Hoffmannswaldau, Christian Hoffmann von: Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. [Bd. 1]. Leipzig, 1695.Vermischte Gedichte. Wir haben sonderlich uns diesen trost erwehlt/Daß keine darff noch mag von uns die erste heissen. Wer hat die grosse zahl derjenigen gezehlt/ Die längst den krantz verschertzt/ und doch als jungfern gleissen. Was kaum der teuffel kan/ das weiß ein altes weib/ Den grund-riß der natur durch säffte zu verderben/ Sie ordnet bäder an für den geschwollnen leib/ Und heisset die geburt vor ihrer bildung sterben. Wär arge list und kunst nicht in der welt bekandt/ So liessen sich vielmehr in unsre rolle schreiben; Und thäte nichts dabey des apotheckers hand/ Wo würden in der welt die jungfern endlich bleiben? Die aber noch zur zeit als reine jungfern gehn/ Die haube doch verdient/ die geben sich zufrieden/ Sie sollen oben an in unsrer rolle stehn/ Wo nicht ein altes weib ein anders weiß zu schmieden. Des Pöfels urthel sey an seinem ort gestellt/ Wir dürffen gantz und gar uns nicht des urthels schämen. Das mögen diese thun/ die für den beyschlaff geld/ Die zinse vor die haut/ und schändlich wucher nehmen. Wir haben anders nicht/ als ehrlich nur geliebt/ Vielweniger den leib um schnöden sold verdungen; Wer uns vor huren schillt/ und böse tittel giebt/ Dem sey der teuffel-schaar auff seinen kopff gesungen. Indessen kommen wir bald in die wochen ein/ Es mag uns/ wer da will/ das spiel vor übel halten; Wir wollen tausendmahl viel lieber ammen seyn/ Als bey der jungferschafft verschrumpeln und veralten. Abschieds-brieff Herrn O. L. G. K. an Fr. C. V. S. MEin letzter abschieds-brieff wirfft sich zu deinen füssen/ Vergönne seiner noth ein gnädig angesicht; Mehr thränen siehest du als schwartze dinte fliessen/ Das siegel ist das blut/ so aus den wunden bricht. Ich T 5
Vermiſchte Gedichte. Wir haben ſonderlich uns dieſen troſt erwehlt/Daß keine darff noch mag von uns die erſte heiſſen. Wer hat die groſſe zahl derjenigen gezehlt/ Die laͤngſt den krantz verſchertzt/ und doch als jungfern gleiſſen. Was kaum der teuffel kan/ das weiß ein altes weib/ Den grund-riß der natur durch ſaͤffte zu verderben/ Sie ordnet baͤder an fuͤr den geſchwollnen leib/ Und heiſſet die geburt vor ihrer bildung ſterben. Waͤr arge liſt und kunſt nicht in der welt bekandt/ So lieſſen ſich vielmehr in unſre rolle ſchreiben; Und thaͤte nichts dabey des apotheckers hand/ Wo wuͤrden in der welt die jungfern endlich bleiben? Die aber noch zur zeit als reine jungfern gehn/ Die haube doch verdient/ die geben ſich zufrieden/ Sie ſollen oben an in unſrer rolle ſtehn/ Wo nicht ein altes weib ein anders weiß zu ſchmieden. Des Poͤfels urthel ſey an ſeinem ort geſtellt/ Wir duͤrffen gantz und gar uns nicht des urthels ſchaͤmen. Das moͤgen dieſe thun/ die fuͤr den beyſchlaff geld/ Die zinſe vor die haut/ und ſchaͤndlich wucher nehmen. Wir haben anders nicht/ als ehrlich nur geliebt/ Vielweniger den leib um ſchnoͤden ſold verdungen; Wer uns vor huren ſchillt/ und boͤſe tittel giebt/ Dem ſey der teuffel-ſchaar auff ſeinen kopff geſungen. Indeſſen kommen wir bald in die wochen ein/ Es mag uns/ wer da will/ das ſpiel vor uͤbel halten; Wir wollen tauſendmahl viel lieber ammen ſeyn/ Als bey der jungferſchafft verſchrumpeln und veralten. Abſchieds-brieff Herrn O. L. G. K. an Fr. C. V. S. MEin letzter abſchieds-brieff wirfft ſich zu deinen fuͤſſen/ Vergoͤnne ſeiner noth ein gnaͤdig angeſicht; Mehr thraͤnen ſieheſt du als ſchwartze dinte flieſſen/ Das ſiegel iſt das blut/ ſo aus den wunden bricht. Ich T 5
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Vermiſchte Gedichte.
Wir haben ſonderlich uns dieſen troſt erwehlt/
Daß keine darff noch mag von uns die erſte heiſſen.
Wer hat die groſſe zahl derjenigen gezehlt/
Die laͤngſt den krantz verſchertzt/ und doch als jungfern gleiſſen.
Was kaum der teuffel kan/ das weiß ein altes weib/
Den grund-riß der natur durch ſaͤffte zu verderben/
Sie ordnet baͤder an fuͤr den geſchwollnen leib/
Und heiſſet die geburt vor ihrer bildung ſterben.
Waͤr arge liſt und kunſt nicht in der welt bekandt/
So lieſſen ſich vielmehr in unſre rolle ſchreiben;
Und thaͤte nichts dabey des apotheckers hand/
Wo wuͤrden in der welt die jungfern endlich bleiben?
Die aber noch zur zeit als reine jungfern gehn/
Die haube doch verdient/ die geben ſich zufrieden/
Sie ſollen oben an in unſrer rolle ſtehn/
Wo nicht ein altes weib ein anders weiß zu ſchmieden.
Des Poͤfels urthel ſey an ſeinem ort geſtellt/
Wir duͤrffen gantz und gar uns nicht des urthels ſchaͤmen.
Das moͤgen dieſe thun/ die fuͤr den beyſchlaff geld/
Die zinſe vor die haut/ und ſchaͤndlich wucher nehmen.
Wir haben anders nicht/ als ehrlich nur geliebt/
Vielweniger den leib um ſchnoͤden ſold verdungen;
Wer uns vor huren ſchillt/ und boͤſe tittel giebt/
Dem ſey der teuffel-ſchaar auff ſeinen kopff geſungen.
Indeſſen kommen wir bald in die wochen ein/
Es mag uns/ wer da will/ das ſpiel vor uͤbel halten;
Wir wollen tauſendmahl viel lieber ammen ſeyn/
Als bey der jungferſchafft verſchrumpeln und veralten.
Abſchieds-brieff Herrn O. L. G. K.
an Fr. C. V. S.
C. K.
MEin letzter abſchieds-brieff wirfft ſich zu deinen fuͤſſen/
Vergoͤnne ſeiner noth ein gnaͤdig angeſicht;
Mehr thraͤnen ſieheſt du als ſchwartze dinte flieſſen/
Das ſiegel iſt das blut/ ſo aus den wunden bricht.
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| Zitationshilfe: | Hoffmannswaldau, Christian Hoffmann von: Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. [Bd. 1]. Leipzig, 1695, S. 297. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte01_1695/341>, abgerufen am 06.08.2024. |


