Hoffmannswaldau, Christian Hoffmann von: Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. [Bd. 1]. Leipzig, 1695.Vorrede. liebliche/ galante und verliebte; von Lohenstein diescharffsinnige/ spruchreiche und gelehrte/ und also von einem ieden eine besondere schreib-art lernen/ und durch deren künstliche vermischung diejenige zu wege bringen/ welche die Lateiner den stylum sublimem nennen. In Comödien haben Herr Gryphius und Herr Weise etwas gethan. Der erste giebet an lustigkeit dem Moliere nichts nach/ hat aber mehr auff kurtzweil als durchziehung der laster gesehen. In dem andern ist der stylus gut/ ungeachtet seine Comödien/ wegen der vielen per- sonen/ so er dazu gebrauchen müssen/ mit denen regeln des Theatri nicht sehr zusammen stimmen. Es ist auch nicht zu hoffen/ daß wir viel bessere er- leben werden/ weiln es nicht der mühe lohnet Co- mödien zu machen/ wo man nicht zum wenigsten die freude hat/ sie spielen zu sehen. Von satyri- schen dingen haben wir noch gar nichts auffzuwei- sen/ als was Herr Rachelius geschrieben/ und Herr Opitz hin und wieder in seinen gedichten mit einge- streuet. Aber es ist nichts vollkommenes/ und es wäre zu wünschen/ daß sich iemand fände/ wel- cher uns auch in diesem stücke befriedigen könte. Jedoch/ wir fallen zu weit/ und schwatzen von dingen/ welche die allerwenigsten von uns von nö- then haben. Denn unter tausenden ist kaum einer so glückselig/ daß er sich zur Poesie rechtschaffen schickete; und so er es ja endlich ist/ so gebricht es ihm
Vorrede. liebliche/ galante und verliebte; von Lohenſtein dieſcharffſinnige/ ſpruchreiche und gelehrte/ und alſo von einem ieden eine beſondere ſchreib-art lernen/ und durch deren kuͤnſtliche vermiſchung diejenige zu wege bringen/ welche die Lateiner den ſtylum ſublimem nennen. In Comoͤdien haben Herr Gryphius und Herr Weiſe etwas gethan. Der erſte giebet an luſtigkeit dem Moliere nichts nach/ hat aber mehr auff kurtzweil als durchziehung der laſter geſehen. In dem andern iſt der ſtylus gut/ ungeachtet ſeine Comoͤdien/ wegen der vielen per- ſonen/ ſo er dazu gebrauchen muͤſſen/ mit denen regeln des Theatri nicht ſehr zuſammen ſtimmen. Es iſt auch nicht zu hoffen/ daß wir viel beſſere er- leben werden/ weiln es nicht der muͤhe lohnet Co- moͤdien zu machen/ wo man nicht zum wenigſten die freude hat/ ſie ſpielen zu ſehen. Von ſatyri- ſchen dingen haben wir noch gar nichts auffzuwei- ſen/ als was Herr Rachelius geſchrieben/ und Herr Opitz hin und wieder in ſeinen gedichten mit einge- ſtreuet. Aber es iſt nichts vollkommenes/ und es waͤre zu wuͤnſchen/ daß ſich iemand faͤnde/ wel- cher uns auch in dieſem ſtuͤcke befriedigen koͤnte. Jedoch/ wir fallen zu weit/ und ſchwatzen von dingen/ welche die allerwenigſten von uns von noͤ- then haben. Denn unter tauſenden iſt kaum einer ſo gluͤckſelig/ daß er ſich zur Poeſie rechtſchaffen ſchickete; und ſo er es ja endlich iſt/ ſo gebricht es ihm
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Vorrede.
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ſcharffſinnige/ ſpruchreiche und gelehrte/ und alſo
von einem ieden eine beſondere ſchreib-art lernen/
und durch deren kuͤnſtliche vermiſchung diejenige zu
wege bringen/ welche die Lateiner den ſtylum
ſublimem nennen. In Comoͤdien haben Herr
Gryphius und Herr Weiſe etwas gethan. Der
erſte giebet an luſtigkeit dem Moliere nichts nach/
hat aber mehr auff kurtzweil als durchziehung der
laſter geſehen. In dem andern iſt der ſtylus gut/
ungeachtet ſeine Comoͤdien/ wegen der vielen per-
ſonen/ ſo er dazu gebrauchen muͤſſen/ mit denen
regeln des Theatri nicht ſehr zuſammen ſtimmen.
Es iſt auch nicht zu hoffen/ daß wir viel beſſere er-
leben werden/ weiln es nicht der muͤhe lohnet Co-
moͤdien zu machen/ wo man nicht zum wenigſten
die freude hat/ ſie ſpielen zu ſehen. Von ſatyri-
ſchen dingen haben wir noch gar nichts auffzuwei-
ſen/ als was Herr Rachelius geſchrieben/ und Herr
Opitz hin und wieder in ſeinen gedichten mit einge-
ſtreuet. Aber es iſt nichts vollkommenes/ und es
waͤre zu wuͤnſchen/ daß ſich iemand faͤnde/ wel-
cher uns auch in dieſem ſtuͤcke befriedigen koͤnte.
Jedoch/ wir fallen zu weit/ und ſchwatzen von
dingen/ welche die allerwenigſten von uns von noͤ-
then haben. Denn unter tauſenden iſt kaum einer
ſo gluͤckſelig/ daß er ſich zur Poeſie rechtſchaffen
ſchickete; und ſo er es ja endlich iſt/ ſo gebricht es
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| Zitationshilfe: | Hoffmannswaldau, Christian Hoffmann von: Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. [Bd. 1]. Leipzig, 1695, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte01_1695/35>, abgerufen am 06.08.2024. |


