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Heyse, Paul: Der Weinhüter von Meran. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 17. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 173–319. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

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Körper, ein eifriger Kirchgänger, kundiger Weinbauer, der wenig Worte machte und Gedanken nur für den Hausbedarf spann, am wenigsten aber mit unnützen Liebschaften Zeit oder Geld verthat, da es überhaupt in diesen romantischen Thälern im Punkte der Liebe und Ehe meist kaltblütiger und geschäftsmäßiger zugeht, a's flüchtige Reisende sich träumen lassen. Damals, als die schwarze Moidi sich in ihn vergaffte, lebte sein Vater noch, der Alois Hirzer, der eines der alten Herrenschlösser unterm Ifinger, auf einer Höhe über der Stadt frei gelegen, von dem verschuldeten letzten Stammherrn gekauft hatte, um dort seine Weinbauernwirthschaft mitten unter den feudalen Trümmern in großem Stile zu errichten. Außer dem Sohne, Joseph, hatte er noch eine Tochter, die in Innsbruck bei einem Pathen feinere Erziehung genoß und sich zur Lehrerin auszubilden dachte, als der Vater plötzlich das Zeitliche segnete, und der Bruder sie nun heimkommen ließ, um ihm die neue Einrichtung zu erleichtern. Es war ein sanftes, blasses, schönäugiges Mädchen, älter als der Joseph, ihr Bruder. Dessen Kameraden, von denen wohl Mancher ein Gelüsten trug, sich ein Stück Burgland anzuheirathen, wagten sich an die Anna nicht heran, die ihnen zu fein und leise war und bald fast im Geruch der Heiligkeit stand, denn sie war in allen Kirchen und allen Hütten der Kranken und Dürftigen zu finden und ging an keinem Kinde vorbei, ohne es auf den Arm zu nehmen, ihm ein Bildchen zu schenken

Körper, ein eifriger Kirchgänger, kundiger Weinbauer, der wenig Worte machte und Gedanken nur für den Hausbedarf spann, am wenigsten aber mit unnützen Liebschaften Zeit oder Geld verthat, da es überhaupt in diesen romantischen Thälern im Punkte der Liebe und Ehe meist kaltblütiger und geschäftsmäßiger zugeht, a's flüchtige Reisende sich träumen lassen. Damals, als die schwarze Moidi sich in ihn vergaffte, lebte sein Vater noch, der Alois Hirzer, der eines der alten Herrenschlösser unterm Ifinger, auf einer Höhe über der Stadt frei gelegen, von dem verschuldeten letzten Stammherrn gekauft hatte, um dort seine Weinbauernwirthschaft mitten unter den feudalen Trümmern in großem Stile zu errichten. Außer dem Sohne, Joseph, hatte er noch eine Tochter, die in Innsbruck bei einem Pathen feinere Erziehung genoß und sich zur Lehrerin auszubilden dachte, als der Vater plötzlich das Zeitliche segnete, und der Bruder sie nun heimkommen ließ, um ihm die neue Einrichtung zu erleichtern. Es war ein sanftes, blasses, schönäugiges Mädchen, älter als der Joseph, ihr Bruder. Dessen Kameraden, von denen wohl Mancher ein Gelüsten trug, sich ein Stück Burgland anzuheirathen, wagten sich an die Anna nicht heran, die ihnen zu fein und leise war und bald fast im Geruch der Heiligkeit stand, denn sie war in allen Kirchen und allen Hütten der Kranken und Dürftigen zu finden und ging an keinem Kinde vorbei, ohne es auf den Arm zu nehmen, ihm ein Bildchen zu schenken

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[0031] Körper, ein eifriger Kirchgänger, kundiger Weinbauer, der wenig Worte machte und Gedanken nur für den Hausbedarf spann, am wenigsten aber mit unnützen Liebschaften Zeit oder Geld verthat, da es überhaupt in diesen romantischen Thälern im Punkte der Liebe und Ehe meist kaltblütiger und geschäftsmäßiger zugeht, a's flüchtige Reisende sich träumen lassen. Damals, als die schwarze Moidi sich in ihn vergaffte, lebte sein Vater noch, der Alois Hirzer, der eines der alten Herrenschlösser unterm Ifinger, auf einer Höhe über der Stadt frei gelegen, von dem verschuldeten letzten Stammherrn gekauft hatte, um dort seine Weinbauernwirthschaft mitten unter den feudalen Trümmern in großem Stile zu errichten. Außer dem Sohne, Joseph, hatte er noch eine Tochter, die in Innsbruck bei einem Pathen feinere Erziehung genoß und sich zur Lehrerin auszubilden dachte, als der Vater plötzlich das Zeitliche segnete, und der Bruder sie nun heimkommen ließ, um ihm die neue Einrichtung zu erleichtern. Es war ein sanftes, blasses, schönäugiges Mädchen, älter als der Joseph, ihr Bruder. Dessen Kameraden, von denen wohl Mancher ein Gelüsten trug, sich ein Stück Burgland anzuheirathen, wagten sich an die Anna nicht heran, die ihnen zu fein und leise war und bald fast im Geruch der Heiligkeit stand, denn sie war in allen Kirchen und allen Hütten der Kranken und Dürftigen zu finden und ging an keinem Kinde vorbei, ohne es auf den Arm zu nehmen, ihm ein Bildchen zu schenken

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Thomas Weitin: Herausgeber
Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-15T11:27:07Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jan Merkt, Thomas Gilli, Jasmin Bieber, Katharina Herget, Anni Peter, Christian Thomas, Benjamin Fiechter: Bearbeitung der digitalen Edition. (2017-03-15T11:27:07Z)

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Zitationshilfe: Heyse, Paul: Der Weinhüter von Meran. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 17. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 173–319. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/heyse_weinhueter_1910/31>, abgerufen am 05.05.2021.