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Hölderlin, Friedrich: Gedichte. Stuttgart u. a., 1826.

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Natur! und giebst dich ihnen zum Geschäft,
Und trägst und nährst zu ihrer Blüthenfreud'
Und ihrer Frucht sie fort, du gütige!

Und klagtest du doch öfters, trauernd Herz!
Vergaßest mir den Glauben, danktest nicht,
Und dachtest nicht, wenn dir dein Thun zu wenig
Bedeuten wollt', es sey ein frommes Opfer,
Das du, wie andre, vor das Leben bringest,
Wohl meinend, wie der Lerche Lied, das sie
Den Lüften singt, den freudegebenden. --
Nun geh' ich noch hinaus und hole Blumen,
Dem Vater aus dem Feld', und bind' ihm sie
In Einen Straus, die drunten in dem Garten,
Und die der Bach erzog; ich wills schon richten,
Daß ihm's gefallen soll. Und dir? dir bring' ich
Genug des Neuen. Da ist's immer anders.
Jetzt blühn die Weiden; jetzt vergolden sich
Die Wiesen; jetzt beginnt der Buche Grün,
Und jetzt der Eiche - nun! leb' wohl indessen!

Emilie an Klara.
Ihr Himmlischen! das war er. Kannst du mir
Es glauben? - Beste! - wärst du bei mir! - Er!
Der Hohe, der Gefürchtete, Geliebte! -
Mein bebend Herz, hast du so viel gewollt?

Natur! und giebſt dich ihnen zum Geſchaͤft,
Und traͤgſt und naͤhrſt zu ihrer Bluͤthenfreud'
Und ihrer Frucht ſie fort, du guͤtige!

Und klagteſt du doch oͤfters, trauernd Herz!
Vergaßeſt mir den Glauben, dankteſt nicht,
Und dachteſt nicht, wenn dir dein Thun zu wenig
Bedeuten wollt', es ſey ein frommes Opfer,
Das du, wie andre, vor das Leben bringeſt,
Wohl meinend, wie der Lerche Lied, das ſie
Den Luͤften ſingt, den freudegebenden. —
Nun geh' ich noch hinaus und hole Blumen,
Dem Vater aus dem Feld', und bind' ihm ſie
In Einen Straus, die drunten in dem Garten,
Und die der Bach erzog; ich wills ſchon richten,
Daß ihm's gefallen ſoll. Und dir? dir bring' ich
Genug des Neuen. Da iſt's immer anders.
Jetzt bluͤhn die Weiden; jetzt vergolden ſich
Die Wieſen; jetzt beginnt der Buche Gruͤn,
Und jetzt der Eiche ‒ nun! leb' wohl indeſſen!

Emilie an Klara.
Ihr Himmliſchen! das war er. Kannſt du mir
Es glauben? ‒ Beſte! ‒ waͤrſt du bei mir! ‒ Er!
Der Hohe, der Gefuͤrchtete, Geliebte! ‒
Mein bebend Herz, haſt du ſo viel gewollt?
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[102/0110] Natur! und giebſt dich ihnen zum Geſchaͤft, Und traͤgſt und naͤhrſt zu ihrer Bluͤthenfreud' Und ihrer Frucht ſie fort, du guͤtige! Und klagteſt du doch oͤfters, trauernd Herz! Vergaßeſt mir den Glauben, dankteſt nicht, Und dachteſt nicht, wenn dir dein Thun zu wenig Bedeuten wollt', es ſey ein frommes Opfer, Das du, wie andre, vor das Leben bringeſt, Wohl meinend, wie der Lerche Lied, das ſie Den Luͤften ſingt, den freudegebenden. — Nun geh' ich noch hinaus und hole Blumen, Dem Vater aus dem Feld', und bind' ihm ſie In Einen Straus, die drunten in dem Garten, Und die der Bach erzog; ich wills ſchon richten, Daß ihm's gefallen ſoll. Und dir? dir bring' ich Genug des Neuen. Da iſt's immer anders. Jetzt bluͤhn die Weiden; jetzt vergolden ſich Die Wieſen; jetzt beginnt der Buche Gruͤn, Und jetzt der Eiche ‒ nun! leb' wohl indeſſen! Emilie an Klara. Ihr Himmliſchen! das war er. Kannſt du mir Es glauben? ‒ Beſte! ‒ waͤrſt du bei mir! ‒ Er! Der Hohe, der Gefuͤrchtete, Geliebte! ‒ Mein bebend Herz, haſt du ſo viel gewollt?

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Zitationshilfe: Hölderlin, Friedrich: Gedichte. Stuttgart u. a., 1826, S. 102. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoelderlin_gedichte_1826/110>, abgerufen am 23.04.2024.