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Hofmannswaldau, Christian Hofmann von: Herrn von Hoffmannswaldau und anderer Deutschen auserlesener und bißher ungedruckter Gedichte. Bd. 4. Leipzig, 1708.

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Galante und
Das vormals kleine haupt ist allzu dick und breit/
Ja wo uns die natur ließ ihre künste lesen/
Da lässet sie uns jetzt auch ihre fehler sehn.
Ach schmertz! was hat an dir dein meister-stück verbre-
chen?
Daß ihm ein solcher fall zur straffe muß geschehn?
O himmel! dieses heist mehr als zu scharff gerochen!
Doch nein/ ich glaube nicht daß es von dir entspringt/
Es kan dein Ubel wohl aus andern qvellen fliessen/
Wer zweifelt? daß die welt verfluchte schlangen bringt/
Die ihr verteuffelt gifft auff alle stellen giessen;
Vielleichte trat dein Fuß auf einen solchen ort!
Vielleichte hat dich wo ein drachen-hauch vergifftet/
Und basilisken blick; vielleichte hat ein wort/
Durch seine zauberkrafft dein unglück angestifftet.
So war/ verdammter neid/ dir so ein leichtes ding/
Lisettens grossen geist mit tausend lügen plagen?
Du must auch ihren leib der voller rosen hieng/
Mit greulicher geschwulst durch teuffels mittel schlagen.
O himmel! schaustu diß und kanst geduldig seyn?
Wilstu nicht ohn verzug den frechen frevel dämpffen?
Und schlägt dein eyfer nicht mit blitz und donner drein?
Auff! auff! du selber must vor deine kinder kämpffen!
Brich loß/ zertritt den kopff/ der uns so tieff verletzt;
Es müsse tausend weh auff dessen scheitel kommen/
Und tausend plagen sey demselben zugesetzt/
Der sich mein engel dir zu fluchen unternommen.
Nun wohl! es wird geschehn/ getrost mein werthes kind!
Dein auge sieht betrübt/ ich muß mit dir mich grämen;
Allein getrost! gleichwie man offtmals wieder findt/
Was uns der himmel ließ durch fremde tücke nehmen;
So glaube/ daß auch du die jetzt verlohrne pracht
Der glieder artigkeit bald wieder kanst verlangen;
Und wie ein Phoenix/ den die flamme neu gemacht/
Weit schöner als zuvor mit neuer zierde prangen.
Doch gläube dieses mir/ mein engel auch dabey/
Solt uns der himmel gleich nach wunsche nicht erhören/

So

Galante und
Das vormals kleine haupt iſt allzu dick und breit/
Ja wo uns die natur ließ ihre kuͤnſte leſen/
Da laͤſſet ſie uns jetzt auch ihre fehler ſehn.
Ach ſchmertz! was hat an dir dein meiſter-ſtuͤck verbre-
chen?
Daß ihm ein ſolcher fall zur ſtraffe muß geſchehn?
O himmel! dieſes heiſt mehr als zu ſcharff gerochen!
Doch nein/ ich glaube nicht daß es von dir entſpringt/
Es kan dein Ubel wohl aus andern qvellen flieſſen/
Wer zweifelt? daß die welt verfluchte ſchlangen bringt/
Die ihr verteuffelt gifft auff alle ſtellen gieſſen;
Vielleichte trat dein Fuß auf einen ſolchen ort!
Vielleichte hat dich wo ein drachen-hauch vergifftet/
Und baſilisken blick; vielleichte hat ein wort/
Durch ſeine zauberkrafft dein ungluͤck angeſtifftet.
So war/ verdammter neid/ dir ſo ein leichtes ding/
Liſettens groſſen geiſt mit tauſend luͤgen plagen?
Du muſt auch ihren leib der voller roſen hieng/
Mit greulicher geſchwulſt durch teuffels mittel ſchlagen.
O himmel! ſchauſtu diß und kanſt geduldig ſeyn?
Wilſtu nicht ohn verzug den frechen frevel daͤmpffen?
Und ſchlaͤgt dein eyfer nicht mit blitz und donner drein?
Auff! auff! du ſelber muſt vor deine kinder kaͤmpffen!
Brich loß/ zertritt den kopff/ der uns ſo tieff verletzt;
Es muͤſſe tauſend weh auff deſſen ſcheitel kommen/
Und tauſend plagen ſey demſelben zugeſetzt/
Der ſich mein engel dir zu fluchen unternommen.
Nun wohl! es wird geſchehn/ getroſt mein werthes kind!
Dein auge ſieht betruͤbt/ ich muß mit dir mich graͤmen;
Allein getroſt! gleichwie man offtmals wieder findt/
Was uns der himmel ließ durch fremde tuͤcke nehmen;
So glaube/ daß auch du die jetzt verlohrne pracht
Der glieder artigkeit bald wieder kanſt verlangen;
Und wie ein Phoenix/ den die flamme neu gemacht/
Weit ſchoͤner als zuvor mit neuer zierde prangen.
Doch glaͤube dieſes mir/ mein engel auch dabey/
Solt uns der himmel gleich nach wunſche nicht erhoͤren/

