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Hoffmannswaldau, Christian Hoffmann von: Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. [Bd. 1]. Leipzig, 1695.

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Vermischte Gedichte.
Grabschrifft
Mariae de Medices.
DEr Florentiner schloß gab mir die wiegen ein/
Und der Pariser burg ließ meinen ruhm erheben/
Mein liebster und sein ruhm wird in den wolcken schweben/
Durch aller zeiten lauff mit des gestirnes schein.
Zwey meiner eydame sah' ich gekrönet seyn/
Und meinen ältsten sohn in den geschichten leben/
In solcher würdigkeit (wer wird mir beyfall geben?)
Starb ich in schnöder flucht: Cölln wird mein grabestein.
Cölln aller städte licht/ so sich in Deutschland finden;
Steh' stille/ wandersmann; wo iemand will ergründen
Den traurigen verlauff der noth/ so mich berührt/
Der wisse/ daß das grab/ muß ein behältniß werden/
Der Fürstin/ derer blut die gantze welt regiert/
Und endlich nicht besaß auch einer hand voll erden.

Seneca Epist. 26.
Quid egeris, tunc apparebit, cum
animam ages.
SUch armer/ wie du wilt/ zu deinen thaten nacht/
Verstelle sinn und hertz/ den nechsten zu betrügen/
Der mund befleiße sich uns lugend vorzulügen/
So unter schimpff und koth der laster schon verschmacht;
Laß in der augen glantz die freundligkeiten spielen/
Im busen wird doch gifft und rauch und unmuth wühlen/
Wenn itzt die seele soll von ihrem leibe ziehn/
Und das gewissen wacht/ dein zeuge/ dein verräther/
Hilff GOtt/ was hört man da! du bist ein übelthäter!
Und must aus schreckens-angst für GOttes urtheil fliehn.
Da kömmt der hände werck und des gemüthes sinnen
Ans licht/ es wird entdeckt dein heimliches beginnen;
Nun
P 2
Vermiſchte Gedichte.
Grabſchrifft
Mariæ de Medices.
DEr Florentiner ſchloß gab mir die wiegen ein/
Und der Pariſer burg ließ meinen ruhm erheben/
Mein liebſter und ſein ruhm wird in den wolcken ſchweben/
Durch aller zeiten lauff mit des geſtirnes ſchein.
Zwey meiner eydame ſah’ ich gekroͤnet ſeyn/
Und meinen aͤltſten ſohn in den geſchichten leben/
In ſolcher wuͤrdigkeit (wer wird mir beyfall geben?)
Starb ich in ſchnoͤder flucht: Coͤlln wird mein grabeſtein.
Coͤlln aller ſtaͤdte licht/ ſo ſich in Deutſchland finden;
Steh’ ſtille/ wandersmann; wo iemand will ergruͤnden
Den traurigen verlauff der noth/ ſo mich beruͤhrt/
Der wiſſe/ daß das grab/ muß ein behaͤltniß werden/
Der Fuͤrſtin/ derer blut die gantze welt regiert/
Und endlich nicht beſaß auch einer hand voll erden.

Seneca Epiſt. 26.
Quid egeris, tunc apparebit, cum
animam ages.
SUch armer/ wie du wilt/ zu deinen thaten nacht/
Verſtelle ſinn und hertz/ den nechſten zu betruͤgen/
Der mund befleiße ſich uns lugend vorzuluͤgen/
So unter ſchimpff und koth der laſter ſchon verſchmacht;
Laß in der augen glantz die freundligkeiten ſpielen/
Im buſen wird doch gifft und rauch und unmuth wuͤhlen/
Wenn itzt die ſeele ſoll von ihrem leibe ziehn/
Und das gewiſſen wacht/ dein zeuge/ dein verraͤther/
Hilff GOtt/ was hoͤrt man da! du biſt ein uͤbelthaͤter!
Und muſt aus ſchreckens-angſt fuͤr GOttes urtheil fliehn.
Da koͤmmt der haͤnde werck und des gemuͤthes ſinnen
Ans licht/ es wird entdeckt dein heimliches beginnen;
Nun
P 2
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[227/0271] Vermiſchte Gedichte. Grabſchrifft Mariæ de Medices. C. H. V. H. DEr Florentiner ſchloß gab mir die wiegen ein/ Und der Pariſer burg ließ meinen ruhm erheben/ Mein liebſter und ſein ruhm wird in den wolcken ſchweben/ Durch aller zeiten lauff mit des geſtirnes ſchein. Zwey meiner eydame ſah’ ich gekroͤnet ſeyn/ Und meinen aͤltſten ſohn in den geſchichten leben/ In ſolcher wuͤrdigkeit (wer wird mir beyfall geben?) Starb ich in ſchnoͤder flucht: Coͤlln wird mein grabeſtein. Coͤlln aller ſtaͤdte licht/ ſo ſich in Deutſchland finden; Steh’ ſtille/ wandersmann; wo iemand will ergruͤnden Den traurigen verlauff der noth/ ſo mich beruͤhrt/ Der wiſſe/ daß das grab/ muß ein behaͤltniß werden/ Der Fuͤrſtin/ derer blut die gantze welt regiert/ Und endlich nicht beſaß auch einer hand voll erden. Seneca Epiſt. 26. Quid egeris, tunc apparebit, cum animam ages. C. H. V. H. SUch armer/ wie du wilt/ zu deinen thaten nacht/ Verſtelle ſinn und hertz/ den nechſten zu betruͤgen/ Der mund befleiße ſich uns lugend vorzuluͤgen/ So unter ſchimpff und koth der laſter ſchon verſchmacht; Laß in der augen glantz die freundligkeiten ſpielen/ Im buſen wird doch gifft und rauch und unmuth wuͤhlen/ Wenn itzt die ſeele ſoll von ihrem leibe ziehn/ Und das gewiſſen wacht/ dein zeuge/ dein verraͤther/ Hilff GOtt/ was hoͤrt man da! du biſt ein uͤbelthaͤter! Und muſt aus ſchreckens-angſt fuͤr GOttes urtheil fliehn. Da koͤmmt der haͤnde werck und des gemuͤthes ſinnen Ans licht/ es wird entdeckt dein heimliches beginnen; Nun P 2

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Zitationshilfe: Hoffmannswaldau, Christian Hoffmann von: Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. [Bd. 1]. Leipzig, 1695, S. 227. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte01_1695/271>, abgerufen am 06.08.2024.