Tempels haben, und dadurch ein schöner Gegenstand im Prospecte seyn. Sein freyer Vorplatz dient zur Bewegung nach der Tafel.
[Abbildung]
Allein weit edlere, nicht blos für die Sinne und die Einbildungskraft, sondern selbst für das Herz interessante Scenen kann uns der Wald darstellen. Wir kennen die Wirkung sanftmelancholischer Gegenden, worin die Seele von der Stille und Einsamkeit zu sich selbst gleichsam zurückgeleitet wird, wo sie sich geneigter fühlt zu einem sanften Staunen, zu einem angenehmen Versinken in sich selbst, zu einer mit Wehmuth und Behagung vermischten Erinnerung des genossenen Lebens, der Tage, die dahin schwanden und doch wieder gegenwärtig sind, der Begebenheiten, die uns werth waren und uns jetzt rühren, der Vorfälle, über deren Ausgang wir nun ver- wundernd hinschauen, -- zum Nachgenuß unserer süßesten Lieblingsempfindungen, die sich jedes Herz, auch als wiederkehrende Phantasien, in dem Kreise seines Daseyns im- mer gern auszeichnet, -- zu den ernsten und ungewissen Blicken, welche die scheue Hoffnung in die dämmernde Zukunft wirft. Man fühlt, was man gewesen ist, und
ahndet,
IIBand. H
Vom Baumwerk.
Tempels haben, und dadurch ein ſchoͤner Gegenſtand im Proſpecte ſeyn. Sein freyer Vorplatz dient zur Bewegung nach der Tafel.
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Allein weit edlere, nicht blos fuͤr die Sinne und die Einbildungskraft, ſondern ſelbſt fuͤr das Herz intereſſante Scenen kann uns der Wald darſtellen. Wir kennen die Wirkung ſanftmelancholiſcher Gegenden, worin die Seele von der Stille und Einſamkeit zu ſich ſelbſt gleichſam zuruͤckgeleitet wird, wo ſie ſich geneigter fuͤhlt zu einem ſanften Staunen, zu einem angenehmen Verſinken in ſich ſelbſt, zu einer mit Wehmuth und Behagung vermiſchten Erinnerung des genoſſenen Lebens, der Tage, die dahin ſchwanden und doch wieder gegenwaͤrtig ſind, der Begebenheiten, die uns werth waren und uns jetzt ruͤhren, der Vorfaͤlle, uͤber deren Ausgang wir nun ver- wundernd hinſchauen, — zum Nachgenuß unſerer ſuͤßeſten Lieblingsempfindungen, die ſich jedes Herz, auch als wiederkehrende Phantaſien, in dem Kreiſe ſeines Daſeyns im- mer gern auszeichnet, — zu den ernſten und ungewiſſen Blicken, welche die ſcheue Hoffnung in die daͤmmernde Zukunft wirft. Man fuͤhlt, was man geweſen iſt, und
ahndet,
IIBand. H
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Vom Baumwerk.
Tempels haben, und dadurch ein ſchoͤner Gegenſtand im Proſpecte ſeyn. Sein
freyer Vorplatz dient zur Bewegung nach der Tafel.
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Allein weit edlere, nicht blos fuͤr die Sinne und die Einbildungskraft, ſondern
ſelbſt fuͤr das Herz intereſſante Scenen kann uns der Wald darſtellen. Wir kennen
die Wirkung ſanftmelancholiſcher Gegenden, worin die Seele von der Stille und
Einſamkeit zu ſich ſelbſt gleichſam zuruͤckgeleitet wird, wo ſie ſich geneigter fuͤhlt zu
einem ſanften Staunen, zu einem angenehmen Verſinken in ſich ſelbſt, zu einer mit
Wehmuth und Behagung vermiſchten Erinnerung des genoſſenen Lebens, der Tage,
die dahin ſchwanden und doch wieder gegenwaͤrtig ſind, der Begebenheiten, die uns
werth waren und uns jetzt ruͤhren, der Vorfaͤlle, uͤber deren Ausgang wir nun ver-
wundernd hinſchauen, — zum Nachgenuß unſerer ſuͤßeſten Lieblingsempfindungen, die
ſich jedes Herz, auch als wiederkehrende Phantaſien, in dem Kreiſe ſeines Daſeyns im-
mer gern auszeichnet, — zu den ernſten und ungewiſſen Blicken, welche die ſcheue
Hoffnung in die daͤmmernde Zukunft wirft. Man fuͤhlt, was man geweſen iſt, und
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Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 2. Leipzig, 1780, S. 57. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hirschfeld_gartenkunst2_1780/61>, abgerufen am 11.09.2024.
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