Herder, Johann Gottfried von: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit. Bd. 1. Riga u. a., 1784.Verschiedenheiten giebet; so ist man doch in diesem Reich Alle Pflanzen wachsen hin und wieder wild in der Welt; bürgart, *) Linnei philosoph. botanica ist für mehrere Wissenschaften ein
claßisches Muster; hätten wir eine philosophia anthropolo- gica dieser Art, mit der Kürze und vielseitigen Genauigkeit ge- schrieben: so wäre ein Leitfaden da, dem jede hinzukommen- de Bemerkung folgen könnte. Der Abt Soulavie hat in sei- ner hist. naturelle de la France meridionale (P. II. T. I.) einen Entwurf zur allgemeinen physischen Geogra- phie des Pflanzenreichs gegeben und verspricht ihn auch über Thiere und Menschen Verſchiedenheiten giebet; ſo iſt man doch in dieſem Reich Alle Pflanzen wachſen hin und wieder wild in der Welt; buͤrgart, *) Linnei philoſoph. botanica iſt fuͤr mehrere Wiſſenſchaften ein
claßiſches Muſter; haͤtten wir eine philoſophia anthropolo- gica dieſer Art, mit der Kuͤrze und vielſeitigen Genauigkeit ge- ſchrieben: ſo waͤre ein Leitfaden da, dem jede hinzukommen- de Bemerkung folgen koͤnnte. Der Abt Soulaviè hat in ſei- ner hiſt. naturelle de la France meridionale (P. II. T. I.) einen Entwurf zur allgemeinen phyſiſchen Geogra- phie des Pflanzenreichs gegeben und verſpricht ihn auch uͤber Thiere und Menſchen <TEI> <text> <body> <div> <div n="2"> <p><pb facs="#f0094" n="72"/> Verſchiedenheiten giebet; ſo iſt man doch in dieſem Reich<lb/> des Pluto noch lange nicht zu der <hi rendition="#fr">allgemeinen geographi-<lb/> ſchen Ueberſicht</hi> und zu den ordnenden Grundſaͤtzen gekom-<lb/> men als im ſchoͤnen Reich der Flora. Die <hi rendition="#fr">botaniſche Phi-<lb/> loſophie</hi> <note place="foot" n="*)"><hi rendition="#aq">Linnei philoſoph. botanica</hi> iſt fuͤr mehrere Wiſſenſchaften ein<lb/> claßiſches Muſter; haͤtten wir eine <hi rendition="#aq">philoſophia anthropolo-<lb/> gica</hi> dieſer Art, mit der Kuͤrze und vielſeitigen Genauigkeit ge-<lb/> ſchrieben: ſo waͤre ein Leitfaden da, dem jede hinzukommen-<lb/> de Bemerkung folgen koͤnnte. Der Abt <hi rendition="#aq">Soulaviè</hi> hat in ſei-<lb/> ner <hi rendition="#aq">hiſt. naturelle de la France meridionale (P. II. T. I.)</hi><lb/> einen <hi rendition="#fr">Entwurf zur allgemeinen phyſiſchen Geogra-<lb/> phie des Pflanzenreichs</hi> gegeben und verſpricht ihn auch uͤber<lb/><hi rendition="#fr">Thiere</hi> und <hi rendition="#fr">Menſchen</hi></note>, die Pflanzen nach der Hoͤhe und Beſchaffen-<lb/> heit des Bodens, der Luft, des Waſſers, der Waͤrme ordnet,<lb/> iſt alſo eine augenſcheinliche Leiterin zu einer aͤhnlichen Phi-<lb/> loſophie in Ordnung der Thiere und Menſchen.</p><lb/> <p>Alle Pflanzen wachſen hin und wieder wild in der Welt;<lb/> auch unſre Kunſtgewaͤchſe ſind aus dem Schoos der freien<lb/> Natur, wo ſie in ihrem Himmelsſtrich in groͤßeſter Vollkom-<lb/> menheit wachſen. Mit den Thieren und Menſchen iſts nicht<lb/> anders: denn jede Menſchenart organiſirt ſich in ihrem Erd-<lb/> ſtrich zu der ihr natuͤrlichſten Weiſe. Jede Erde, jede Ge-<lb/> <fw place="bottom" type="catch">buͤrgart,</fw><lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [72/0094]
Verſchiedenheiten giebet; ſo iſt man doch in dieſem Reich
des Pluto noch lange nicht zu der allgemeinen geographi-
ſchen Ueberſicht und zu den ordnenden Grundſaͤtzen gekom-
men als im ſchoͤnen Reich der Flora. Die botaniſche Phi-
loſophie *), die Pflanzen nach der Hoͤhe und Beſchaffen-
heit des Bodens, der Luft, des Waſſers, der Waͤrme ordnet,
iſt alſo eine augenſcheinliche Leiterin zu einer aͤhnlichen Phi-
loſophie in Ordnung der Thiere und Menſchen.
Alle Pflanzen wachſen hin und wieder wild in der Welt;
auch unſre Kunſtgewaͤchſe ſind aus dem Schoos der freien
Natur, wo ſie in ihrem Himmelsſtrich in groͤßeſter Vollkom-
menheit wachſen. Mit den Thieren und Menſchen iſts nicht
anders: denn jede Menſchenart organiſirt ſich in ihrem Erd-
ſtrich zu der ihr natuͤrlichſten Weiſe. Jede Erde, jede Ge-
buͤrgart,
*) Linnei philoſoph. botanica iſt fuͤr mehrere Wiſſenſchaften ein
claßiſches Muſter; haͤtten wir eine philoſophia anthropolo-
gica dieſer Art, mit der Kuͤrze und vielſeitigen Genauigkeit ge-
ſchrieben: ſo waͤre ein Leitfaden da, dem jede hinzukommen-
de Bemerkung folgen koͤnnte. Der Abt Soulaviè hat in ſei-
ner hiſt. naturelle de la France meridionale (P. II. T. I.)
einen Entwurf zur allgemeinen phyſiſchen Geogra-
phie des Pflanzenreichs gegeben und verſpricht ihn auch uͤber
Thiere und Menſchen
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
| URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/herder_geschichte01_1784 |
| URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/herder_geschichte01_1784/94 |
| Zitationshilfe: | Herder, Johann Gottfried von: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit. Bd. 1. Riga u. a., 1784, S. 72. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/herder_geschichte01_1784/94>, abgerufen am 11.09.2024. |


