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Hölderlin, Friedrich: Gedichte. Stuttgart u. a., 1826.

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Zur Amme sich. Und bald ist er groß; ihn scheun
Die Thiere, denn ein Anderer ist, wie sie,
Der Mensch; nicht dir und nicht dem Vater
Gleicht er . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ach! darum treibt ihn, Erde! vom Herzen dir
Sein Uebermuth, und deine Geschenke sind
Umsonst, die zärtlichen, zu hoch schlägt
Immer und immer der stolze Busen.
Von seines Ufers duftender Wiese muß
Ins blüthenlose Wasser hinaus der Mensch,
Und glänzte auch, wie die Sternennacht, von
Goldenen Früchten sein Hain, doch gräbt er
Sich Höhlen in den Bergen und späht im Schacht,
Von seines Vaters heiligem Strale fern,
Dem Sonnengott auch ungetreu, der
Knechte nicht liebt und der Sorgen spottet.
Ach! freier athmen Vögel des Walds, wenn schon
Des Menschen Brust sich wilder und stolzer hebt,
Sein Trotz wird Angst, und seines Friedens
Blume, die zärtliche, blüht nicht lange.

Zur Amme ſich. Und bald iſt er groß; ihn ſcheun
Die Thiere, denn ein Anderer iſt, wie ſie,
Der Menſch; nicht dir und nicht dem Vater
Gleicht er . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ach! darum treibt ihn, Erde! vom Herzen dir
Sein Uebermuth, und deine Geſchenke ſind
Umſonſt, die zaͤrtlichen, zu hoch ſchlaͤgt
Immer und immer der ſtolze Buſen.
Von ſeines Ufers duftender Wieſe muß
Ins bluͤthenloſe Waſſer hinaus der Menſch,
Und glaͤnzte auch, wie die Sternennacht, von
Goldenen Fruͤchten ſein Hain, doch graͤbt er
Sich Hoͤhlen in den Bergen und ſpaͤht im Schacht,
Von ſeines Vaters heiligem Strale fern,
Dem Sonnengott auch ungetreu, der
Knechte nicht liebt und der Sorgen ſpottet.
Ach! freier athmen Voͤgel des Walds, wenn ſchon
Des Menſchen Bruſt ſich wilder und ſtolzer hebt,
Sein Trotz wird Angſt, und ſeines Friedens
Blume, die zaͤrtliche, bluͤht nicht lange.

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[86/0094] Zur Amme ſich. Und bald iſt er groß; ihn ſcheun Die Thiere, denn ein Anderer iſt, wie ſie, Der Menſch; nicht dir und nicht dem Vater Gleicht er . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ach! darum treibt ihn, Erde! vom Herzen dir Sein Uebermuth, und deine Geſchenke ſind Umſonſt, die zaͤrtlichen, zu hoch ſchlaͤgt Immer und immer der ſtolze Buſen. Von ſeines Ufers duftender Wieſe muß Ins bluͤthenloſe Waſſer hinaus der Menſch, Und glaͤnzte auch, wie die Sternennacht, von Goldenen Fruͤchten ſein Hain, doch graͤbt er Sich Hoͤhlen in den Bergen und ſpaͤht im Schacht, Von ſeines Vaters heiligem Strale fern, Dem Sonnengott auch ungetreu, der Knechte nicht liebt und der Sorgen ſpottet. Ach! freier athmen Voͤgel des Walds, wenn ſchon Des Menſchen Bruſt ſich wilder und ſtolzer hebt, Sein Trotz wird Angſt, und ſeines Friedens Blume, die zaͤrtliche, bluͤht nicht lange.

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Zitationshilfe: Hölderlin, Friedrich: Gedichte. Stuttgart u. a., 1826, S. 86. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoelderlin_gedichte_1826/94>, abgerufen am 27.02.2024.