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[Hoffmann, E. T. A.]: Nachtstücke. Bd. 2. Berlin, 1817.

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Das öde Haus.

-- Man war darüber einig, daß die wirklichen
Erscheinungen im Leben oft viel wunderbarer sich
gestalteten, als alles, was die regste Fantasie zu
erfinden trachte. "Ich meine," sprach Lelio,
"daß die Geschichte davon hinlänglichen Beweis
gibt und daß eben deshalb die sogenannten histori¬
schen Romane, worin der Verfasser, in seinem
müßigen Gehirn bei ärmlichem Feuer ausgebrütete
Kindereien, den Thaten der ewigen, im Universum
waltenden Macht beizugesellen sich unterfängt, so
abgeschmackt und widerlich sind." "Es ist," nahm
Franz das Wort, "die tiefe Wahrheit der uner¬

A
Das oͤde Haus.

Man war daruͤber einig, daß die wirklichen
Erſcheinungen im Leben oft viel wunderbarer ſich
geſtalteten, als alles, was die regſte Fantaſie zu
erfinden trachte. „Ich meine,“ ſprach Lelio,
„daß die Geſchichte davon hinlaͤnglichen Beweis
gibt und daß eben deshalb die ſogenannten hiſtori¬
ſchen Romane, worin der Verfaſſer, in ſeinem
muͤßigen Gehirn bei aͤrmlichem Feuer ausgebruͤtete
Kindereien, den Thaten der ewigen, im Univerſum
waltenden Macht beizugeſellen ſich unterfaͤngt, ſo
abgeſchmackt und widerlich ſind.“ „Es iſt,“ nahm
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Zitationshilfe: [Hoffmann, E. T. A.]: Nachtstücke. Bd. 2. Berlin, 1817, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmann_nachtstuecke02_1817/9>, abgerufen am 29.01.2023.