So
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[44/0046] Galante und Das vormals kleine haupt iſt allzu dick und breit/ Ja wo uns die natur ließ ihre kuͤnſte leſen/ Da laͤſſet ſie uns jetzt auch ihre fehler ſehn. Ach ſchmertz! was hat an dir dein meiſter-ſtuͤck verbre- chen? Daß ihm ein ſolcher fall zur ſtraffe muß geſchehn? O himmel! dieſes heiſt mehr als zu ſcharff gerochen! Doch nein/ ich glaube nicht daß es von dir entſpringt/ Es kan dein Ubel wohl aus andern qvellen flieſſen/ Wer zweifelt? daß die welt verfluchte ſchlangen bringt/ Die ihr verteuffelt gifft auff alle ſtellen gieſſen; Vielleichte trat dein Fuß auf einen ſolchen ort! Vielleichte hat dich wo ein drachen-hauch vergifftet/ Und baſilisken blick; vielleichte hat ein wort/ Durch ſeine zauberkrafft dein ungluͤck angeſtifftet. So war/ verdammter neid/ dir ſo ein leichtes ding/ Liſettens groſſen geiſt mit tauſend luͤgen plagen? Du muſt auch ihren leib der voller roſen hieng/ Mit greulicher geſchwulſt durch teuffels mittel ſchlagen. O himmel! ſchauſtu diß und kanſt geduldig ſeyn? Wilſtu nicht ohn verzug den frechen frevel daͤmpffen? Und ſchlaͤgt dein eyfer nicht mit blitz und donner drein? Auff! auff! du ſelber muſt vor deine kinder kaͤmpffen! Brich loß/ zertritt den kopff/ der uns ſo tieff verletzt; Es muͤſſe tauſend weh auff deſſen ſcheitel kommen/ Und tauſend plagen ſey demſelben zugeſetzt/ Der ſich mein engel dir zu fluchen unternommen. Nun wohl! es wird geſchehn/ getroſt mein werthes kind! Dein auge ſieht betruͤbt/ ich muß mit dir mich graͤmen; Allein getroſt! gleichwie man offtmals wieder findt/ Was uns der himmel ließ durch fremde tuͤcke nehmen; So glaube/ daß auch du die jetzt verlohrne pracht Der glieder artigkeit bald wieder kanſt verlangen; Und wie ein Phoenix/ den die flamme neu gemacht/ Weit ſchoͤner als zuvor mit neuer zierde prangen. Doch glaͤube dieſes mir/ mein engel auch dabey/ Solt uns der himmel gleich nach wunſche nicht erhoͤren/ So

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Zitationshilfe: Hofmannswaldau, Christian Hofmann von: Herrn von Hoffmannswaldau und anderer Deutschen auserlesener und bißher ungedruckter Gedichte. Bd. 4. Leipzig, 1708, S. 44. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte04_1708/46>, abgerufen am 21.09.2021.