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Heyse, Paul: Der Weinhüter von Meran. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 17. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 173–319. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

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Wurm! rief der Jüngling. Bring nur deinen Degen mit das nächste Mal, und dein Gewehr dazu; es wär' doch ein Pfand, das der Müh' verlohnte. Aber nun, beim Kreuz! fort mit dir, oder ich spieße dich auf, wie einen Frosch, und werfe dich in deinen Kasernenhof zurück, daß du das letzte Stoßgebet nimmer zu Ende beten sollst.

Damit schleuderte er den langen Gesellen einige Schritte weit fort, daß er, über einen Stein strauchelnd, in die Kniee fiel. Im Augenblick war er wieder auf den Füßen, und, mit beiden Fausten wie ein Weib gegen den Feind drohend und eine Flut von welschen Flüchen hervorsprudelnd, wich er der Gewalt und trollte hinkend und oft zurückblickend im Schutz der Weiden dem nahen Stadtthore zu.

Du hast's ihm aber arg gemacht, Andree, sagte die Blonde, indem sie dem geschlagenen Galan ganz kaltblütig nachblickte. Er hat so g'spaßiges Zeug ge- redt, daß ich immer hab' lachen müssen. Warum bist du gleich so wild geworden?

Der Bruder gab keine Antwort, seine Gedanken waren noch bei seinem Zorn. 's ist noch nicht aus zwischen uns! sagte er vor sich hin. Er kommt mir schon wieder; meinetwegen! so heb ich's ihm auf. -- Moidi, fuhr er fort, plötzlich zu dem Mädchen gewendet, und du, immer noch das alte Lied? Wer mir aufspielt, dem tanz' ich? Schämst du dich nicht, so einem tückischen Teufel das Wort zu gönnen und

Wurm! rief der Jüngling. Bring nur deinen Degen mit das nächste Mal, und dein Gewehr dazu; es wär' doch ein Pfand, das der Müh' verlohnte. Aber nun, beim Kreuz! fort mit dir, oder ich spieße dich auf, wie einen Frosch, und werfe dich in deinen Kasernenhof zurück, daß du das letzte Stoßgebet nimmer zu Ende beten sollst.

Damit schleuderte er den langen Gesellen einige Schritte weit fort, daß er, über einen Stein strauchelnd, in die Kniee fiel. Im Augenblick war er wieder auf den Füßen, und, mit beiden Fausten wie ein Weib gegen den Feind drohend und eine Flut von welschen Flüchen hervorsprudelnd, wich er der Gewalt und trollte hinkend und oft zurückblickend im Schutz der Weiden dem nahen Stadtthore zu.

Du hast's ihm aber arg gemacht, Andree, sagte die Blonde, indem sie dem geschlagenen Galan ganz kaltblütig nachblickte. Er hat so g'spaßiges Zeug ge- redt, daß ich immer hab' lachen müssen. Warum bist du gleich so wild geworden?

Der Bruder gab keine Antwort, seine Gedanken waren noch bei seinem Zorn. 's ist noch nicht aus zwischen uns! sagte er vor sich hin. Er kommt mir schon wieder; meinetwegen! so heb ich's ihm auf. — Moidi, fuhr er fort, plötzlich zu dem Mädchen gewendet, und du, immer noch das alte Lied? Wer mir aufspielt, dem tanz' ich? Schämst du dich nicht, so einem tückischen Teufel das Wort zu gönnen und

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[0021] Wurm! rief der Jüngling. Bring nur deinen Degen mit das nächste Mal, und dein Gewehr dazu; es wär' doch ein Pfand, das der Müh' verlohnte. Aber nun, beim Kreuz! fort mit dir, oder ich spieße dich auf, wie einen Frosch, und werfe dich in deinen Kasernenhof zurück, daß du das letzte Stoßgebet nimmer zu Ende beten sollst. Damit schleuderte er den langen Gesellen einige Schritte weit fort, daß er, über einen Stein strauchelnd, in die Kniee fiel. Im Augenblick war er wieder auf den Füßen, und, mit beiden Fausten wie ein Weib gegen den Feind drohend und eine Flut von welschen Flüchen hervorsprudelnd, wich er der Gewalt und trollte hinkend und oft zurückblickend im Schutz der Weiden dem nahen Stadtthore zu. Du hast's ihm aber arg gemacht, Andree, sagte die Blonde, indem sie dem geschlagenen Galan ganz kaltblütig nachblickte. Er hat so g'spaßiges Zeug ge- redt, daß ich immer hab' lachen müssen. Warum bist du gleich so wild geworden? Der Bruder gab keine Antwort, seine Gedanken waren noch bei seinem Zorn. 's ist noch nicht aus zwischen uns! sagte er vor sich hin. Er kommt mir schon wieder; meinetwegen! so heb ich's ihm auf. — Moidi, fuhr er fort, plötzlich zu dem Mädchen gewendet, und du, immer noch das alte Lied? Wer mir aufspielt, dem tanz' ich? Schämst du dich nicht, so einem tückischen Teufel das Wort zu gönnen und

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Thomas Weitin: Herausgeber
Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-15T11:27:07Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jan Merkt, Thomas Gilli, Jasmin Bieber, Katharina Herget, Anni Peter, Christian Thomas, Benjamin Fiechter: Bearbeitung der digitalen Edition. (2017-03-15T11:27:07Z)

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Zitationshilfe: Heyse, Paul: Der Weinhüter von Meran. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 17. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 173–319. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/heyse_weinhueter_1910/21>, abgerufen am 09.05.2021.