"Wirkungen des Wohlklanges und des Poe- "tischen Ausdrucks zu versichern. Sie "wünschten sich unter einander Glück, daß "eben dieselben Genien, die den Muth ge- "habt, die erhabensten Wahrheiten der irr- "dischen Wissenschaft zum Gegenstande ihres "Gesanges zu nehmen, und sich in die Olym- "pischen Sphären, den Wohnplaz höherer "Naturen, zu schwingen; uns auch den wah- "ren heroischen Vers, den Hexameter der "Griechen und Römer, in aller seiner Ver- "schiedenheit und schönsten Harmonie hervor- "gebracht haben." * Ein Gedicht in He- xametern folgte auf das andere. Noah und Jacob und Joseph und Rahel und Abraham und Telemach und Sündfluthen und Frag- mente, und Hymnen, und Briefe, lebendige und todte -- keinem Menschen kam es ein, ihn gegen den Hexameter der Alten recht zu prüfen -- bis es der that, der vielleicht selbst die härtesten unter allen geschrieben hatte: Oest, der Verfasser des Siechbettes.
Hier
* Th. 10. p. 355.
H
„Wirkungen des Wohlklanges und des Poe- „tiſchen Ausdrucks zu verſichern. Sie „wuͤnſchten ſich unter einander Gluͤck, daß „eben dieſelben Genien, die den Muth ge- „habt, die erhabenſten Wahrheiten der irr- „diſchen Wiſſenſchaft zum Gegenſtande ihres „Geſanges zu nehmen, und ſich in die Olym- „piſchen Sphaͤren, den Wohnplaz hoͤherer „Naturen, zu ſchwingen; uns auch den wah- „ren heroiſchen Vers, den Hexameter der „Griechen und Roͤmer, in aller ſeiner Ver- „ſchiedenheit und ſchoͤnſten Harmonie hervor- „gebracht haben.„ * Ein Gedicht in He- xametern folgte auf das andere. Noah und Jacob und Joſeph und Rahel und Abraham und Telemach und Suͤndfluthen und Frag- mente, und Hymnen, und Briefe, lebendige und todte — keinem Menſchen kam es ein, ihn gegen den Hexameter der Alten recht zu pruͤfen — bis es der that, der vielleicht ſelbſt die haͤrteſten unter allen geſchrieben hatte: Oeſt, der Verfaſſer des Siechbettes.
Hier
* Th. 10. p. 355.
H
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0117"n="113"/>„Wirkungen des Wohlklanges und des Poe-<lb/>„tiſchen Ausdrucks zu verſichern. Sie<lb/>„wuͤnſchten ſich unter einander Gluͤck, daß<lb/>„eben dieſelben Genien, die den Muth ge-<lb/>„habt, die erhabenſten Wahrheiten der irr-<lb/>„diſchen Wiſſenſchaft zum Gegenſtande ihres<lb/>„Geſanges zu nehmen, und ſich in die Olym-<lb/>„piſchen Sphaͤren, den Wohnplaz hoͤherer<lb/>„Naturen, zu ſchwingen; uns auch den wah-<lb/>„ren heroiſchen Vers, den Hexameter der<lb/>„Griechen und Roͤmer, in aller ſeiner Ver-<lb/>„ſchiedenheit und ſchoͤnſten Harmonie hervor-<lb/>„gebracht haben.„<noteplace="foot"n="*">Th. 10. p. 355.</note> Ein Gedicht in He-<lb/>
xametern folgte auf das andere. Noah und<lb/>
Jacob und Joſeph und Rahel und Abraham<lb/>
und Telemach und Suͤndfluthen und Frag-<lb/>
mente, und Hymnen, und Briefe, lebendige<lb/>
und todte — keinem Menſchen kam es ein,<lb/>
ihn gegen den Hexameter der Alten recht zu<lb/>
pruͤfen — bis es der that, der vielleicht ſelbſt<lb/>
die haͤrteſten unter allen geſchrieben hatte:<lb/><hirendition="#fr">Oeſt,</hi> der Verfaſſer des <hirendition="#fr">Siechbettes.</hi></p><lb/><fwplace="bottom"type="catch">Hier</fw><lb/><fwplace="bottom"type="sig">H</fw><lb/></div></body></text></TEI>
[113/0117]
„Wirkungen des Wohlklanges und des Poe-
„tiſchen Ausdrucks zu verſichern. Sie
„wuͤnſchten ſich unter einander Gluͤck, daß
„eben dieſelben Genien, die den Muth ge-
„habt, die erhabenſten Wahrheiten der irr-
„diſchen Wiſſenſchaft zum Gegenſtande ihres
„Geſanges zu nehmen, und ſich in die Olym-
„piſchen Sphaͤren, den Wohnplaz hoͤherer
„Naturen, zu ſchwingen; uns auch den wah-
„ren heroiſchen Vers, den Hexameter der
„Griechen und Roͤmer, in aller ſeiner Ver-
„ſchiedenheit und ſchoͤnſten Harmonie hervor-
„gebracht haben.„ * Ein Gedicht in He-
xametern folgte auf das andere. Noah und
Jacob und Joſeph und Rahel und Abraham
und Telemach und Suͤndfluthen und Frag-
mente, und Hymnen, und Briefe, lebendige
und todte — keinem Menſchen kam es ein,
ihn gegen den Hexameter der Alten recht zu
pruͤfen — bis es der that, der vielleicht ſelbſt
die haͤrteſten unter allen geſchrieben hatte:
Oeſt, der Verfaſſer des Siechbettes.
Hier
* Th. 10. p. 355.
H
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Herder, Johann Gottfried von: Ueber die neuere Deutsche Litteratur. Bd. 1. Riga, 1767, S. 113. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/herder_litteratur01_1767/117>, abgerufen am 11.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.