ner glänzet ihr seine Rüstung; für den Welt- weisen schärfet ihr die Waffen.
Sie ist aber mehr als Werkzeug: Worte und Jdeen sind genau in der Weltweisheit verwandt: wie viel hängt vom Ausdrucke in der Critik der schönen Wissenschaften ab: durch die Sprache lernen wir bestimmt denken, und bei bestimmten, und lebhaften Gedanken suchen wir deutliche und lebendige Worte: unsre Wärterinnen, die unsre Zunge bilden, sind unsre erste Lehrer der Logik.
Der Genius der Sprache ist also auch der Genius von der Litteratur einer Nation. Die Sprache, sagt Jsokrates, war die Be- zähmerin der alten Wilden, und man sezze da- zu auch die Bilderin jeder Nation in den Wissenschaften. Die Griechen, die Römer, wie arbeiteten sie nicht in ihrer Sprache. Die Araber, die die Grammatik das Salz der Wissenschaften benannten, hatten so viel Cri- tiker, daß jener Rabbi 60 Camele mit Wör- terbüchern bepacken konnte, wie ein arabischer Schriftsteller mit arabischer Genauigkeit, be- richtet.
Jhr
ner glaͤnzet ihr ſeine Ruͤſtung; fuͤr den Welt- weiſen ſchaͤrfet ihr die Waffen.
Sie iſt aber mehr als Werkzeug: Worte und Jdeen ſind genau in der Weltweisheit verwandt: wie viel haͤngt vom Ausdrucke in der Critik der ſchoͤnen Wiſſenſchaften ab: durch die Sprache lernen wir beſtimmt denken, und bei beſtimmten, und lebhaften Gedanken ſuchen wir deutliche und lebendige Worte: unſre Waͤrterinnen, die unſre Zunge bilden, ſind unſre erſte Lehrer der Logik.
Der Genius der Sprache iſt alſo auch der Genius von der Litteratur einer Nation. Die Sprache, ſagt Jſokrates, war die Be- zaͤhmerin der alten Wilden, und man ſezze da- zu auch die Bilderin jeder Nation in den Wiſſenſchaften. Die Griechen, die Roͤmer, wie arbeiteten ſie nicht in ihrer Sprache. Die Araber, die die Grammatik das Salz der Wiſſenſchaften benannten, hatten ſo viel Cri- tiker, daß jener Rabbi 60 Camele mit Woͤr- terbuͤchern bepacken konnte, wie ein arabiſcher Schriftſteller mit arabiſcher Genauigkeit, be- richtet.
Jhr
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ner glaͤnzet ihr ſeine Ruͤſtung; fuͤr den Welt-
weiſen ſchaͤrfet ihr die Waffen.
Sie iſt aber mehr als Werkzeug: Worte
und Jdeen ſind genau in der Weltweisheit
verwandt: wie viel haͤngt vom Ausdrucke
in der Critik der ſchoͤnen Wiſſenſchaften ab:
durch die Sprache lernen wir beſtimmt
denken, und bei beſtimmten, und lebhaften
Gedanken ſuchen wir deutliche und lebendige
Worte: unſre Waͤrterinnen, die unſre Zunge
bilden, ſind unſre erſte Lehrer der Logik.
Der Genius der Sprache iſt alſo auch
der Genius von der Litteratur einer Nation.
Die Sprache, ſagt Jſokrates, war die Be-
zaͤhmerin der alten Wilden, und man ſezze da-
zu auch die Bilderin jeder Nation in den
Wiſſenſchaften. Die Griechen, die Roͤmer,
wie arbeiteten ſie nicht in ihrer Sprache. Die
Araber, die die Grammatik das Salz der
Wiſſenſchaften benannten, hatten ſo viel Cri-
tiker, daß jener Rabbi 60 Camele mit Woͤr-
terbuͤchern bepacken konnte, wie ein arabiſcher
Schriftſteller mit arabiſcher Genauigkeit, be-
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Herder, Johann Gottfried von: Ueber die neuere Deutsche Litteratur. Bd. 1. Riga, 1767, S. 20. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/herder_litteratur01_1767/24>, abgerufen am 11.09.2024.
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