Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Herbart, Johann Friedrich: Psychologie als Wissenschaft. Bd. 2. Königsberg, 1825.

Bild:
<< vorherige Seite

und statt r [Formel 1] kommt nun r [Formel 2] .
Die Wirkung der stärkeren Kraft eilt jetzt
viel schneller ihrer minder weit gesteckten
Gränze zu
.

Statt P und P nehmen wir jetzt eine Folge von
Wahrnehmungen, a, b, c. Hier wird das sinkende b
zugleich mit dem mehr gesunkenen a und dem minder
gesunkenen c verschmolzen seyn. Gesetzt, nach einer
Weile werde eine, dem b gleichartige Vorstellung neu
gegeben: so erhebt sich b, und mit ihm zugleich a und c,
aber auf verschiedene Weise. Nämlich b ist jetzt für a,
was zuvor P für P, aber zugleich ist b für c, was vor-
hin P für P. Also b hebt a schneller, aber min-
der hoch; es hebt zugleich c langsamer, aber
höher
. Dadurch wird a wie ein vorangehendes, c wie
ein nachfolgendes vorgestellt.

Oder aber, es werde eine, dem a gleichartige Vor-
stellung neu gegeben. So hebt sich a; und mit ihm stei-
gen b und c; aber in so fern auf verschiedene Weise,
als von a mehr verschmolzen ist mit b wie mit c, da-
her es b schneller, aber darum nicht höher hebt
als
c. So läuft hier die Reproduction in der nämlichen
Folge, worin die Wahrnehmung gegeben war. -- Die-
ses muss man näher bestimmen durch die Untersuchun-
gen über das Maximum und das nachfolgende Sinken der
reproducirten Vorstellung (§. 88. u. s. w.)

Oder endlich, es werde eine dem c gleichartige Vor-
stellung neu gegeben: so erhebt sich c, und reproducirt
a und b. Nun war c mit diesen beyden zugleich ver-
schmolzen; dabey befand es sich selbst in einerley Zu-
stande, allein ein grösseres Quantum von b, ein kleine-
res von a ist mit c verschmolzen. Die Geschwindigkeit
also, welche c dem a und dem b ertheilt, ist eine und
dieselbe Function der Zeit, allein mit einer verschiedenen
Constante; und es wird dadurch ein grösseres
Quantum von b als von a gehoben
. Die Erinne-

und statt ρ [Formel 1] kommt nun r [Formel 2] .
Die Wirkung der stärkeren Kraft eilt jetzt
viel schneller ihrer minder weit gesteckten
Gränze zu
.

Statt P und Π nehmen wir jetzt eine Folge von
Wahrnehmungen, a, b, c. Hier wird das sinkende b
zugleich mit dem mehr gesunkenen a und dem minder
gesunkenen c verschmolzen seyn. Gesetzt, nach einer
Weile werde eine, dem b gleichartige Vorstellung neu
gegeben: so erhebt sich b, und mit ihm zugleich a und c,
aber auf verschiedene Weise. Nämlich b ist jetzt für a,
was zuvor Π für P, aber zugleich ist b für c, was vor-
hin P für Π. Also b hebt a schneller, aber min-
der hoch; es hebt zugleich c langsamer, aber
höher
. Dadurch wird a wie ein vorangehendes, c wie
ein nachfolgendes vorgestellt.

Oder aber, es werde eine, dem a gleichartige Vor-
stellung neu gegeben. So hebt sich a; und mit ihm stei-
gen b und c; aber in so fern auf verschiedene Weise,
als von a mehr verschmolzen ist mit b wie mit c, da-
her es b schneller, aber darum nicht höher hebt
als
c. So läuft hier die Reproduction in der nämlichen
Folge, worin die Wahrnehmung gegeben war. — Die-
ses muſs man näher bestimmen durch die Untersuchun-
gen über das Maximum und das nachfolgende Sinken der
reproducirten Vorstellung (§. 88. u. s. w.)

