durch Venerische Bücher zu stand käme. Dise werenEph. VI. 8. gleichsam seine feurige Pfeil/ die aller- ding weiter drungen/ alß er selbst. Und wäre nach dem Außspruch der al- lerweisesten kein gedeylicherer Werk- zeng zuverderben/ als ein schlimmes Buch. Niemand verlangte deren zu- gedenken/ die außtrücklich mit Höl- würdigen Lobreden und Anleitungen von solcher Materi einst und neulich geschriben/ und mit samt dem ehr-ver- gessenen Papier in Molochs Arme hetten sollen geworffen werden; Es scheinet ja/ als wann die Namsung selbst kaum erlaublich/ und ist ohne zweifel niemand/ der noch mit sich re- den laßt/ und nicht zum Thier/ oder wie die alten sagten/ zum Kathkefer wor- den/ zufinden/ dem davor nicht von Herzen grauwet. Also bliebe man al- lein über den so genanten Romanen, oder erdichteten Liebes-Geschichten etwas versaumt stehen/ und beliebte di- se Materi zu gründlicherer Unterfor- schung. IX. All-
Rom. oder Liebesgeſchichten/ &c. cher-ſchreiben ins gemein/ und wol-te behauptet werden/ daß der Satan lang zuſchaffen hette/ ehe er ſo vil auß- richten wurde/ alß durch Veneriſche Buͤcher zu ſtand kaͤme. Diſe werenEph. VI. 8. gleichſam ſeine feurige Pfeil/ die aller- ding weiter drungen/ alß er ſelbſt. Und waͤre nach dem Außſpruch der al- lerweiſeſten kein gedeylicherer Werk- zeng zuverderben/ als ein ſchlimmes Buch. Niemand verlangte deren zu- gedenken/ die außtruͤcklich mit Hoͤl- wuͤrdigen Lobreden und Anleitungen von ſolcher Materi einſt und neulich geſchriben/ und mit ſamt dem ehr-ver- geſſenen Papier in Molochs Arme hetten ſollen geworffen werden; Es ſcheinet ja/ als wann die Namſung ſelbſt kaum erlaublich/ und iſt ohne zweifel niemand/ der noch mit ſich re- den laßt/ und nicht zum Thier/ oder wie die alten ſagten/ zum Kathkefer wor- den/ zufinden/ dem davor nicht von Herzen grauwet. Alſo bliebe man al- lein uͤber den ſo genanten Romanen, oder erdichteten Liebes-Geſchichten etwas verſaumt ſtehen/ und beliebte di- ſe Materi zu gruͤndlicherer Unterfor- ſchung. IX. All-
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lang zuſchaffen hette/ ehe er ſo vil auß-
richten wurde/ alß durch Veneriſche
Buͤcher zu ſtand kaͤme. Diſe weren
gleichſam ſeine feurige Pfeil/ die aller-
ding weiter drungen/ alß er ſelbſt.
Und waͤre nach dem Außſpruch der al-
lerweiſeſten kein gedeylicherer Werk-
zeng zuverderben/ als ein ſchlimmes
Buch. Niemand verlangte deren zu-
gedenken/ die außtruͤcklich mit Hoͤl-
wuͤrdigen Lobreden und Anleitungen
von ſolcher Materi einſt und neulich
geſchriben/ und mit ſamt dem ehr-ver-
geſſenen Papier in Molochs Arme
hetten ſollen geworffen werden; Es
ſcheinet ja/ als wann die Namſung
ſelbſt kaum erlaublich/ und iſt ohne
zweifel niemand/ der noch mit ſich re-
den laßt/ und nicht zum Thier/ oder wie
die alten ſagten/ zum Kathkefer wor-
den/ zufinden/ dem davor nicht von
Herzen grauwet. Alſo bliebe man al-
lein uͤber den ſo genanten Romanen,
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etwas verſaumt ſtehen/ und beliebte di-
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| Zitationshilfe: | Heidegger, Gotthard: Mythoscopia Romantica oder Discours Von den so benanten Romans. Zürich, 1698, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/heidegger_mythoscopia_1698/59>, abgerufen am 06.08.2024. |