Oder endlich, es werde eine dem c gleichartige Vor-
stellung neu gegeben: so erhebt sich c, und reproducirt
a und b. Nun war c mit diesen beyden zugleich ver-
schmolzen; dabey befand es sich selbst in einerley Zu-
stande, allein ein gröſseres Quantum von b, ein kleine-
res von a ist mit c verschmolzen. Die Geschwindigkeit
also, welche c dem a und dem b ertheilt, ist eine und
dieselbe Function der Zeit, allein mit einer verschiedenen
Constante; und es wird dadurch ein gröſseres
Quantum von b als von a gehoben
. Die Erinne-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0167" n="132"/>
und statt <hi rendition="#i">&#x03C1;</hi> <formula/> kommt nun <hi rendition="#i">r</hi> <formula/>.<lb/><hi rendition="#g">Die Wirkung der stärkeren Kraft eilt jetzt<lb/>
viel schneller ihrer minder weit gesteckten<lb/>
Gränze zu</hi>.</p><lb/>
              <p>Statt <hi rendition="#i">P</hi> und &#x03A0; nehmen wir jetzt eine Folge von<lb/>
Wahrnehmungen, <hi rendition="#i">a</hi>, <hi rendition="#i">b</hi>, <hi rendition="#i">c</hi>. Hier wird das sinkende <hi rendition="#i">b</hi><lb/>
zugleich mit dem mehr gesunkenen <hi rendition="#i">a</hi> und dem minder<lb/>
gesunkenen <hi rendition="#i">c</hi> verschmolzen seyn. Gesetzt, nach einer<lb/>
Weile werde eine, dem <hi rendition="#i">b</hi> gleichartige Vorstellung neu<lb/>
gegeben: so erhebt sich <hi rendition="#i">b</hi>, und mit ihm zugleich <hi rendition="#i">a</hi> und <hi rendition="#i">c</hi>,<lb/>
aber auf verschiedene Weise. Nämlich <hi rendition="#i">b</hi> ist jetzt für <hi rendition="#i">a</hi>,<lb/>
was zuvor &#x03A0; für <hi rendition="#i">P</hi>, aber zugleich ist <hi rendition="#i">b</hi> für <hi rendition="#i">c</hi>, was vor-<lb/>
hin <hi rendition="#i">P</hi> für &#x03A0;. <hi rendition="#g">Also <hi rendition="#i">b</hi> hebt <hi rendition="#i">a</hi> schneller, aber min-<lb/>
der hoch; es hebt zugleich <hi rendition="#i">c</hi> langsamer, aber<lb/>
höher</hi>. Dadurch wird <hi rendition="#i">a</hi> wie ein vorangehendes, <hi rendition="#i">c</hi> wie<lb/>
ein nachfolgendes vorgestellt.</p><lb/>
              <p>Oder aber, es werde eine, dem <hi rendition="#i">a</hi> gleichartige Vor-<lb/>
stellung neu gegeben. So hebt sich <hi rendition="#i">a;</hi> und mit ihm stei-<lb/>
gen <hi rendition="#i">b</hi> und <hi rendition="#i">c</hi>; aber in so fern auf verschiedene Weise,<lb/>
als von <hi rendition="#i">a</hi> mehr verschmolzen ist mit <hi rendition="#i">b</hi> wie mit <hi rendition="#i">c</hi>, <hi rendition="#g">da-<lb/>
her es <hi rendition="#i">b</hi> schneller, aber darum nicht höher hebt<lb/>
als</hi> <hi rendition="#i">c</hi>. So läuft hier die Reproduction in der nämlichen<lb/>
Folge, worin die Wahrnehmung gegeben war. &#x2014; Die-<lb/>
ses mu&#x017F;s man näher bestimmen durch die Untersuchun-<lb/>
gen über das Maximum und das nachfolgende Sinken der<lb/>
reproducirten Vorstellung (§. 88. u. s. w.)</p><lb/>
              <p>Oder endlich, es werde eine dem <hi rendition="#i">c</hi> gleichartige Vor-<lb/>
stellung neu gegeben: so erhebt sich <hi rendition="#i">c</hi>, und reproducirt<lb/><hi rendition="#i">a</hi> und <hi rendition="#i">b</hi>. Nun war <hi rendition="#i">c</hi> mit diesen beyden zugleich ver-<lb/>
schmolzen; dabey befand es sich selbst in einerley Zu-<lb/>
stande, allein ein grö&#x017F;seres Quantum von <hi rendition="#i">b</hi>, ein kleine-<lb/>
res von <hi rendition="#i">a</hi> ist mit <hi rendition="#i">c</hi> verschmolzen. Die Geschwindigkeit<lb/>
also, welche <hi rendition="#i">c</hi> dem <hi rendition="#i">a</hi> und dem <hi rendition="#i">b</hi> ertheilt, ist eine und<lb/>
dieselbe Function der Zeit, allein mit einer verschiedenen<lb/>
Constante; und <hi rendition="#g">es wird dadurch ein grö&#x017F;seres<lb/>
Quantum von <hi rendition="#i">b</hi> als von <hi rendition="#i">a</hi> gehoben</hi>. Die Erinne-<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[132/0167] und statt ρ [FORMEL] kommt nun r [FORMEL]. Die Wirkung der stärkeren Kraft eilt jetzt viel schneller ihrer minder weit gesteckten Gränze zu. Statt P und Π nehmen wir jetzt eine Folge von Wahrnehmungen, a, b, c. Hier wird das sinkende b zugleich mit dem mehr gesunkenen a und dem minder gesunkenen c verschmolzen seyn. Gesetzt, nach einer Weile werde eine, dem b gleichartige Vorstellung neu gegeben: so erhebt sich b, und mit ihm zugleich a und c, aber auf verschiedene Weise. Nämlich b ist jetzt für a, was zuvor Π für P, aber zugleich ist b für c, was vor- hin P für Π. Also b hebt a schneller, aber min- der hoch; es hebt zugleich c langsamer, aber höher. Dadurch wird a wie ein vorangehendes, c wie ein nachfolgendes vorgestellt. Oder aber, es werde eine, dem a gleichartige Vor- stellung neu gegeben. So hebt sich a; und mit ihm stei- gen b und c; aber in so fern auf verschiedene Weise, als von a mehr verschmolzen ist mit b wie mit c, da- her es b schneller, aber darum nicht höher hebt als c. So läuft hier die Reproduction in der nämlichen Folge, worin die Wahrnehmung gegeben war. — Die- ses muſs man näher bestimmen durch die Untersuchun- gen über das Maximum und das nachfolgende Sinken der reproducirten Vorstellung (§. 88. u. s. w.) Oder endlich, es werde eine dem c gleichartige Vor- stellung neu gegeben: so erhebt sich c, und reproducirt a und b. Nun war c mit diesen beyden zugleich ver- schmolzen; dabey befand es sich selbst in einerley Zu- stande, allein ein gröſseres Quantum von b, ein kleine- res von a ist mit c verschmolzen. Die Geschwindigkeit also, welche c dem a und dem b ertheilt, ist eine und dieselbe Function der Zeit, allein mit einer verschiedenen Constante; und es wird dadurch ein gröſseres Quantum von b als von a gehoben. Die Erinne-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/herbart_psychologie02_1825
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/herbart_psychologie02_1825/167
Zitationshilfe: Herbart, Johann Friedrich: Psychologie als Wissenschaft. Bd. 2. Königsberg, 1825, S. 132. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/herbart_psychologie02_1825/167>, abgerufen am 30.11.2021.